Millionen Euro
Michelin-Sterne2 (Restaurant Tim Raue, Berlin)
WohnsitzBerlin, Deutschland
Geburtsdatum31. März 1974 (52 Jahre alt)
Geboren inBerlin, Deutschland
NationalitätDeutschland
Familienstandverheiratet mit Katharina Raue (seit 2017)
BerufKoch, Fernsehkoch, Unternehmer, Kochbuchautor
FirmaRestaurant Wild & Raue Betriebsgesellschaft mbH

Tim Raue, geboren am 31. März 1974 in West-Berlin, führt in Berlin-Kreuzberg das bekannteste Fine-Dining-Restaurant der Hauptstadt und ist zugleich einer der präsentesten Fernsehköche des Landes. Sein Geld stammt aus zwei sehr unterschiedlichen Bereichen: dem eigenen Restaurantbetrieb auf der einen Seite, Fernsehformaten, Büchern, Beratungsmandaten und Lizenzen auf der anderen. Wer beide Seiten trennt, sieht schnell, welche davon Vermögen aufbaut und welche vor allem den Namen pflegt. Wir schätzen das Vermögen von Tim Raue auf rund 15 Millionen Euro.

Wie hoch ist das Vermögen von Tim Raue?

Das Vermögen von Tim Raue

Bei einem Gastronomen ist diese Zahl schwerer zu greifen als bei einem Fußballer oder einem Tennisprofi. Es gibt kein veröffentlichtes Gehalt, keine Preisgeldtabelle und keinen Jahresabschluss, aus dem sich ein Ertrag ablesen ließe. Sortieren lassen sich nur die Einnahmequellen und ihre Größenordnung. Nach unserer Schätzung kommt Tim Raue auf rund 15 Millionen Euro.

Woraus sich die Schätzung zusammensetzt

Den Kern bilden die Einkünfte aus rund zwei Jahrzehnten als Küchenchef und Betreiber, dazu die Honorare aus dem Fernsehen, aus vier Büchern und aus einer wachsenden Zahl von Lizenz- und Beratungsverträgen. Die Beteiligung am eigenen Restaurantbetrieb kommt hinzu, allerdings nicht als beherrschender Anteil. Betreiberin des Restaurants Tim Raue ist die Restaurant Wild & Raue Betriebsgesellschaft mbH, geschäftsführende Gesellschafterin ist seine frühere Ehefrau Marie-Anne Wild, Raue selbst ist dort als Geschäftsführer eingetragen.

Wir rechnen die Zahl bewusst nicht von unten durch, denn weder Fernsehgagen noch Lizenzsätze noch Buchauflagen sind öffentlich. Unsere Schätzung liegt oberhalb älterer Angaben, weil in den vergangenen Jahren Einnahmequellen dazugekommen sind, die es vorher nicht gab: Formate mit seinem Namen im Titel, die Restaurants auf den Schiffen von TUI Cruises, die Rolle als Markenbotschafter und der Betrieb im Berliner Fernsehturm.

Warum Michelin-Sterne nicht das Geld bringen

Ein Zwei-Sterne-Restaurant ist ein Werbeträger und selten ein Gewinnbringer. Der Aufwand pro Gast lässt sich in der Spitzengastronomie kaum senken: viele Köche auf wenige Plätze, teurer Wareneinsatz, lange Vorbereitungszeiten und eine Weinkarte mit über 1.000 Positionen, die als Ware im Keller liegt. Der Ertrag ist gedeckelt, weil ein Raum nur eine bestimmte Zahl von Gästen pro Abend aufnimmt.

Was ein Stern einbringt, ist deshalb nicht Marge, sondern eine Marke, und diese Marke lässt sich an Sender, Verlage, Reedereien, Handelsketten und Fluggesellschaften verkaufen. Bei Tim Mälzer, Frank Rosin und Johann Lafer ist das Muster dasselbe: Die Bekanntheit kommt aus dem Fernsehen, die Gastronomie ist eher Visitenkarte als Ertragsquelle. Bei Raue lief die Reihenfolge umgekehrt, der Stern kam vor der Kamera, wirtschaftlich landet er aber an derselben Stelle.

