Til Schweiger ist einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Filmemacher, und er verdient sein Geld anders als die meisten Schauspieler. Seit Mitte der Neunzigerjahre produziert er seine wichtigsten Filme selbst, schreibt an den Drehbüchern mit, führt Regie und übernimmt die Hauptrolle. An einem Kinoerfolg hängt bei ihm deshalb nicht nur eine Darstellergage, sondern ein Bündel aus Produzentenanteil, Regiehonorar, Drehbuchbeteiligung und Verwertungsrechten. Dazu kommen eine eigene Lizenzmarke, Werbeverträge und Immobilien in drei Ländern. Wir schätzen das Vermögen von Til Schweiger auf rund 90 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Til Schweiger?
Woraus sich die Schätzung zusammensetzt
Deutsche Kinozahlen sind öffentlich, und das macht Schweiger zu einem der wenigen deutschen Prominenten, bei denen sich die wirtschaftliche Substanz einer Karriere nachrechnen lässt. Allein seine vier größten Regiearbeiten erreichten in Deutschland zusammen rund 22 Millionen Kinobesucher. Bei einem Ticketpreis im einstelligen Euro-Bereich ergibt das Bruttoeinnahmen im dreistelligen Millionenbereich, von denen ein Teil über Verleih, Kinos und Steuern abfließt, ein anderer aber bei Produktion und Rechteinhabern bleibt.
Deutlich kleiner und in den letzten Jahren geschrumpft ist der zweite Bereich. Die Marke Barefoot war zeitweise auf Handel, Gastronomie, Hotels und Getränke ausgedehnt, davon läuft heute weniger als vor einigen Jahren. Wir rechnen diesen Teil deshalb niedrig ein und stützen die Schätzung überwiegend auf das Filmgeschäft.
Warum Produzent und Regisseur mehr einbringt als die Rolle
Ein Schauspieler bekommt eine Gage für Drehtage. Ein Produzent hält Anteile an einer Filmgesellschaft, ein Rechteinhaber verdient nach dem Kinostart weiter, über Fernsehlizenzen, Streaming, Auslandsverkäufe und Heimkino. Darin liegt der Unterschied zwischen Schweiger und Kollegen, die ausschließlich vor der Kamera arbeiten, und es ist der Grund, warum ein Vergleich über die Zahl der Filmrollen bei ihm in die Irre führt. Ähnlich aufgestellt ist in Deutschland nur eine Handvoll Leute, etwa Matthias Schweighöfer, der ebenfalls als Produzent und Regisseur arbeitet.
Barefoot Films und das Geld hinter den Kinoerfolgen
Der entscheidende Schritt in Schweigers Karriere war nicht eine Rolle, sondern eine Firmengründung. Seit er selbst produziert, entscheidet er über Budgets, Besetzung und Rechte, und er trägt entsprechend auch das Risiko.
Von Mr. Brown Entertainment zur eigenen Produktionsfirma
1996 gründete Schweiger gemeinsam mit dem Produzenten Thomas Zickler und dem Schauspieler André Hennicke die Firma Mr. Brown Entertainment. Deren erste Produktion war 1997 „Knockin‘ on Heaven’s Door“, der erste Film, bei dem Schweiger als Produzent auftrat. 2004 folgte mit Zickler die Gründung der Barefoot Films GmbH, zunächst mit Sitz in Köln, alleiniger Gesellschafter war von Anfang an Schweiger selbst. Ende 2007 zog die Firma nach Berlin, Geschäftsführer ist seit Mai 2022 sein Bruder Florian Schweiger. Über Barefoot Films laufen seit 2005 nahezu alle eigenen Kinofilme, dazu Auftragsarbeiten wie die 2020 bei Prime Video veröffentlichte Dokumentation über Bastian Schweinsteiger und der Musikfilm „Unsere Zeit ist jetzt“ über den Rapper Cro.
