Wladimir Putin steht seit dem Jahreswechsel 1999/2000 an der Spitze des russischen Staates, unterbrochen nur von den Jahren 2008 bis 2012, in denen er als Ministerpräsident amtierte. Der Jurist und frühere KGB-Offizier hat in dieser Zeit ein System aufgebaut, in dem politische Macht und Wirtschaftsmacht eng verzahnt sind. Sein offiziell deklariertes Einkommen ist überschaubar und liegt unter dem, was westliche Regierungschefs beziehen. Über sein tatsächliches Vermögen kursieren dagegen Zahlen, die um zwei Größenordnungen auseinandergehen. Wir schätzen es auf rund 36 Milliarden Euro.
Wie viel verdient Wladimir Putin pro Sekunde?
Legt man das geschätzte Vermögen von Wladimir Putin zugrunde und nimmt eine Rendite von 7 Prozent pro Jahr an, kommt Wladimir Putin auf rund 80 Euro pro Sekunde, ohne dafür zu arbeiten. Das entspricht einem Stundenlohn von rund 287.474 Euro und einem Verdienst von rund 6,9 Millionen Euro pro Tag.
| Verdienst pro Sekunde | 80 Euro |
|---|---|
| Verdienst pro Minute | 4.791 Euro |
| Stundenlohn | 287.474 Euro |
| Verdienst pro Tag | 6,9 Millionen Euro |
| Einkommen pro Monat | 210 Millionen Euro |
| Einkommen pro Jahr | 2,52 Milliarden Euro |
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Grundlage ist unsere Vermögensschätzung und eine angenommene Kapitalrendite von 7 Prozent pro Jahr. Es handelt sich nicht um ein ausgezahltes Gehalt, sondern um den rechnerischen Ertrag des Vermögens.
Wie hoch ist das Vermögen von Wladimir Putin?
Drei Punkte machen die Bezifferung schwieriger als bei einem Unternehmer oder einem Spitzensportler. Erstens ist auf Putins eigenen Namen kein nennenswerter Besitz eingetragen; was ihm zugeschrieben wird, steht formell im Eigentum von Vertrauten oder Gesellschaften. Zweitens fehlen in Russland öffentlich überprüfbare Register, mit denen sich die wirtschaftlich Berechtigten hinter solchen Konstruktionen nachvollziehen ließen. Drittens lässt sich die Nutzung staatlicher Ressourcen nicht sauber vom Privatvermögen trennen: Residenzen, Flugzeuge und Schiffe, die dem Präsidenten zur Verfügung stehen, gehören dem russischen Staat, tauchen in populären Aufstellungen aber als Privatbesitz auf. Die kursierenden Schätzungen beruhen deshalb nicht auf Kontoauszügen, sondern auf Annahmen darüber, wem welcher Anteil zuzurechnen ist.
Woher die kursierenden Schätzungen stammen
Die hohen Schätzungen gehen auf einzelne Personen zurück, nicht auf geprüfte Unterlagen. Der politische Analyst Stanislaw Belkowski behauptete 2007 in der Welt am Sonntag, Putin kontrolliere über Mittelsleute Anteile an mehreren russischen Rohstoffkonzernen. Belege legte er nicht vor, der Kreml wies die Darstellung zurück. Der Hedgefondsmanager Bill Browder nannte im Februar 2015 bei CNN eine noch deutlich höhere Größenordnung, ebenfalls ohne Nachweise. Beide Angaben sind Behauptungen ihrer Urheber und werden hier als solche wiedergegeben.
Eine Zuschreibung mit staatlichem Absender gibt es ebenfalls. Am 20. März 2014 erklärte das US-Finanzministerium im Zuge der Sanktionen nach der Annexion der Krim, Putin habe Zugang zu Mitteln des Ölhandelsunternehmens Gunvor, dessen Mitgründer Gennadi Timtschenko damals sanktioniert wurde. Gunvor hat das durchgehend bestritten. Ein Sprecher erklärte im Juli 2020 gegenüber VermögenMagazin.de:
Dass der russische Präsident Wladimir Putin in irgendeiner Form an der Ölhandelsfirma Gunvor mit Sitz in der Schweiz beteiligt gewesen sei oder ist, entbehrt jeder Grundlage. Er ist kein Begünstigter von Gunvor oder der Aktivitäten der Gesellschaft.
