Millionen Euro
Entschädigungsfonds für Betroffene121 Mio. US-Dollar an rund 150 Anspruchsberechtigte (2020 bis 2021)
Nachlassvermögen (31. März 2025)131 Mio. US-Dollar
Geburtsdatum20. Januar 1953
Geboren inNew York City, USA
NationalitätUSA
Todesdatum10. August 2019 († 66 Jahre)
Verstorben inNew York City, USA
BerufFinanzberater und Vermögensverwalter
Voller NameJeffrey Edward Epstein

Jeffrey Epstein verwaltete über rund drei Jahrzehnte Geld für eine sehr kleine Zahl außergewöhnlich wohlhabender Mandanten und baute dabei selbst ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe auf. Der 1953 in New York geborene Finanzberater führte seine Firmen von den Amerikanischen Jungferninseln aus und legte die Struktur seiner Geschäfte zu keinem Zeitpunkt offen. Verurteilt wurde er 2008 vor einem Gericht des US-Bundesstaates Florida wegen zweier Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution. Am 10. August 2019 starb er in New York in Untersuchungshaft, die Gerichtsmedizin von New York City nannte am 16. August 2019 Suizid als Todesursache. Den Nachlass, den er hinterließ, schätzen wir auf rund 515 Millionen Euro.

Wie hoch war das Vermögen von Jeffrey Epstein?

Am 15. August 2019 reichten die beiden Testamentsvollstrecker beim Nachlassgericht der Amerikanischen Jungferninseln den Antrag auf Testamentseröffnung ein und legten dabei eine Aufstellung der Vermögenswerte vor. Diese Aufstellung ist öffentlich und bildet bis heute den Ausgangspunkt jeder Berechnung. Auf ihrer Basis schätzen wir den Nachlass zum Zeitpunkt seines Todes auf rund 515 Millionen Euro.

Was das Nachlassinventar aufführte

Das Inventar ordnete die Werte in klar getrennte Blöcke. Auf den Amerikanischen Jungferninseln lagen 56,5 Millionen US-Dollar an Bargeld, 127 Millionen US-Dollar in Anleihen und Aktien sowie 195 Millionen US-Dollar in Hedgefonds- und Private-Equity-Beteiligungen. Dazu kamen 18,5 Millionen US-Dollar für Flugzeuge, Boote und Fahrzeuge, während Kunst und Antiquitäten noch nicht bewertet waren.

Der Immobilienbesitz stand mit rund 117 Millionen US-Dollar in den Büchern und war damit der zweitgrößte Posten. Bei Steve Jobs bestand der Nachlass fast vollständig aus Aktienpaketen zweier Unternehmen, hier verteilte er sich über Wertpapiere, Beteiligungen, Bargeld und Grundbesitz in vier Ländern.

Warum die Herkunft eines Teils ungeklärt ist

Epsteins Firmen legten weder Kundenlisten noch Mandatsverträge offen, belegt sind nur einzelne Zahlungsströme aus Gerichtsverfahren und Untersuchungsberichten. Ein im Juli 2025 veröffentlichter Prüfbericht des Finanzausschusses des US-Senats verweist auf mehr als 4.700 Transaktionen über Konten bei vier Banken mit einem Volumen von über 1,9 Milliarden US-Dollar, die bislang nicht vollständig zugeordnet sind.

Woher das Geld von Jeffrey Epstein stammte

Epstein war weder Investmentbanker im klassischen Sinn noch Fondsmanager mit breitem Kundenstamm. Sein Geschäftsmodell beruhte auf wenigen Mandaten mit sehr hohen Honoraren, ergänzt um Steuervorteile.

Der Weg in die Vermögensverwaltung

Verdienst von Jeffrey Epstein Epstein brach sein Mathematikstudium ab und unterrichtete anschließend ohne Abschluss an einer Privatschule in Manhattan. Mitte der 1970er-Jahre wechselte er als Händler zur Investmentbank Bear Stearns und machte sich Anfang der 1980er-Jahre mit einer eigenen Firma für Vermögensverwaltung selbstständig. Später verlegte er den Sitz seiner Geschäfte auf die Amerikanischen Jungferninseln, wo er 1996 seinen Wohnsitz anmeldete und 1998 die Financial Trust Company gründete. Ein zweites Unternehmen, die Southern Trust Company, entstand 2011 und übernahm ab dem Folgejahr das operative Geschäft.

Die Honorare und ihre Struktur

Nach den Jahresabschlüssen, die über eine Klage auf Akteneinsicht öffentlich wurden, nahmen seine beiden Firmen zwischen 1999 und 2018 mehr als 800 Millionen US-Dollar ein. Mindestens 490 Millionen US-Dollar davon waren Honorare, der Rest stammte aus Kursgewinnen. Nach Schätzung von Forbes entfielen mehr als drei Viertel dieser Honorare auf lediglich zwei Mandanten.

Feste Sätze gab es dabei offenbar nicht. Sein übliches Jahreshonorar bezifferte Epstein gegenüber einem Mandanten mit 40 Millionen US-Dollar, tatsächlich wurden die Beträge einzeln ausgehandelt und teilweise ohne schriftlichen Vertrag gezahlt. Belegt sind für 2012 bis 2017 Zahlungen von 170 Millionen US-Dollar eines einzigen Mandanten. Wie stark das Geschäft an Einzelmandaten hing, zeigt der Bruch nach 2007: Zwischen 2000 und 2006 hatte die Financial Trust Company noch 300 Millionen US-Dollar an Honoraren erwirtschaftet, in den sechs Jahren danach weniger als fünf Millionen US-Dollar.

Die Steuervorteile auf den Amerikanischen Jungferninseln

Das Wirtschaftsförderprogramm des Territoriums befreit Unternehmen von 90 Prozent der Körperschaftsteuer und vollständig von Brutto- und Verbrauchsteuern, sofern sie zehn Vollzeitkräfte vor Ort beschäftigen und 100.000 US-Dollar lokal investieren. Epstein erhielt diese Vorteile ab Dezember 1998 zunächst für zehn Jahre, verlängert bis 2014; für das zweite Unternehmen liefen sie ab März 2013 bis Ende 2023.

Nach Gerichtsunterlagen zahlten seine Firmen zwischen 1999 und 2018 nur rund 41 Millionen US-Dollar an Steuern, während der reguläre Spitzensatz bei 38,5 Prozent lag. Forbes beziffert die ersparten Steuern auf rund 300 Millionen US-Dollar. Dass Struktur und Steuerlast über die Größe eines Vermögens mitentscheiden, zeigt auch das Vermögen der Familie Rockefeller oder der Blick auf die reichsten Menschen der Welt.

Die Vermögenswerte und was aus ihnen wurde

Der Nachlass wurde zwischen 2021 und 2023 fast vollständig verwertet, für die großen Posten liegen deshalb belegte Verkaufserlöse vor.

Die Immobilien und ihre Verkaufserlöse

Das Stadthaus in der 9 East 71st Street in Manhattan stand mit 56 Millionen US-Dollar im Inventar, wurde für 88 Millionen US-Dollar angeboten und ging im März 2021 für 51 Millionen US-Dollar weg. Das Anwesen in Palm Beach an der Adresse 358 El Brillo Way war mit 12,4 Millionen US-Dollar bewertet und wurde im Januar 2021 für 18,5 Millionen US-Dollar verkauft; der Käufer ließ es abreißen und veräußerte das leere Grundstück acht Monate später für 26 Millionen US-Dollar weiter.

Die rund 10.000 Acre große Zorro Ranch bei Stanley in New Mexico war mit 17,2 Millionen US-Dollar angesetzt und wurde im August 2023 zu einem nicht veröffentlichten Preis verkauft. Die Wohnung in der 22 Avenue Foch in Paris stand mit 8,7 Millionen US-Dollar im Inventar und ging im Juni 2022 für rund zehn Millionen US-Dollar weg. Der größte Einzelposten waren die beiden Inseln Little St. James und Great St. James, im Inventar mit zusammen 31 Millionen US-Dollar bewertet und im Mai 2023 für 60 Millionen US-Dollar an einen Investor verkauft.

Insgesamt brachten die Immobilienverkäufe zwischen 2021 und 2023 rund 160 Millionen US-Dollar ein, deutlich mehr als die 117 Millionen US-Dollar der Inventarbewertung.

Wertpapiere, Beteiligungen und Fluggerät

Der Kern des Vermögens waren nicht die Immobilien, sondern rund 380 Millionen US-Dollar aus Bargeld und Anlagen. Ein Teil der Fondsanteile war langfristig gebunden und ist bis heute nicht vollständig aufgelöst. Zum Fluggerät gehörte eine Boeing 727, die 2020 zu einem nicht veröffentlichten Preis an einen Luftfahrtdienstleister in Florida ging; gemeinsam mit Booten und Fahrzeugen stand dieser Bereich mit 18,5 Millionen US-Dollar im Inventar und wog damit ähnlich wenig wie das Fluggerät im Nachlass von Niki Lauda.

Die Abwicklung des Nachlasses

Ein Testament allein entscheidet nicht darüber, wohin ein Vermögen fließt. Epstein hatte sein Vermögen am 8. August 2019 in einen Trust zugunsten seines Bruders übertragen lassen, doch Gläubiger und Anspruchsberechtigte griffen diese Konstruktion erfolgreich an.

