Milliarden Euro
Nicht in der Schätzung enthaltenStaats- und Fondsvermögen Saudi-Arabiens, es ist kein Privatvermögen
Funktion im StaatsfondsVorsitzender des Boards des Public Investment Fund, kraft Amtes und ohne Eigentum am Fonds
Geburtsdatum31. August 1985 (40 Jahre alt)
Geboren inDschidda, Saudi-Arabien
NationalitätSaudi-Arabien
BerufKronprinz und Ministerpräsident von Saudi-Arabien
Voller NameMohammed bin Salman Al Saud

Mohammed bin Salman ist Kronprinz von Saudi-Arabien und seit September 2022 zugleich Ministerpräsident des Landes. Er steht damit an der Spitze eines Staates, der zu den größten Ölexporteuren der Welt gehört, und er führt den Vorsitz im Board des saudischen Staatsfonds. Genau daraus entsteht das Missverständnis, das fast jede Darstellung seines Vermögens prägt: Die Summen, über die er kraft Amtes entscheidet, werden ihm als Privatvermögen zugeschrieben. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wir schätzen das private Vermögen von Mohammed bin Salman auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Wie hoch ist das Vermögen von Mohammed bin Salman?

Einkommen von Mohammed bin Salman Eine belastbare Zahl zum Privatvermögen eines Regierenden gibt es nicht, weil sich private und staatliche Mittel in Saudi-Arabien nicht öffentlich trennen lassen. Wir stützen unsere Schätzung deshalb auf das, was einzeln dokumentiert ist: auf Anschaffungen mit Kaufdatum und Kaufpreis, die namhafte Medien ihm zugerechnet haben. Nach unserer Schätzung kommt Mohammed bin Salman privat auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Diese Zahl liegt deutlich unter dem, was in vielen Übersichten kursiert, und das hat einen einfachen Grund. Wer die Verfügungsgewalt über einen Staatsfonds mitrechnet, kommt schnell in den dreistelligen Milliardenbereich. Das ist eine Aussage über sein Amt und nicht über sein Vermögen.

Warum die großen Ranglisten Regierende nicht führen

Der beste Beleg für diese Trennung kommt von den Vermögensranglisten selbst. Forbes schließt Mitglieder von Königshäusern sowie Machthaber, deren Vermögen sich vollständig aus ihrer Position ableitet, ausdrücklich aus der Milliardärsliste aus. Die Begründung des Verlags ist dieselbe, die wir hier anlegen: Wer über Mittel verfügt, weil er ein Amt innehat, besitzt sie nicht. Aus demselben Grund fehlen dort auch Wladimir Putin, Xi Jinping und Recep Tayyip Erdogan, während Unternehmer wie Bernard Arnault oder Donald Trump mit ihren Firmenanteilen und Immobilien dort geführt werden.

Dieselbe Frage stellt sich bei jeder Monarchie. Beim König von Thailand und beim Nachlass von Queen Elizabeth II. entscheidet die Zuordnung des Kronvermögens über Größenordnungen. Auch bei Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan laufen staatliche Fondsmandate und privates Eigentum nebeneinander her. Historisch ist das nichts Neues: Die sagenhaften Summen, die zum Vermögen von Mansa Musa überliefert sind, beschreiben die Goldvorkommen eines Reiches und nicht den Besitz eines Mannes.

Woraus sich unsere Schätzung speist

Den Kern bilden drei Anschaffungen aus den Jahren 2015 bis 2017, die zusammen bereits rund 1,15 Milliarden Euro ausmachen: ein Schloss westlich von Paris, eine Yacht und ein Gemälde. Dazu kommt weiterer Privatbesitz, der nicht einzeln dokumentiert ist, sowie die Wertentwicklung dieser Sachwerte seit dem Kauf. Analysen, die die Verfügung über den Staatsfonds bewusst ausklammern, landen in derselben Größenordnung von ein bis zwei Milliarden Dollar.

Nicht enthalten sind alle staatlichen Positionen. Dazu zählen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, die Beteiligungen des Staatsfonds und die Budgets der staatlichen Entwicklungsprojekte.

Der Staatsfonds und die Frage des Eigentums

Der Public Investment Fund ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob eine Vermögensangabe zu Mohammed bin Salman seriös ist oder nicht. Deshalb lohnt der genaue Blick auf Rechtsform, Größe und Zuordnung dieses Fonds.

