Wie hoch ist das Vermögen von Guido Maria Kretschmer?
Guido Maria Kretschmer ist Modedesigner, aber sein Vermögen stammt nicht aus der Mode im engeren Sinn. Es stammt aus Lizenzen. Sein Name steht bei einem der größten deutschen Versandhändler auf Kleidung, Möbeln und Wohnaccessoires, und an jedem verkauften Stück verdient er mit, ohne selbst Ware einzukaufen oder ein Lager zu führen. Das geschätzte Vermögen von Guido Maria Kretschmer: 25 Millionen Euro.
Der Weg dorthin führte über drei Stationen, die wirtschaftlich völlig unterschiedlich funktionieren: Berufskleidung für Konzerne, Couture für Laufstege und schließlich das Fernsehen, das ihm die Reichweite verschaffte, aus der das Lizenzgeschäft überhaupt erst wurde.
Von Ibiza zu den Konzernuniformen
1987 gründete er sein eigenes Label mit drei Mitarbeitern. Verdient wurde das Geld in den folgenden Jahren aber nicht mit Mode für Privatkunden, sondern mit Berufskleidung für Unternehmen. Zu den Auftraggebern zählten die Fluglinie Hapag-Lloyd, die Deutsche Telekom, Emirates Airlines sowie die Hotelgruppen Kempinski und Maritim. Für den Reiseveranstalter TUI produzierte sein Betrieb nach eigenen Angaben rund zweieinhalb Millionen Anzüge.
Warum Berufskleidung ein besseres Geschäft ist als Mode
Diese Phase wird in Porträts meist übergangen, ist wirtschaftlich aber die interessanteste. Berufskleidung funktioniert genau umgekehrt wie Mode: Ein Konzern bestellt eine hohe Stückzahl nach festen Vorgaben, der Preis steht vorher, die Lieferung ist vertraglich terminiert, und es gibt keine Saison, keine Kollektionswechsel und keine Retouren.
In der Mode dagegen produziert der Hersteller auf Vorrat, muss zwei Kollektionen im Jahr entwerfen, trägt das Risiko unverkaufter Ware und rabattiert am Ende der Saison. Wer aus dem Uniformgeschäft kommt, hat deshalb einen Vorteil, den man in Interviews selten hört: Er hat kalkulieren gelernt, bevor er berühmt wurde.
Couture, Laufsteg und die Grenzen des Prestiges
Wirtschaftlich ist dieser Bereich der aufwendigste und der mit der dünnsten Marge. Ein Laufstegauftritt kostet Geld, statt welches zu bringen, ein maßgefertigtes Abendkleid bindet viele Arbeitsstunden, und die Zahl möglicher Käuferinnen ist klein. Couture ist deshalb bei fast allen Designern eine Investition in den Namen, keine Ertragsquelle. Wie schwer sich davon leben lässt, zeigt der Blick auf Wolfgang Joop, dessen Vermögen aus dem Verkauf einer Lizenzmarke stammt und nicht aus seinen Couture-Linien, oder auf Karl Lagerfeld, der sein Geld als Angestellter fremder Häuser und mit seinem eigenen Namensrecht verdiente.
Shopping Queen als Reichweitenmaschine
Im Januar 2012 startete bei VOX die Sendung, die alles änderte. Kretschmer kommentiert dort das Einkaufsverhalten von Kandidatinnen, die Sendung läuft werktäglich und seit über einem Jahrzehnt. Dazu kamen Promi-Ausgaben, eine Ableitung zum Thema Wohnen und 2013 sowie 2014 ein Platz in der Jury einer Talentshow neben Dieter Bohlen, Lena Gercke und Bruce Darnell.
Für eine Sendung werden bei ihm geschätzt 5.000 bis 10.000 Euro genannt. Diese Zahl klingt bescheiden, wird aber durch die Menge zur ernsten Summe: Ein werktägliches Format wird in Blöcken aufgezeichnet, mehrere Folgen an einem Drehtag, und über ein Jahr summieren sich die Ausgaben in den dreistelligen Bereich. Was ein Fernsehauftritt üblicherweise einbringt, lässt sich an der Übersicht der Gagen von TV-Kandidaten ablesen.
Der eigentliche Wert der Sendung liegt aber nicht im Honorar. Sie liefert etwas, das mit Geld schwer zu kaufen ist: tägliche Präsenz bei genau dem Publikum, das später seine Kleidung und seine Sofas kauft. Ohne diese Reichweite gäbe es das Lizenzgeschäft in dieser Größe nicht.
Dass das Format über ein Jahrzehnt läuft, hat dabei einen eigenen Wert. Werktägliche Sendungen sind für Sender günstig zu produzieren und für den Moderator ein Dauervertrag statt einer Staffelverhandlung. Wer ein solches Format trägt, ist schwer zu ersetzen, weil das Publikum die Sendung mit der Person verbindet. Diese Verhandlungsposition unterscheidet ihn von Kollegen, die von Staffel zu Staffel neu besetzt werden. Barbara Schöneberger hat ihre Stellung im deutschen Fernsehen auf demselben Weg aufgebaut.
Das Lizenzgeschäft als Kern des Vermögens
Beim Versandhändler Otto steht sein Name inzwischen nicht nur auf Damenmode, sondern auch auf einer Linie für große Größen, auf Wohntextilien, Deko und sogar auf Sofas. Das ist der Bereich, in dem sein Vermögen entsteht.
Besonders die Linie für große Größen ist wirtschaftlich bemerkenswert. Der Markt für Mode jenseits der Standardgrößen wurde vom Handel lange stiefmütterlich behandelt, obwohl ein erheblicher Teil der Kundinnen dort einkauft. Kretschmer hat dieses Segment früh und ohne Ironie bedient, sein erstes Buch trug den Untertitel, Stil kenne keine Größe. Aus einer Haltung wurde damit eine Produktlinie, und das ist die günstigste Form von Markenaufbau, die es gibt.
Ein Lizenzmodell funktioniert so: Der Händler entwickelt, produziert, lagert und verkauft die Ware und trägt dafür das komplette Risiko. Der Designer liefert Namen, Entwürfe und Abnahme und erhält im Gegenzug einen Anteil am Umsatz, üblicherweise ein einstelliger Prozentsatz. Er braucht dafür kein Kapital, keine Fabrik und kein Lager.
Für den Designer ist das die einzige Konstruktion, die wirklich skaliert. Ein Abendkleid verkauft sich hundertmal, ein Sofa im Versandhandel zehntausendmal. Und anders als bei einer eigenen Modelinie kostet ein schlechtes Jahr ihn nichts außer geringeren Einnahmen. Den umgekehrten Weg hat Lena Gercke mit ihrem eigenen Label gewählt, das ihr höhere Anteile bringt, aber auch das ganze Risiko. Philipp Plein steht für die dritte Variante, die eigene Luxusmarke mit eigenen Läden.
Bücher, Podcast und die Marke Kretschmer
2013 erschien sein erstes Buch, weitere folgten. Bücher sind bei bekannten Fernsehgesichtern ein verlässliches Zusatzgeschäft, weil das Publikum bereits besteht und der Verlag das Risiko trägt.
Seit 2025 betreibt er zusätzlich einen eigenen Podcast, in dem er mit Gästen über Themen jenseits der Mode spricht. Wirtschaftlich ist das ein kluger Schritt: Ein Podcast bindet das Publikum unabhängig vom Sender und gehört, anders als eine Fernsehsendung, ihm selbst. Wer eine Lizenzmarke trägt, muss vor allem dafür sorgen, dass der eigene Name im Gespräch bleibt.
Privat ist er seit 2018 mit Frank Mutters verheiratet, das Paar hatte 2012 eine eingetragene Partnerschaft geschlossen.
Häufige Fragen zum Vermögen von Guido Maria Kretschmer
Womit verdient Guido Maria Kretschmer sein Geld?
Überwiegend mit Lizenzen. Sein Name steht auf Mode, Wohntextilien und Möbeln eines großen Versandhändlers, dazu kommen Fernsehhonorare, Bücher und ein Podcast.
Was verdient er pro Sendung?
Geschätzt werden 5.000 bis 10.000 Euro. Weil das Format werktäglich läuft und in Blöcken aufgezeichnet wird, kommt über ein Jahr ein Vielfaches davon zusammen.
Hat er selbst Mode studiert?
Nein, er begann ein Medizinstudium und brach es nach zwei Semestern ab. Seine ersten Entwürfe verkaufte er auf Ibiza.
Was hat er vor dem Fernsehen gemacht?
Berufskleidung für Konzerne, unter anderem für Fluglinien, Hotelgruppen und einen Reiseveranstalter, für den sein Betrieb nach eigenen Angaben rund zweieinhalb Millionen Anzüge fertigte.
Warum ist ein Lizenzmodell so lohnend?
Weil der Händler Produktion, Lager und Verkaufsrisiko trägt und der Designer einen Anteil am Umsatz erhält, ohne Kapital einzusetzen.
Bildquellen:
Titelbild: MG RTL D / Arya Shirazi
MG RTL D / PR