Das Restaurant Tim Raue und die weiteren Lokale

Der Stammbetrieb in Kreuzberg

Im September 2010 eröffnete Raue gemeinsam mit Marie-Anne Wild das Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße, wenige Schritte vom früheren Checkpoint Charlie. Zuvor war er Küchenchef im Restaurant 44 im Berliner Swissôtel und danach Kulinarischer Direktor der Adlon-Gruppe, wo er das Ma Tim Raue eröffnete, das nach wenigen Monaten einen Michelin-Stern erhielt und im Juli 2010 geschlossen wurde.

Das eigene Restaurant bekam 2010 den ersten Stern und 2012 den zweiten, den es seither gehalten hat, auch in der aktuellen Ausgabe des Guide Michelin. Gekocht wird eine asiatisch geprägte Küche in Menüfolgen, dazu gibt es ein rein pflanzliches Menü. Seit Mai 2026 öffnet das Haus freitags und samstags zusätzlich bereits um 17 Uhr für ein kürzeres Menü. Ein zweites Seating erhöht die Zahl der Gäste pro Abend, ohne dass der Raum größer wird, und genau daran hängt in der Spitzengastronomie das Ergebnis.

Die Brasserie Colette als Lizenzgeschäft

2015 und 2016 eröffneten die drei Standorte der Brasserie Colette Tim Raue in München, Konstanz und Berlin, alle drei sind geöffnet und servieren französische Brasserieküche. Wirtschaftlich ist das kein Restaurantbesitz, sondern ein Namens- und Beratungsgeschäft: Raue hat das kulinarische Konzept entwickelt und tritt als Patron auf, Betreiberin ist eine eigene Gastronomiegesellschaft, das Tagesgeschäft führt ein Küchendirektor. Diese Konstruktion bringt ihm ein Honorar, ohne dass er Mietvertrag, Personal und Wareneinsatz trägt.

Sphere im Berliner Fernsehturm

Am 3. Juni 2025 eröffnete das Sphere Tim Raue im Berliner Fernsehturm, in 207 Metern Höhe im vollständig erneuerten Drehrestaurant. Serviert wird eine Berlin-Brandenburg-Küche mit Soljanka, Schnitzel und Königsberger Klopsen, also bewusst nicht die Küche aus Kreuzberg. Betreiber des Turms ist der auf Aussichtsplattformen spezialisierte Konzern Magnicity, der Turm zählt über 1,2 Millionen Besucher im Jahr. Der Schlemmer Atlas kürte den Betrieb zur Eröffnung des Jahres 2025.

Wirtschaftlich ist dieses Haus für ihn interessanter als ein zweites Sternerestaurant: Die Frequenz kommt aus dem Ticketverkauf des Turms und nicht aus dem Ausgehverhalten der Stadt, die Küche ist auf hohe Gästezahlen ausgelegt, und das Risiko liegt beim Betreiber.

Was geschlossen wurde und was er abgegeben hat

Die Liste der beendeten Projekte ist länger als die der laufenden, und sie gehört zur Einordnung des Vermögens dazu. In Berlin sind das Studio tim raue, das 2013 eröffnete La Soupe Populaire und das Sra Bua im Hotel Adlon Geschichte. Das Pop-up-Restaurant the K im Kulm Hotel St. Moritz betreute er drei Wintersaisons lang und erhielt dafür 2019 einen Michelin-Stern; ab Dezember 2020 übernahm dort Mauro Colagreco. Küchenchef der Villa Kellermann in Potsdam, die Günther Jauch gehört, war er von 2019 bis zum 1. Juni 2023, dann übergab er an seinen Küchenchef; das Restaurant selbst schloss im Juni 2024.

Ein weiteres Projekt ist angekündigt, aber noch nicht gestartet. Gemeinsam mit einer Heidelberger Gastronomiegruppe soll im ehemaligen Commissary des Patrick-Henry-Village von Februar bis April 2027 ein befristetes Restaurant unter dem Titel Taste of the Dragon entstehen.

