Die Gehälter von Spitzensportlern sind in Deutschland immer wieder ein Teil der öffentlichen Debatte. Gerade wenn es um die astronomischen Summen geht, die Vereine wie der FC Bayern, Manchester City oder Paris St. Germain ihren Spielern bezahlen können, wird von ungleichen Voraussetzungen gesprochen. Immerhin entscheidet in diesen Sportarten die wirtschaftliche Kraft nicht selten über das mittel- und langfristige Standing eines Vereins. Gerade in diesen Debatten wird dann gerne auf den US-Sport verwiesen. Dort agieren die Mannschaften mit einer Gehaltsobergrenze, dem sogenannten „Salary Cap“. Aber was genau ist das eigentlich? Wie sieht es aus? Und wie sind die Auswirkungen auf die unterschiedlichen Sportarten?

Das Prinzip hinter dem Salary Cap

Salary Cap ErklärungDas Prinzip der Gehaltsobergrenze ist in allen wichtigen amerikanischen Profi-Ligen verbreitet. Der Gedanke dahinter: Auch wenn Teams aufgrund von Einnahmen durch Sponsoren, Zuschauer oder Reichweite keine hohen Einnahmen haben, soll die sportliche Leistungsfähigkeit nicht nachhaltig beeinflusst werden. Das bedeutet, dass alle Teams einer Liga im Prinzip die gleiche Summe für Gehälter ihrer Spieler ausgeben dürfen. Damit wird zum Beispiel verhindert, dass sich in einem Team alle großen Starspieler einer Sportart tummeln und somit eine allzu große langfristige Dominanz entsteht.

Ein Beispiel, um das Prinzip zu verdeutlichen: Die Liga legt fest, dass für alle Spieler im Kader insgesamt eine Summe von 150 Millionen Dollar ausgegeben werden darf. Es obliegt nun den Teams zu entscheiden, wie sie diese Summe verteilen. Theoretisch könnten sie drei Starspielern insgesamt 100 Millionen Dollar Gehalt bezahlen. Sie müssen aber dann für ihren gesamten restlichen Kader mit 50 Millionen Dollar auskommen. Das würde sie für viele weitere Spieler unattraktiv machen, die natürlich auch ein möglichst hohes Gehalt erzielen wollen. Entsprechend unwahrscheinlich ist es, dass sich mehr als zwei Top-Verdiener in einem Team wiederfinden werden.

Die Gehaltsobergrenze ist damit ein weiterer konsequenter Part des Versuchs, mittels solcher Regulierungen zu verhindern, dass stets nur ein Team erfolgreich ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Draft, in dem man die Nachwuchsspieler rekrutiert. Die schwächsten Teams der vergangenen Saison haben das Recht, die besten Talente von den US-Colleges zu verpflichten.

Generell soll das Salary Cap aber nicht nur für sportliche Parität sorgen. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Faktor bei der Kostenkontrolle der Teams. Aufgrund de Gehaltsobergrenzen ist es unmöglich, bei dem Versuch, einen Titel mit Geld zu erkaufen, das Team in langfristig und existenzbedrohende Schulden zu treiben.

Wie sieht das Salary Cap in der Praxis aus?

Momentan findet das Salary Cap in allen großen amerikanischen Sportligen Anwendung, auch wenn es je nach Liga deutliche Unterschiede zwischen den Details geben kann.

Salary Cap in der NFL

NFL Gehälter: Das Salary Cap der National Football League liegt in der Season 2019/20 bei 188,2 Millionen US-Dollar pro Team. Darüber hinaus gibt es eine Mindest-Verpflichtung, die die Spieler mit der NFL verhandeln. Die Teams können also nicht einfach darauf verzichten ihren Spielern entsprechende Gehälter zu bezahlen.

Salary Cap in der NBA

NBA Gehälter: In der National Basketball Association liegt das Salary Cap in der Season 2019/20 bei 109,140 Millionen US-Dollar. Hier gibt es allerdings einige Ausnahmen, die den Teams erlauben mehr Gehälter zu zahlen. Sie müssen dann hohe sogenannte „Luxussteuern“ aus eigener Tasche bezahlen. Die zusätzlichen Ausgaben sind zudem begrenzt.