Die Filme mit den höchsten Besucherzahlen
„Keinohrhasen“ kam nach dem Start im Dezember 2007 auf über 6,3 Millionen Kinobesucher in Deutschland und war der erfolgreichste Film des Jahres 2008. Die Fortsetzung „Zweiohrküken“ erreichte ab November 2009 rund 4,2 Millionen Besucher, „Kokowääh“ ab Februar 2011 über 4,3 Millionen. Der größte Erfolg wurde „Honig im Kopf“ aus dem Jahr 2014 mit 7,19 Millionen Kinobesuchern, dafür erhielt Schweiger 2015 den Deutschen Filmpreis in der Kategorie besucherstärkster Film. „Manta Manta – Zwoter Teil“ verkaufte nach dem Start Ende März 2023 im deutschsprachigen Raum über 1,1 Millionen Tickets.
Als Darsteller in internationalen Produktionen war Schweiger 2003 neben Angelina Jolie in „Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens“ zu sehen, 2004 in „King Arthur“ und 2009 in „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino an der Seite von Christoph Waltz. Für das deutsche Fernsehen übernahm er ab 2013 die Rolle des Hamburger Kommissars Nick Tschiller, dessen erster Fall die höchste Zuschauerzahl einer Tatort-Folge seit knapp zwei Jahrzehnten erreichte. Wie die Honorare in dieser Reihe aussehen, zeigt unsere Übersicht zu den Gagen der Tatort-Kommissare.
Der Streit um die Drehbuchbeteiligung
Der wirtschaftlich aufschlussreichste Rechtsstreit um Schweigers Filme ist der Fall der Drehbuchautorin Anika Decker, die „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ geschrieben hatte. Sie berief sich auf den Fairnessparagrafen des Urheberrechts, der eine nachträgliche Anpassung der Vergütung erlaubt, wenn der Erfolg in auffälligem Missverhältnis zum vereinbarten Honorar steht. Das Landgericht Berlin sprach ihr zunächst einen Auskunftsanspruch über die Einnahmen der Filme zu, den das Kammergericht Berlin bestätigte. Im September 2023 entschied das Landgericht Berlin auf eine Nachvergütung von rund 180.000 Euro. Im März 2025 nahm Decker ihre Berufung gegen dieses Urteil zurück, das Verfahren ist damit beendet.
Die Marke Barefoot zwischen Handel, Gastronomie und Hotels
Neben der Produktionsfirma baute Schweiger ab 2014 eine Lizenzmarke mit dem Barfuß-Motiv auf. Sie umfasste zeitweise Einrichtungsprodukte, Restaurants, Hotels, Wein und Bier. Von diesem Aufbau steht heute deutlich weniger als am Anfang, und die einzelnen Teile haben ihren Status zu unterschiedlichen Zeitpunkten geändert.
barefoot living und der Verkauf an die Social Chain
2014 startete Schweiger den Onlineshop barefoot living mit Wohnaccessoires, Möbeln und Kleidung. Im September 2020 übernahm die Social Chain AG die barefoot living GmbH über ihre Tochtergesellschaft Urbanara. Hinter der Social Chain stand Georg Kofler, bekannt als Investor in der Sendung Die Höhle der Löwen. Ein Kaufpreis wurde offiziell nicht genannt. Schweiger blieb der Marke als Markenbotschafter erhalten, das Handelsgeschäft gehört ihm seither nicht mehr.
Restaurants und Pizzerien in Hamburg und auf Mallorca
Die Hotels unter dem Barefoot-Namen
Das erste Barefoot Hotel eröffnete 2017 am Timmendorfer Strand. Der Lizenzvertrag zwischen Schweiger und dem Hotelbetreiber lief Ende Juli 2021 aus und wurde nicht verlängert, das Haus wird seit dem 25. Juli 2021 als The Cozy Hotel geführt und gehört nicht mehr zur Marke.
Das zweite Haus dieser Reihe liegt in Portocolom an der Ostküste Mallorcas und empfing am 1. Juli 2022 die ersten Gäste. Es hat rund 60 Zimmer, wird von der Hotelgruppe arcona Hotels und Resorts betrieben und trägt weiterhin den Barefoot-Namen, womit es das einzige Hotel unter der Marke ist. Schweiger hat Konzept und Einrichtung entwickelt, im Restaurant des Hauses stehen ausgewiesene Lieblingsgerichte von ihm auf der Karte.