Der Entschädigungsfonds für Betroffene

Der Nachlass richtete 2020 einen außergerichtlichen Entschädigungsfonds ein, der Anträge ab dem 25. Juni 2020 entgegennahm, die Frist am 25. März 2021 schloss und im August 2021 abgeschlossen wurde. Rund 225 Anträge gingen ein, mehr als doppelt so viele wie erwartet.

Ausgezahlt wurden mehr als 121 Millionen US-Dollar an rund 150 Anspruchsberechtigte, 92 Prozent der als berechtigt eingestuften Antragsteller nahmen das Angebot an. Einschließlich der Vergleiche außerhalb des Fonds zahlte der Nachlass seit 2019 mehr als 160 Millionen US-Dollar an Anspruchsberechtigte.

Der Vergleich mit den Amerikanischen Jungferninseln

Die Regierung der Amerikanischen Jungferninseln klagte 2020 gegen den Nachlass. Im Dezember 2022 einigten sich beide Seiten auf mehr als 105 Millionen US-Dollar in bar, darin enthalten über 80 Millionen US-Dollar an zurückgeforderten Steuervorteilen. Zusätzlich fließt die Hälfte des Erlöses aus dem Inselverkauf in einen Treuhandfonds des Territoriums.

Steuervorauszahlung und Rückerstattung

2020 zahlte der Nachlass rund 190 Millionen US-Dollar Steuern auf die erwartete Verwertung der Vermögenswerte. Weil mehrere Posten weniger einbrachten als angesetzt, allen voran das Stadthaus in Manhattan, erstattete die US-Steuerbehörde IRS Anfang 2025 davon 112 Millionen US-Dollar zurück. Ohne diese Rückerstattung wäre der Nachlass auf unter 40 Millionen US-Dollar zusammengeschmolzen.

Was vom Nachlass übrig blieb

Zum Stichtag 31. März 2025 wies der Nachlass noch 131 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten aus, darunter 49 Millionen US-Dollar Bargeld und 79 Millionen US-Dollar in nicht näher bezeichneten Beteiligungen. Sobald die verbliebenen Ansprüche abgeschlossen sind, soll der Rest in einen Treuhandfonds überführt werden; dessen Begünstigte müssen nach dem Recht der Amerikanischen Jungferninseln nicht veröffentlicht werden.

Dass ein großer Nachlass über Jahre schrumpft oder wächst, ist kein Einzelfall. Beim hinterlassenen Vermögen von Michael Jackson standen zunächst hohe Verbindlichkeiten im Raum, bevor die Verwertung der Rechte den Wert wieder hob, und beim Nachlass von Elvis Presley entschied erst die spätere Verwaltung über die Größenordnung. Bei Karl Lagerfeld, Dietrich Mateschitz und Ferdinand Piëch war der Nachlass dagegen von Beginn an geordnet.

Häufige Fragen zu Jeffrey Epsteins Vermögen

Wie hoch war das Vermögen von Jeffrey Epstein?

Wir schätzen den Nachlass zum Zeitpunkt seines Todes auf rund 515 Millionen Euro. Grundlage ist das Nachlassinventar vom August 2019.

Woher stammte das Vermögen von Jeffrey Epstein?

Aus Honoraren für die Vermögensverwaltung sehr weniger Mandanten, aus Kursgewinnen der eigenen Anlagen und aus Steuervorteilen der Amerikanischen Jungferninseln. Zwischen 1999 und 2018 nahmen seine Firmen mehr als 800 Millionen US-Dollar ein, davon mindestens 490 Millionen an Honoraren.

Was ist aus den Immobilien des Nachlasses geworden?

Alle fünf Objekte in Manhattan, Palm Beach, New Mexico, Paris und vor den Amerikanischen Jungferninseln wurden zwischen 2021 und 2023 verkauft und brachten zusammen rund 160 Millionen US-Dollar ein.

Wie viel zahlte der Nachlass an Anspruchsberechtigte aus?

Der Entschädigungsfonds zahlte bis August 2021 mehr als 121 Millionen US-Dollar an rund 150 Anspruchsberechtigte aus, einschließlich weiterer Vergleiche sind es mehr als 160 Millionen US-Dollar.

Was ist vom Nachlass heute noch übrig?

Zum Stichtag 31. März 2025 wies der Nachlass 131 Millionen US-Dollar aus. Nach Abschluss der offenen Ansprüche soll der Rest in einen Treuhandfonds fließen, dessen Begünstigte nicht öffentlich sind.

Bildquellen:
Trending Topics 2019 / Flickr [CC-BY 2.0]
Palm Beach County Sheriffs Department / Public domain, via Wikimedia Commons

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