Was der Public Investment Fund ist

Der Fonds wurde per königlichem Dekret M/24 vom 17. August 1971 gegründet. Er besitzt nach dem geltenden Fondsgesetz eine eigene Rechtspersönlichkeit, ist finanziell und administrativ selbstständig und untersteht dem Rat für wirtschaftliche und entwicklungspolitische Angelegenheiten. Eigentümer ist der Staat Saudi-Arabien. Im ersten Quartal 2026 verwaltete der Fonds nach eigenen Angaben ein Vermögen von mehr als 930 Milliarden US-Dollar und zählt damit zu den fünf größten Staatsfonds der Welt.

Das operative Geschäft führt ein Gouverneur, seit 2015 Yasir Al-Rumayyan. Mohammed bin Salman ist Vorsitzender des Boards. Er hat diese Position, weil er dem übergeordneten Rat vorsitzt, also kraft Amtes.

Verfügungsgewalt ist nicht Eigentum

Der Unterschied lässt sich an einem vertrauten Beispiel zeigen. Ein Finanzminister entscheidet über einen Staatshaushalt in dreistelliger Milliardenhöhe, ohne dass ihm ein einziger Euro davon gehört. Verlässt er das Amt, bleibt das Geld beim Staat und geht nicht mit. Für den Vorsitz in einem Staatsfonds gilt exakt dasselbe: Die Anteile, die der Fonds hält, stehen in seinen Büchern und nicht in denen des Vorsitzenden.

Das gilt auch für die bekanntesten Investitionen des Fonds. Im Oktober 2021 übernahm ein vom Fonds geführtes Konsortium 80 Prozent an Newcastle United für rund 305 Millionen Pfund. Im Juni 2023 übernahm der Fonds Mehrheitsanteile an vier Klubs der saudischen Profiliga, darunter jener, bei dem Cristiano Ronaldo unter Vertrag steht. Auch die im Frühjahr 2020 gemeldeten Beteiligungen an den Videospielkonzernen Electronic Arts, Activision Blizzard und Take-Two Interactive standen in den Meldungen des Fonds und nicht in einem Privatdepot.

Öleinnahmen sind Staatseinnahmen

Ähnlich klar liegt der Fall beim Öl. Die Erlöse des staatlichen Konzerns Saudi Aramco fließen über Steuern, Abgaben und Dividenden an den Staat und an den Staatsfonds, der einen Anteil an dem Konzern hält. Sie erscheinen im Staatshaushalt, nicht auf einem Privatkonto. Wer die Ölmilliarden eines Landes einer einzelnen Person zurechnet, macht denselben Fehler wie jemand, der einem Bundesfinanzminister das Steueraufkommen zuschreibt.

Was Mohammed bin Salman persönlich zugerechnet wird

Drei Anschaffungen sind so ausführlich recherchiert worden, dass sie sich datieren und beziffern lassen. Bei allen dreien ist die Zurechnung wichtig: Sie beruht auf Recherchen namhafter Medien, nicht auf einer Bestätigung durch ihn selbst. Käufe dieser Art laufen über zwischengeschaltete Gesellschaften, weshalb aus keinem öffentlichen Register hervorgeht, wem eine Sache gehört.

Das Schloss westlich von Paris

Das Château Louis XIV in Louveciennes wurde 2015 verkauft, der Kaufpreis lag bei rund 275 Millionen Euro, was damals etwa 300 Millionen US-Dollar entsprach. Der Käufer trat über mehrere Zwischengesellschaften auf und blieb zunächst unbekannt. Die New York Times berichtete im Dezember 2017 unter Berufung auf Berater des Königshauses, Mohammed bin Salman sei der wirtschaftlich Berechtigte. Mit rund 275 Millionen Euro war das der höchste bis dahin für ein Wohnhaus gezahlte Kaufpreis. Eine eigene Bestätigung hat er dazu nicht abgegeben.

Die Yacht

Die 134 Meter lange Serene wurde von ihrem bisherigen russischen Eigentümer verkauft, der Preis wird mit rund 500 Millionen Euro angegeben. Beim Zeitpunkt gehen die Berichte auseinander, genannt werden der Sommer 2014 und der Juli 2015. Auch hier stammt die Zurechnung an Mohammed bin Salman aus der Berichterstattung der New York Times vom Dezember 2017 und wurde nicht bestätigt.