Wein, Bier und zwei Gesellschaften in Liquidation
Zur Marke gehörten außerdem eigene Weine und ein eigenes Bier. Die Hawesko-Gruppe, die die Weine vertrieben hatte, erklärte Anfang 2025, dass die Zusammenarbeit mit dem Auslaufen der Kooperation Ende 2024 beendet wurde. Bier und Weine der Marke sind seither nicht mehr im Handel.
Für zwei Gesellschaften ist der Rückbau amtlich dokumentiert: Die im Juli 2015 gegründete Barefoot Management Holding GmbH befindet sich laut einer Meldung im Bundesanzeiger seit dem 27. Dezember 2024 in Liquidation, ebenso die Barefoot Media GmbH. In einer Liquidation wird eine Gesellschaft aufgelöst und das verbliebene Vermögen verwertet, die Gläubiger werden aufgerufen, sich zu melden. Die Produktionsfirma Barefoot Films ist davon nicht betroffen.
Werbeverträge und Immobilien
Neben Film und Marke sind Werbung und Grundbesitz die beiden Posten, die bei Schweiger am besten datierbar sind.
Kampagnen für Braun, Watchever und die VHV
Für den Rasiererhersteller Braun warb Schweiger ab 2009 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2013 trat er für den Streamingdienst Watchever in vier Spots gemeinsam mit seiner Tochter Emma auf und führte dabei erstmals selbst Regie bei einer Werbekampagne. 2018 folgte ein Spot für die VHV Gruppe.
Häuser in Malibu, Hamburg und auf Mallorca
Von 1997 bis 2004 lebte die Familie in Point Dume bei Malibu in Kalifornien, danach zog sie nach Hamburg-Niendorf. Die dortige Villa erwarb Schweiger 2003, sie umfasst rund 600 Quadratmeter und wurde 2016 verkauft. Eine weitere Hamburger Villa mit rund 670 Quadratmetern, die er ab 2020 bewohnte, verkaufte er im Februar 2022 an den Medienunternehmer Frank Otto. Auf Mallorca kaufte er 2013 eine Finca im Palma-Stadtteil Establiments, die zuvor der Schauspielerin und Unternehmerin Ursula Karven gehörte; das Grundstück ist rund 20.000 Quadratmeter groß.
Häufige Fragen zu Til Schweiger
Wie hoch ist das Vermögen von Til Schweiger?
Wir schätzen es auf rund 90 Millionen Euro. Den größten Teil machen die Erlöse aus seinen eigenproduzierten Kinofilmen und den daran hängenden Verwertungsrechten aus, dazu kommen Immobilien, Lizenzeinnahmen und Werbeverträge.
Woher kommt das Vermögen von Til Schweiger?
Aus dem Filmgeschäft, und zwar überwiegend nicht aus Darstellergagen. Schweiger produziert seine wichtigsten Filme über die 2004 gegründete Barefoot Films GmbH selbst, schreibt an den Drehbüchern mit und führt Regie. Damit ist er an Kinoerlösen, Fernsehlizenzen und Auslandsverkäufen beteiligt und nicht nur an einem Drehtageshonorar.
Wie viel verdient Til Schweiger als Produzent und Regisseur?
Die Größenordnung des Geschäfts zeigen die Besucherzahlen: „Honig im Kopf“ erreichte 7,19 Millionen Kinobesucher in Deutschland, „Keinohrhasen“ über 6,3 Millionen, „Kokowääh“ über 4,3 Millionen und „Zweiohrküken“ rund 4,2 Millionen. Bei diesen Filmen war Schweiger jeweils Produzent, Regisseur, Mitautor und Hauptdarsteller und damit an mehreren Stellen an den Einnahmen beteiligt.
Welche Unternehmen gehören heute zur Marke Barefoot?
Von der Marke läuft vor allem das Barefoot Hotel Mallorca in Portocolom, betrieben von arcona Hotels und Resorts. Der Onlineshop barefoot living wurde 2020 verkauft, die Hamburger Gastronomie 2020 abgegeben, das Hotel am Timmendorfer Strand verließ die Marke 2021, und die Wein-Kooperation endete 2024. Die Produktionsfirma Barefoot Films arbeitet weiter.
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