Im Oktober 2026 kündigte Raue mit Spizza Pizza ein Pizzakonzept für Flughäfen und Bahnhöfe an. Partner ist der Berliner Unternehmer Nils Hölterhoff, der Standorte und Finanzierung verantwortet, Raue entwickelte die Rezepte. Die erste Filiale soll im Dezember 2026 am Flughafen BER öffnen, im ersten Quartal 2027 ist der Bahnhof Dammtor in Hamburg geplant.

Fernsehen, Bücher und Lizenzen

Das Einkommen von Tim Raue

Die Fernsehformate

Seit 2015 ist Raue regelmäßig in der VOX-Kochshow Kitchen Impossible zu sehen, in der er wiederholt gegen Tim Mälzer und gegen Roland Trettl angetreten ist. 2019 folgte er Cornelia Poletto als Coach der SAT.1-Castingshow The Taste nach, wo er neben Frank Rosin und Alexander Herrmann in der Jury sitzt. Von 2019 bis 2020 war er Juror bei Ready to beef!.

Dazu kommen Formate, die seinen Namen im Titel tragen. Seit 2021 reist er für MagentaTV unter dem Titel Herr Raue reist!, seit 2023 sanieren er und seine Frau Katharina bei RTL in Raue – Der Restaurantretter angeschlagene Gastronomiebetriebe. Im Juni 2024 startete bei Amazon Prime Video die sechsteilige Doku-Soap Star Kitchen mit Tim Raue, produziert von Warner Bros. International Television Production, in der er junge Köche auf dem Weg zum ersten Stern begleitet. International bekannt machte ihn eine eigene Folge der Netflix-Reihe Chef’s Table in der dritten Staffel.

Belegte Gagen gibt es zu keinem dieser Formate. Nachvollziehbar ist die Struktur: Ein Koch mit mehreren parallel laufenden Produktionen gehört im deutschen Markt zu einer kleinen Gruppe, zu der auch Steffen Henssler und Horst Lichter zählen. Und Fernsehen funktioniert anders als ein Restaurant: Der Aufwand fällt einmal an, die Einnahme hängt an der Reichweite und nicht an der Zahl der Sitzplätze.

Die Bücher

Sein erstes Buch, Aromen(r)evolution, erschien 2008. 2011 folgte mit Ich weiß, was Hunger ist die Autobiografie über den Weg aus dem Wrangelkiez in die Sterneküche, 2017 der Band My Way, dazu kam ein Kochbuch mit den Rezepten der Brasserie Colette. Auflagenzahlen legen die Verlage nicht offen. Für Kochbücher gilt aber eine Faustregel: Bei einem Ladenpreis um 30 Euro und einem Autorenhonorar im einstelligen Prozentbereich bleiben rund zwei Euro pro verkauftem Exemplar beim Autor.

Beratung, Werbung und Lizenzen

Das am längsten laufende Beratungsmandat führt aufs Wasser. Seit 2016 verantwortet Raue für TUI Cruises das asiatische Spezialitätenrestaurant Hanami by Tim Raue, das inzwischen auf mehreren Schiffen der Mein-Schiff-Flotte betrieben wird; auf der 2025 in Dienst gestellten Mein Schiff Relax und ihrem Schwesterschiff kam das japanische Eventrestaurant Fugu dazu. Solche Mandate sind das ertragreichste Geschäft für einen Koch: Die Reederei trägt Schiff, Küche, Personal und Wareneinsatz, Raue liefert Konzept, Rezepte, Schulung und seinen Namen und besucht die Betriebe mehrmals im Jahr.