Salary Cap in der NHL

NHL Gehälter: Die National Hockey League benutzt erstmals ein echtes Hard Cap ohne Luxussteuer. Auch hier gibt es allerdings gesonderte Maßnahmen und Boni, um die Spieler zu verpflichten.

Luxury Tax in der MLB

MLB Gehälter: Bei den Baseball-Spielern gibt es kein klassisches Salary Cap sondern nur eine Definition (Luxury Tax), wie viel ausgegeben werden sollte. Die Luxury Tax liegt in der Season 2019 bei 206 Millionen US-Dollar. Das führt dazu, dass manche Teams – jene mit hohem Marktwert – bereit sind trotz der Luxus-Grenze hohe zusätzliche Gebühren zu zahlen, die sich dann durch Zuschauer und Marketing wieder einspielen lassen.

Salary Cap in der MLS

MLS: Das Salary Cap bei den Fußballern liegt bei rund 4 Millionen Dollar pro Team. Auch hier gibt es aber Ausnahmen: Starspieler können unter der „Designated Player Rule“ gesondert verpflichtet werden und zählen nicht direkt in die Gehaltsobergrenze. Jedes MLS-Team hat dafür zwei Plätze vorgesehen, wodurch man für einen „Designated Player“ nur 350.000 US-Dollar in da Salary Cap des Teams rechnet. Dadurch konnten Superstars wie David Beckham, Zlatan Ibrahimovic, Wayne Rooney oder Bastian Schweinsteiger in der Vergangenheit in die MLS geholt werden. Die Franchises müssen dieses Spieler selbst über lukrative Werbedeals und steigender Zuschauen Einnahmen finanzieren. Für 225.000 Euro kann jedes Team einen dritten Slot für einen „überbezahlten“ Startspieler erwerben. Detail am Rand: Jugend- und Ergänzungsspieler rechnet man nicht gegen das Cap.

Wer legt die Obergrenze der Gehälter fest?

Salary Cap US-SportIn der Regel wird die Gehaltsobergrenze durch die Verwaltung der entsprechenden Sportligen festgelegt. Sie orientiert sich dabei an den Einnahmen, die die verschiedenen Teams haben, als auch an den laufenden Werbe- und Fernsehverträgen. Mit einem neuen TV-Vertrag, der in der Regel mit höheren Einkommen für die Liga und für die Teams verbunden ist, steigt das Salary Cap daher an. Da auch die amerikanischen Ligen in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg von Werbegeldern verzeichnen konnten, sind auch die Gehaltsobergrenzen stetig gestiegen. Ein Beispiel: Die NFL, die National Football League, hatte im Jahr 2000 ein Salary Cap von rund 62 Millionen Dollar für die Teams. Im Jahr 2019 lag es bei 188 Millionen Dollar.

Da es neben der Gehaltsobergrenze in der Regel auch eine Grenze für Spieler pro Mannschaft gibt, lässt sich das durchschnittliche Gehalt recht einfach errechnen. Es bedeutet jedoch auch, dass die Gehaltsgrenze für die Spieler eine Blockade in Gehaltsverhandlungen mit den Teams bedeutet. Entsprechend kam es in der Verhandlungen zwischen Spielergewerkschaften und Ligen in der Vergangenheit zu einigen Unstimmigkeiten hinsichtlich der Gehaltsobergrenze. Die Spieler wollten, dass die Grenze gehoben wird – da sie so mehr Geld verlangen können. Die Folgen waren Streiks und sogenannte Lockouts, in denen die Spiele der Ligen verschoben oder ganz abgesagt werden mussten.

Das amerikanische System ist also eine interessante Alternative zu dem zügellosen Entwicklungen in Europa. Bei den Debatten darf man aber nie vergessen, dass die amerikanischen Ligen im Prinzip nicht vergleichbar mit den deutschen und europäischen Wettbewerben sind.

Bildquellen:
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