Ein gerichtliches Verfahren, in dem eine dieser Zuschreibungen überprüft worden wäre, gibt es bis heute nicht.
Das Umfeld und die Frage der Zurechnung
Rund um Putin ist eine Schicht von Unternehmern entstanden, deren Vermögen in vielen Aufstellungen mit seinem verrechnet wird. Wie riskant diese Nähe sein kann, zeigt der Fall des früheren Jukos-Chefs Michail Chodorkowski, der 2003 verhaftet wurde und einen Großteil seines Vermögens verlor. Umgekehrt reichte das Netz bis nach Westeuropa: Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder übernahm nach seinem Ausscheiden Aufsichtsmandate in der russischen Energiewirtschaft und geriet dafür nach 2022 unter erheblichen Druck. Anders als bei einem börsennotierten Unternehmer wie Donald Trump, dessen Beteiligungen zumindest teilweise in Pflichtmitteilungen auftauchen, existiert in diesem Umfeld keine vergleichbare Offenlegung.
Das Gehalt als Präsident und die offizielle Amtserklärung
Das Präsidentengehalt und seine Anpassungen per Dekret
Die Bezüge des Präsidenten stehen nicht in einem Gesetz, sondern werden per Dekret festgelegt, zuerst mit dem Dekret Nr. 655 vom 25. Juni 2002. Den größten Sprung brachte der April 2014, als ein Dekret die Bezüge von Präsident und Ministerpräsident auf das 2,65-Fache anhob. Zuvor lag Putins Gehalt nach Berechnungen der Zeitung Wedomosti bei etwa 270.000 Rubel im Monat. Im März 2015 kürzte ein weiteres Dekret die Bezüge der Staatsspitze wegen des Ölpreisverfalls um zehn Prozent; danach folgten Indexierungen um vier Prozent zum 1. Oktober 2022, um 5,5 Prozent zum 1. Oktober 2023 und um 7,6 Prozent zum 1. Oktober 2025.
Aus der zuletzt veröffentlichten Erklärung ergeben sich für 2021 rund 850.000 Rubel im Monat vor Steuern, nach den Kursen jenes Jahres ein niedriger fünfstelliger Eurobetrag; mit den Indexierungen liegt der Betrag inzwischen bei etwa einer Million Rubel, offiziell bestätigt ist diese Fortschreibung nicht. Nach dem Amt greift das Föderale Gesetz Nr. 12-FZ vom 12. Februar 2001: Ein ausgeschiedener Präsident erhält lebenslang 75 Prozent der Bezüge des amtierenden Präsidenten, dazu Personenschutz, medizinische Versorgung, Dienstwagen und eine Staatsdatscha. Ein konkreter Betrag ist dazu nicht veröffentlicht.
Die Amtserklärung bei der Zentralen Wahlkommission
Kandidaten müssen der Wahlkommission die Einkünfte der sechs Jahre vor dem Wahljahr offenlegen, dazu Konten, Wertpapiere und Eigentum. Die am 30. Januar 2024 veröffentlichte Erklärung weist für 2017 bis 2022 67.591.875 Rubel aus, über sechs Jahre ein knapp siebenstelliger Eurobetrag. Den größten Teil machen nach Angaben der Stabssprecherin Alexandra Suworowa gegenüber Kommersant die Bezüge als Präsident aus, dazu kommen Zinsen, Wertpapiererträge, eine Alters- und eine Militärrente sowie Verkaufserlöse. Der Ausreißer liegt im Jahr 2017 mit 18,73 Millionen Rubel, in denen ein Immobilienverkauf steckte, für 2021 waren es exakt 10.202.616 Rubel.
Die Besitzseite ist kaum gewachsen: Neben der Wohnung mit 77 Quadratmetern und der Garage mit 18 Quadratmetern in St. Petersburg führt sie zehn Bankkonten mit zusammen 54,4 Millionen Rubel, 230 Aktien der Bank Sankt-Peterburg, drei Fahrzeuge und einen Anhänger. Weggefallen ist die regelmäßige Veröffentlichung: Ein Dekret vom 29. Dezember 2022 setzte die Publikation der Erklärungen von Amtsträgern für die Dauer des Militäreinsatzes aus, die für 2021 war die letzte auf der Kreml-Seite.
Was Staatsoberhäupter anderswo verdienen
Der Präsident der Vereinigten Staaten bezieht seit 2001 unverändert 400.000 US-Dollar im Jahr, festgelegt in Titel 3 des United States Code, etwa das Dreieinhalbfache der russischen Jahressumme. Der deutsche Bundeskanzler kommt nach Paragraf 11 des Bundesministergesetzes samt Ortszuschlag und Dienstaufwandsentschädigung auf rund 360.000 Euro brutto im Jahr; in dieser Größenordnung lagen auch die Bezüge von Angela Merkel bis Dezember 2021 und die von Emmanuel Macron in Frankreich.
Für die Vermögensfrage sagt das Gehalt wenig aus. Selbst über die gesamte Amtszeit summiert bleiben die deklarierten Bezüge um Größenordnungen unter dem, was Putin zugeschrieben wird; genau darin liegt die Schwierigkeit jeder Schätzung bei ihm. Woher die hohen Zahlen stammen, ist weiter oben beschrieben.
Sanktionen gegen Putin und sein Umfeld
Eingefrorene Vermögenswerte nach dem Angriff auf die Ukraine
Am 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine. Einen Tag später froren die Europäische Union, die USA, Großbritannien und Kanada die Vermögenswerte von Präsident Putin und Außenminister Sergej Lawrow persönlich ein. Praktisch blieb die Wirkung begrenzt, weil im Westen kein nennenswerter Besitz auf Putins Namen registriert ist.
Ungleich schwerer wog die Sanktionierung der russischen Zentralbank. Rund 300 Milliarden US-Dollar an Währungsreserven wurden weltweit eingefroren, der größte Teil davon in der Europäischen Union und allein rund 180 Milliarden Euro beim belgischen Wertpapierverwahrer Euroclear. Die Erträge daraus fließen seit 2024 in die Unterstützung der Ukraine, über die Verwendung des Kapitals selbst streiten die EU-Staaten weiterhin.
Jachten, Geschäftsleute und die Grenzen der Zurechnung
Parallel nahmen die westlichen Behörden das wirtschaftliche Umfeld ins Visier. Im April 2022 setzte die EU auch Putins Töchter Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa auf die Sanktionsliste. Zahlreiche russische Geschäftsleute verloren den Zugriff auf Vermögen im Ausland, darunter Roman Abramowitsch, der den FC Chelsea unter dem Druck der britischen Sanktionen im Mai 2022 verkaufte.
Auch mehrere Superjachten wurden festgesetzt: die rund 156 Meter lange Dilbar im Frühjahr 2022 in Hamburg, dem Umfeld des Milliardärs Alischer Usmanow zugeordnet, die 106 Meter lange Amadea im Mai 2022 auf Fidschi auf US-Ersuchen, von den US-Behörden dem Geschäftsmann Suleiman Kerimow zugerechnet und am 10. September 2025 versteigert, sowie die 140 Meter lange Scheherazade ab Mai 2022 im italienischen Marina di Carrara. Keine dieser Luxusyachten war auf Putin selbst registriert. Das ist exemplarisch für die Schwierigkeit, ihm Vermögen zuzurechnen.
Der Weg an die Staatsspitze
Vom KGB-Offizier ins Präsidentenamt
Wladimir Wladimirowitsch Putin wurde am 7. Oktober 1952 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, als Sohn zweier Fabrikarbeiter geboren. Nach einem Jurastudium trat er 1975 in den Geheimdienst KGB ein und war ab 1985 in Dresden stationiert, wo er seine Deutschkenntnisse ausbaute. 1990 kehrte er nach Leningrad zurück und wurde Berater seines früheren Professors Anatoli Sobtschak, der Bürgermeister der Stadt wurde; 1994 rückte Putin zum Ersten Vizebürgermeister auf.
Als Sobtschak 1996 die Wiederwahl verlor, wechselte Putin nach Moskau und stieg in der Präsidialverwaltung von Boris Jelzin rasch auf. Am 9. August 1999 ernannte Jelzin ihn zum Ministerpräsidenten. Als Jelzin am 31. Dezember 1999 überraschend zurücktrat, übernahm Putin kommissarisch das Präsidentenamt.
Wahlen, Verfassungsänderung und Amtszeiten
Am 4. März 2012 kehrte Putin als Präsident zurück, die Wahl vom 18. März 2018 gewann er mit 76,7 Prozent. Im Sommer 2020 folgte eine Verfassungsänderung, die seine bisherigen Amtszeiten für die Zählung annullierte und ihm zwei weitere Kandidaturen ermöglichte.