Dazu kommt das Geschäft mit Produkten und Marken. Raue ist Markenbotschafter des Großhändlers METRO, für Thomas Henry entwickelte er eine Limonaden-Edition mit Yuzu, Jalapeño und Meersalz, und seit dem 1. Mai 2026 verkauft Eurowings im Bordbistro eine mit ihm entwickelte Currywurst für 8,90 Euro. Bei den Uber Eats Awards 2026 führte er die Jury. Für die Fluggesellschaft wie für die Reederei gilt derselbe Satz: Das Produkt trägt seinen Namen, das operative Risiko trägt der Partner.

Vom Wrangelkiez in die Sterneküche

Die Jahre vor dem ersten Stern

Raue wuchs in einfachen Verhältnissen im Kreuzberger Wrangelkiez auf und war nach eigener Aussage als Jugendlicher Mitglied der Gang 36 Boys. Die Kochlehre absolvierte er im Restaurant Chalet Suisse im Grunewald, wo er 1992 auch Marie-Anne kennenlernte. Mit 23 Jahren war er erstmals Küchenchef, 1998 wählte ihn Der Feinschmecker zum Aufsteiger des Jahres, 2007 kürte ihn der Gault-Millau zum Koch des Jahres und der Guide Michelin gab ihm den ersten Stern für das Restaurant 44.

Diese Herkunft ist für das Geschäft mehr als eine Anekdote: Sie ist der Stoff, aus dem die Autobiografie, die Netflix-Folge und die Rolle des Restaurantretters gebaut sind, und damit ein Teil dessen, was den Namen verkäuflich macht.

Das Private

Mit Marie-Anne war Raue seit 1992 zusammen, 2016 gab das Paar die Trennung bekannt. Geschäftlich blieb die Verbindung bestehen, sie führt den Betrieb des Restaurants bis heute. 2017 heiratete er Katharina Wolschner, die Chefredakteurin des Fachmagazins Rolling Pin war und heute in Raue – Der Restaurantretter für die Gestaltung der Gasträume zuständig ist. Kinder hat er keine.

Häufige Fragen zu Tim Raue

Wie hoch ist das Vermögen von Tim Raue?

Nach unserer Schätzung kommt Tim Raue auf rund 15 Millionen Euro. Den größten Teil machen die über zwei Jahrzehnte angesammelten Einkünfte aus dem Restaurantbetrieb, dem Fernsehen, den Büchern und den Lizenz- und Beratungsverträgen aus.

Wie viele Michelin-Sterne hat Tim Raue?

Sein Restaurant Tim Raue in Berlin-Kreuzberg trägt zwei Michelin-Sterne, den ersten seit 2010, den zweiten seit 2012. Für das Restaurant the K im Kulm Hotel St. Moritz kam 2019 ein weiterer Stern hinzu, dieses Mandat endete allerdings 2020.

Welche Restaurants gehören Tim Raue?

Am Betrieb des Restaurants Tim Raue in Berlin ist er beteiligt und als Geschäftsführer eingetragen, geschäftsführende Gesellschafterin ist Marie-Anne Wild. Bei der Brasserie Colette in Berlin, München und Konstanz sowie beim Sphere im Berliner Fernsehturm ist er kulinarischer Kopf und Namensgeber, nicht Betreiber. Die Restaurants Hanami und Fugu auf den Schiffen der Mein-Schiff-Flotte betreibt die Reederei. Neu ist Spizza Pizza, ein Pizzakonzept für Verkehrsknoten, bei dem Raue die Rezepte liefert und Nils Hölterhoff Aufbau und Finanzierung übernimmt, die erste Filiale ist für Dezember 2026 am BER geplant.

Verdient Tim Raue mit dem Fernsehen mehr als mit der Gastronomie?

Belegte Zahlen gibt es zu keiner der beiden Seiten. Die Struktur des Geschäfts spricht dafür: Ein Sternerestaurant bindet Kapital und deckelt den Ertrag pro Sitzplatz, während Fernsehhonorare, Buchhonorare und Lizenzgebühren ohne eigenen Betrieb anfallen. Bei deutschen Fernsehköchen finanziert deshalb in der Regel die Medienarbeit die Gastronomie und nicht umgekehrt.

Bildquellen:
By City Foodsters [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons