Millionen Euro
Frühere Formel-1-StationenTeamchef Benetton 1989 bis 1997, Renault 2001 bis 2009
UnternehmensgruppeMajestas, je 50 Prozent mit Francesco Costa
WohnsitzMonaco
Geburtsdatum12. April 1950 (76 Jahre alt)
Geboren inVerzuolo, Italien
NationalitätItalien
BerufUnternehmer, Gastronom, Formel-1-Manager
Kinder2 (Leni Klum, Nathan Falco Briatore)

Flavio Briatore ist ein italienischer Unternehmer und Formel-1-Manager, der sein Geld in zwei sehr verschiedenen Welten verdient hat. Für die Modefirma Benetton baute er in den 1980er-Jahren das Amerikageschäft auf, danach führte er als Teamchef erst Benetton Formula und später Renault zu insgesamt vier Fahrerweltmeisterschaften. Parallel dazu entstand ein zweites Standbein aus Nachtclubs, Restaurants und einer Modemarke. Wir schätzen das Vermögen von Flavio Briatore auf rund 400 Millionen Euro.

Wie hoch ist das Vermögen von Flavio Briatore?

Verdienst von Flavio Briatore Die Schätzung stützt sich auf vier Bausteine: die Provisionen aus dem Benetton-Franchise in den Vereinigten Staaten, zwei Jahrzehnte als Teamchef und Fahrermanager in der Formel 1, das Gastronomie- und Markengeschäft der Holding Majestas und den Verkauf eines großen Teils dieses Geschäfts im Dezember 2024. Dazu kommt ein Punkt, der bei ihm schwerer wiegt als bei vielen Vergleichbaren: Briatore lebt seit etwa 2010 in Monaco, wo auf Einkommen keine Steuer anfällt. Den Wegzug aus Italien begründete er offen mit seinem Ärger über den italienischen Staat.

Zwei Posten wirken in die andere Richtung. Die Yacht Force Blue, sein teuerster privater Vermögenswert, ging ihm nach einem Steuerverfahren verloren und wurde vom Staat versteigert. Und der Einstieg beim englischen Fußballklub Queens Park Rangers hat ihn nach eigener Darstellung nur Geld gekostet. Nach unserer Schätzung kommt Flavio Briatore damit auf rund 400 Millionen Euro.

Der Aufstieg über Benetton

Nach der Schule absolvierte Briatore eine Ausbildung zum Landvermesser, arbeitete aber nie in dem Beruf. Er verdiente sein Geld als Skilehrer, als Restaurantbetreiber und als Versicherungsvertreter, bevor er in den 1970er-Jahren Assistent des Unternehmers Attilio Dutto wurde. Nach dessen gewaltsamem Tod ging er nach Mailand und arbeitete im Umfeld der Börse. Dort lernte er Luciano Benetton kennen, den Gründer des gleichnamigen Modekonzerns.

Aus dieser Bekanntschaft wurde das Fundament seines Vermögens. Briatore eröffnete zunächst Benetton-Läden auf den Amerikanischen Jungferninseln und übernahm später die Verantwortung für das gesamte Amerikageschäft der Marke. Weil er am Franchisesystem beteiligt war und an jedem Vertrag mitverdiente, wuchs sein Anteil mit jeder Neueröffnung. Ende der 1980er-Jahre gab es allein in den Vereinigten Staaten rund 800 Benetton-Läden.

Verurteilungen und die Jahre in der Karibik

Zur Biografie gehört ein Bruch, der bis heute nachwirkt. 1984 wurde Briatore in Italien wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt, 1986 folgte eine zweite Verurteilung wegen Betrugs und Bandenbildung im Umfeld manipulierter Glücksspiele. Beide Strafen wurden in der Berufung reduziert. Angetreten hat er sie nie, weil er in dieser Zeit auf den Amerikanischen Jungferninseln lebte und die Strafen später unter eine Amnestie fielen. Erst 1989 kehrte er dauerhaft nach Europa zurück.

Die Formel 1 als Einnahmequelle

Benetton, Schumacher und die ersten Titel

1988 besuchte Briatore in Australien sein erstes Formel-1-Rennen, kurz darauf machte ihn Luciano Benetton zum Handelsdirektor des familieneigenen Rennstalls. 1989 rückte er an dessen Spitze, ohne je zuvor im Motorsport gearbeitet zu haben. Sein wichtigster Griff war die Verpflichtung von Michael Schumacher, mit dem Benetton 1994 und 1995 die Fahrerweltmeisterschaft und 1995 zusätzlich den Konstrukteurstitel gewann. Zum Fahreraufgebot dieser Jahre zählte später auch Gerhard Berger.

Mitte der 1990er-Jahre weitete Briatore sein Engagement über Benetton hinaus aus. Er übernahm den Rennstall Ligier und kaufte sich 1996 bei Minardi ein, die Minardi-Anteile musste er allerdings unter Wert wieder abgeben. 1997 verließ er Benetton, von 1998 bis 2000 führte er die Firma Supertec, die Kundenteams mit Renault-Motoren belieferte.

Renault, Alonso und zwei weitere Titel

2001 kehrte er als Chef des Teams Benetton-Renault zurück, das ab 2002 unter dem Namen Renault F1 antrat. Dort entdeckte er Fernando Alonso und führte ihn 2005 und 2006 zu zwei Weltmeistertiteln. Damit stehen vier Fahrertitel unter seiner Führung, erreicht mit zwei verschiedenen Rennställen am selben Standort im britischen Enstone.

Neben dem Teamchefposten betrieb Briatore ein zweites, weniger sichtbares Geschäft: Er managte Fahrer und verdiente an deren Verträgen mit. Zu seinen Klienten zählten unter anderem Mark Webber, Jarno Trulli und Heikki Kovalainen. Welche Summen dabei im Spiel sind, zeigt ein Blick auf die Gehälter der Formel-1-Fahrer; das Modell, Beratung und Fahrervermittlung zu verbinden, ist im Fahrerlager verbreitet und wird etwa auch von Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko gepflegt.

Crashgate und die Sperre

Beim Großen Preis von Singapur am 28. September 2008 baute der Renault-Fahrer Nelson Piquet jr. absichtlich einen Unfall, um seinem Teamkollegen Alonso über die anschließende Safety-Car-Phase zum Sieg zu verhelfen. Der Plan ging auf, Alonso gewann das Rennen. Ein Jahr später, nachdem Piquet das Team verlassen hatte, sagte er gegen seine früheren Vorgesetzten aus.

Am 16. September 2009 teilte Renault mit, dass Briatore und Chefingenieur Pat Symonds das Team verlassen. Am 21. September 2009 verhängte der Motorsport-Weltrat gegen Briatore eine unbefristete Sperre für Veranstaltungen unter FIA-Aufsicht, Symonds erhielt fünf Jahre, Renault kam mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Briatore klagte dagegen in Frankreich: Am 5. Januar 2010 hob das Tribunal de Grande Instance in Paris die Sperren auf, sprach ihm 15.000 Euro Entschädigung zu und rügte das Verfahren des Verbandes. Die FIA kündigte Berufung an, im April 2010 einigten sich beide Seiten außergerichtlich. Briatore bestreitet bis heute, persönlich mit Piquet gesprochen zu haben.

Die Rückkehr nach Enstone

Fünfzehn Jahre lang arbeitete Briatore danach nicht mehr in der Formel 1. Im Juni 2024 machte Alpine seine Rückkehr offiziell, als Executive Advisor für die Formel-1-Sparte. Angestellt ist er dabei bei Renault und nicht beim Rennstall selbst, Anteile am Team hält er anders als Eigentümer-Teamchefs wie Lawrence Stroll nicht. Ein Comeback in leitender Funktion ist in der Formel 1 selten, Niki Lauda gelang es als Aufsichtsratschef von Mercedes.

In dieser Rolle hat Briatore den Rennstall umgebaut. Die Belegschaft in Enstone wurde um rund ein Viertel verkleinert, das Motorenprojekt im französischen Viry-Châtillon lief aus, und seit der Saison 2026 fährt Alpine mit Kundenmotoren von Mercedes, dem Team von Toto Wolff. Im Januar 2026 sagte Briatore, dieser Motorenwechsel sei die Bedingung für sein Engagement gewesen.

Nach dem Rücktritt von Teamchef Oliver Oakes am 6. Mai 2025 übernahm Briatore dessen Aufgaben, ohne den Titel zu führen: Er ist kein Angestellter von Alpine und besitzt auch nicht die dafür nötige Lizenz der FIA. Zum 1. September 2025 holte der Rennstall Steve Nielsen als Managing Director für das Tagesgeschäft, der an Briatore berichtet. In der offiziellen Teamchef-Übersicht der Formel 1 stand Alpine im Januar 2026 deshalb unter beiden Namen.

Billionaire, Crazy Pizza und die Holding Majestas

Die Marke Billionaire

Vermögen von Flavio Briatore 1998 eröffnete Briatore in Porto Cervo auf Sardinien den Nachtclub Billionaire, der zum Namensgeber seines gesamten Lifestyle-Geschäfts wurde. 2004 kam das Restaurant Cipriani im Londoner Stadtteil Mayfair dazu, 2005 die Modelinie Billionaire Italian Couture, 2012 ein zweiter Club in Marbella. Unter derselben Marke betreibt die Gruppe seit Jahren auch ein Resort im kenianischen Malindi.

Die Modelinie gehört ihm nicht mehr. 2016 stieg der Designer Philipp Plein mit einer Mehrheitsbeteiligung ein, berichtet wurden 30 Millionen Euro für 51 Prozent an einem Label mit rund 30 eigenen Läden in 24 Ländern. Später übernahm Plein die Marke vollständig.

Crazy Pizza und die Expansion der Gruppe

Das operative Geschäft bündelt die Holding Majestas, an der Briatore und Francesco Costa je zur Hälfte beteiligt sind. Wachstumstreiber ist Crazy Pizza, eine Kette hochpreisiger Pizzerien mit Standorten unter anderem in London, Monte Carlo, Mailand, Rom, Neapel, Miami und New York. 2024 setzte die Kette rund 45 Millionen Euro um, ein Plus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem operativen Ergebnis von etwa 9 Millionen Euro.

Die Expansion läuft weiter, geplant sind Standorte in weiteren europäischen Urlaubsregionen. Am 22. Mai 2026 eröffnete ein Lokal im apulischen Savelletri, das wegen einer Pizza für 69 Euro sofort für Diskussionen sorgte. Die hohen Preise sind Teil des Konzepts und tragen die Marge, sie bringen der Kette aber auch verlässlich Kritik ein.

Der Verkauf von Twiga und dem Club in Porto Cervo

Im Dezember 2024 trennte sich Briatore vom größten Teil seines italienischen Gastronomiegeschäfts. LMDV Capital, das Family Office von Leonardo Maria Del Vecchio, übernahm über die Gruppe Triple Sea Food 100 Prozent der Marke Twiga und vier Standorte: den Twiga Beach Club in Forte dei Marmi, die Ableger in Monte Carlo und in Baia Beniamin sowie die Immobilie des Billionaire in Porto Cervo. Die verkauften Betriebe kamen 2024 zusammen auf rund 50 Millionen Euro Umsatz und mehr als 600 Beschäftigte, der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.

Briatore begründete den Schritt mit seiner Aufgabe in der Formel 1, die ihn zu stark binde. Der Vollzug war für das erste Quartal 2025 vorgesehen, im Sommer 2025 eröffnete am Standort des früheren Billionaire ein Twiga. Damit endete die Ära des Clubs, der die Marke ab 1998 bekannt gemacht hatte. Bei Majestas blieben die Marke Billionaire und die Restaurantkette Crazy Pizza.

Yacht, Immobilien und Rechtsstreitigkeiten

Die Force Blue und das Steuerverfahren

Die Yacht Force Blue kaufte Briatore vom US-Unternehmer Roy Speer, genannt wurden Beträge um 68 Millionen Pfund. Formell gehörte das Schiff der auf den Cayman Islands registrierten Gesellschaft Autumn Sailing, es war als Charteryacht eingetragen und wurde auch vermietet. Genau daran entzündete sich der Streit mit dem italienischen Fiskus.

Im Mai 2010 beschlagnahmte die Guardia di Finanza die Yacht vor La Spezia, der Vorwurf lautete auf Umsatzsteuerhinterziehung von rund 3,6 Millionen Euro. 2015 verurteilte ein Gericht in Genua Briatore zu einer Bewährungsstrafe, 2018 wurde sie in der Berufung auf 18 Monate reduziert. 2021 versteigerte der Staat das Schiff für 7,5 Millionen Euro an Bernie Ecclestone. Im Januar 2022 sprach das Berufungsgericht in Genua Briatore frei, weil der Vorwurf keine Straftat darstelle.

Der Streit um das Geld läuft weiter. Im November 2022 lehnte dasselbe Gericht eine Entschädigung ab, der Auktionspreis sei angemessen gewesen, 2023 bestätigte der Kassationsgerichtshof das Verfahren. Im Dezember 2024 klagte Briatore auf 12,66 Millionen Euro Schadenersatz gegen die Präsidentschaft des Ministerrats und den mit dem Verkauf betrauten Verwalter. Die Summe entspricht der Differenz zwischen dem Auktionserlös und einem gerichtlich ermittelten Marktwert von rund 20 Millionen Euro.

Queens Park Rangers als teures Kapitel

2007 kauften Briatore und Ecclestone den englischen Zweitligisten Queens Park Rangers für rund 14 Millionen Pfund, kurz darauf stieg der Stahlunternehmer Lakshmi Mittal ein. Briatore war bis 2010 Präsident des Klubs. Sportlich blieb der Erfolg aus, wirtschaftlich schrieb der Verein tiefrote Zahlen: 19 Millionen Pfund Verlust im Jahr 2009 und 14 Millionen Pfund im Jahr 2010.

Im Februar 2010 trat Briatore zurück, im Dezember desselben Jahres verkaufte er seine Anteile an Ecclestone. Sein eigenes Fazit fiel deutlich aus: In einen Fußballklub zu investieren sei nur dann eine gute Idee, wenn man sehr reich sei und nach Wegen suche, sein Geld loszuwerden.

Wohnsitz, Immobilien und Privates

Briatores Hauptwohnsitz ist eine mehrstöckige Villa in Monte Carlo, dazu kommt eine große Wohnung in London. Neben den Clubs und Restaurants der Gruppe gehört das Resort in Malindi zu den Immobilien, die mit seinem Namen verbunden sind. Aus der Beziehung mit dem Model Heidi Klum und aus der Ehe mit Elisabetta Gregoraci, die von 2008 bis 2017 hielt, stammen zwei Kinder. Über den Umgang mit Geld in der Familie sprach er im Juni 2025 mit der Zeitung Corriere della Sera: Seinem Sohn zahle er 500 Euro Taschengeld im Monat.

Im Juli 2023 machte Briatore selbst öffentlich, dass ihm im Mailänder Krankenhaus San Raffaele ein Tumor am Herzen entfernt worden war. Der Befund war gutartig, eine weitere Behandlung war nicht nötig.

Häufige Fragen zu Flavio Briatore

Wie hoch ist das Vermögen von Flavio Briatore?

Wir schätzen es auf rund 400 Millionen Euro. Den Grundstock legten die Provisionen aus dem Benetton-Franchise in den Vereinigten Staaten, dazu kommen die Jahre als Formel-1-Teamchef und Fahrermanager sowie das Gastronomie- und Markengeschäft der Holding Majestas.

Womit verdient Flavio Briatore sein Geld?

Mit zwei Feldern. Das eine ist die Formel 1, in der er seit 2024 wieder für Alpine arbeitet, das andere die Holding Majestas, an der er zur Hälfte beteiligt ist und zu der die Marke Billionaire und die Restaurantkette Crazy Pizza gehören.

Welche Rolle hat Flavio Briatore bei Alpine?

Seit Juni 2024 ist er Executive Advisor für die Formel-1-Sparte und dabei bei Renault angestellt. Nach dem Rücktritt von Teamchef Oliver Oakes am 6. Mai 2025 übernahm er dessen Aufgaben, den offiziellen Titel führt er nicht. Das Tagesgeschäft verantwortet seit dem 1. September 2025 Managing Director Steve Nielsen, der an ihn berichtet.

Warum wurde Flavio Briatore in der Formel 1 gesperrt?

Wegen des absichtlich herbeigeführten Unfalls von Nelson Piquet jr. beim Großen Preis von Singapur 2008. Der Motorsport-Weltrat verhängte am 21. September 2009 eine unbefristete Sperre, ein französisches Gericht hob sie am 5. Januar 2010 auf, im April 2010 einigten sich Briatore und die FIA außergerichtlich.

Gehören Twiga und der Billionaire Club noch zu Flavio Briatore?

Nein. Die Marke Twiga und vier Standorte, darunter die Immobilie des Billionaire in Porto Cervo, gingen im Dezember 2024 an das Family Office von Leonardo Maria Del Vecchio. Bei der Holding Majestas blieben die Marke Billionaire und die Restaurantkette Crazy Pizza.

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