Davon machte er Gebrauch: Bei der Wahl vom 15. bis 17. März 2024 wurde er mit rund 87,3 Prozent der Stimmen bestätigt, dem höchsten je für ihn ausgewiesenen Ergebnis. Am 7. Mai 2024 wurde er im Kreml für seine fünfte Amtszeit vereidigt, die regulär bis 2030 läuft. Die OSZE entsandte keine Wahlbeobachtungsmission; westliche Regierungen und russische Oppositionsvertreter kritisierten die Abstimmung als nicht frei und nicht kompetitiv. Damit zählt Putin zu den am längsten amtierenden Staatsoberhäuptern der Gegenwart, vergleichbar mit Xi Jinping in China oder Kim Jong-un in Nordkorea.
Die Winterspiele in Sotschi und ihre Kosten
Die Winterspiele von Sotschi im Februar 2014 waren mit Investitionen von umgerechnet rund 37 Milliarden Euro die teuersten Olympischen Spiele bis dahin. Der Oppositionspolitiker Boris Nemzow legte im Mai 2013 einen Bericht vor, in dem er den Anteil veruntreuter Mittel auf einen zweistelligen Milliardenbetrag schätzte und der Regierung Misswirtschaft vorwarf. Die russische Regierung wies das zurück, ein Verfahren dazu gab es nicht. Bereits 2012 hatten Nemzow und Wladimir Milow eine Aufstellung von Residenzen, Flugzeugen, Hubschraubern und Fahrzeugen veröffentlicht, die dem Präsidenten zur Verfügung stehen. Diese Objekte gehören dem russischen Staat und nicht Putin privat, werden in populären Darstellungen bis heute aber vermischt. Dasselbe gilt für eine Kunstsammlung, die in diesem Zusammenhang genannt wurde.
Häufige Fragen zu Wladimir Putin
Wie hoch ist das Vermögen von Wladimir Putin?
Das Vermögen von Wladimir Putin wird auf rund 36 Milliarden Euro geschätzt. Die Spanne ist groß, weil auf seinen Namen kaum Besitz registriert ist und sich Zurechnungen zu Dritten nicht überprüfen lassen.
Woher stammt das Vermögen von Wladimir Putin?
Nicht aus seinem Gehalt. Zugeschrieben werden ihm vor allem Beteiligungen an Rohstoff- und Handelsunternehmen, die formell von Vertrauten gehalten werden. Belegt sind diese Zurechnungen nicht, sie stammen von einzelnen Analysten und aus Sanktionsbegründungen westlicher Behörden.
Wie viel verdient Putin offiziell als Präsident Russlands?
Für 2021 wies die Kreml-Verwaltung 10.202.616 Rubel aus, das entspricht rund 850.000 Rubel im Monat vor Steuern. In der Erklärung bei der Zentralen Wahlkommission zur Wahl 2024 nannte er für 2017 bis 2022 zusammen 67.591.875 Rubel.
Wie wird das Gehalt des russischen Präsidenten festgelegt?
Per Präsidentendekret, zuletzt angehoben um 7,6 Prozent zum 1. Oktober 2025. Ein ausgeschiedener Präsident erhält nach dem Föderalen Gesetz Nr. 12-FZ vom 12. Februar 2001 lebenslang 75 Prozent der Bezüge des amtierenden Präsidenten.
Welchen Besitz hat Putin offiziell deklariert?
Die Amtserklärung von 2024 führt eine Wohnung mit 77 Quadratmetern und eine Garage mit 18 Quadratmetern in St. Petersburg auf, dazu drei Fahrzeuge, zehn Bankkonten mit zusammen 54,4 Millionen Rubel und 230 Aktien der Bank Sankt-Peterburg. Residenzen, Flugzeuge und Schiffe, die dem Präsidenten zur Verfügung stehen, gehören dem russischen Staat.
Welche Sanktionen betreffen Wladimir Putin persönlich?
Am 25. Februar 2022 froren die EU, die USA, Großbritannien und Kanada seine Vermögenswerte ein und verhängten Einreiseverbote. Im April 2022 wurden auch seine Töchter Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa auf die Sanktionslisten gesetzt.
Bildquellen:
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Wladimir Putin & Medwedew – Jürg Vollmer / Flickr [CC-BY-SA-2.0]