Das teuerste Gemälde der Welt

Am 15. November 2017 versteigerte Christie’s in New York das Leonardo da Vinci zugeschriebene Werk Salvator Mundi. Der Zuschlag lag bei 450,3 Millionen US-Dollar inklusive Aufgeld und war damit der höchste je bei einer Auktion für ein Gemälde erzielte Preis. Den Zuschlag erhielt ein saudischer Bieter, der nach Darstellung der saudischen Botschaft in Washington als Zwischenkäufer für die Kulturbehörde von Abu Dhabi auftrat. Das Wall Street Journal berichtete im Dezember 2017 unter Berufung auf US-Regierungskreise, tatsächlicher Käufer sei Mohammed bin Salman gewesen. Der Louvre Abu Dhabi kündigte im selben Monat an, das Werk zu zeigen. Der Kauf ist Mohammed bin Salman zugerechnet und von ihm nicht bestätigt.

Herkunft, Ausbildung und Ämter

Anders als bei Unternehmern lässt sich bei Mohammed bin Salman kein Vermögensaufbau aus Umsätzen oder Firmenanteilen nachzeichnen. Sein Werdegang erklärt vor allem, wie er zu der Verfügungsgewalt kam, die so häufig mit Eigentum verwechselt wird.

Ausbildung und erste Geschäfte

Mohammed bin Salman wurde am 31. August 1985 in Dschidda geboren. Er studierte islamische Rechtswissenschaft an der König-Saud-Universität in Riad und schloss mit einem Bachelor ab. Danach war er unternehmerisch tätig, hielt Beteiligungen an mehreren Firmen und entwickelte Immobilienprojekte in Riad. Belastbare Zahlen zu Umsätzen oder Erlösen aus dieser Phase sind nicht öffentlich, weshalb sich daraus keine Vermögensposition ableiten lässt.

Der Weg in die Staatsämter

Ende 2009 wurde er Berater und übernahm anschließend mehrere Regierungsfunktionen. 2014 wurde er Staatsminister und Mitglied des Kabinetts. Im Januar 2015 folgte die Ernennung zum Verteidigungsminister, im Juni 2017 die zum Kronprinzen. Im September 2022 wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt. Mit dem Vorsitz im Rat für wirtschaftliche und entwicklungspolitische Angelegenheiten kam ab 2015 auch der Vorsitz im Board des Staatsfonds hinzu.

Vision 2030 und die staatlichen Großprojekte

Im April 2016 stellte er das Reformprogramm Vision 2030 vor, das die Wirtschaft des Landes unabhängiger von Öleinnahmen machen soll. Daran hängen mehrere Bauvorhaben, deren Zahlen regelmäßig in Vermögensartikeln auftauchen, dort aber nichts zu suchen haben. Das im Oktober 2017 angekündigte Projekt Neom etwa wurde mit einem Investitionsvolumen von 500 Milliarden US-Dollar beziffert. Es handelt sich um ein vom Staatsfonds getragenes Staatsprojekt. Ein angekündigtes Budget ist keine Vermögensposition, weder für den Staat noch für eine Person.

Häufige Fragen zu Mohammed bin Salman

Wie hoch ist das Vermögen von Mohammed bin Salman?

Wir schätzen sein privates Vermögen auf rund 1,5 Milliarden Euro. Die Schätzung stützt sich auf einzeln dokumentierte Anschaffungen und klammert staatliche Mittel bewusst aus.

Gehört Mohammed bin Salman der saudische Staatsfonds?

Nein. Der Public Investment Fund ist Eigentum des Staates Saudi-Arabien und besitzt eine eigene Rechtspersönlichkeit. Mohammed bin Salman ist Vorsitzender seines Boards und übt diese Funktion kraft Amtes aus. Das Fondsvermögen von mehr als 930 Milliarden US-Dollar ist deshalb kein Privatvermögen.

Warum steht Mohammed bin Salman nicht in den großen Vermögensranglisten?

Forbes nimmt Mitglieder von Königshäusern und Machthaber, deren Vermögen aus ihrer Position stammt, ausdrücklich nicht in die Milliardärsliste auf. Das trifft auf ihn zu, weshalb dort kein Wert für ihn geführt wird.

Woher stammt das Vermögen von Mohammed bin Salman?

Nachvollziehbar sind vor allem Sachwerte: ein Schloss bei Paris, eine Yacht und ein Gemälde, alle zwischen 2015 und 2017 erworben und ihm durch Rechercheberichte zugerechnet. Vor seiner politischen Laufbahn war er zudem als Unternehmer und Immobilienentwickler tätig, belastbare Zahlen dazu gibt es nicht.

Bildquellen:
Trump White House Archived / Flickr [Public Domain Mark 1.0]

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