Niki Lauda war einer der wenigen Rennfahrer, die abseits der Strecke deutlich mehr verdient haben als auf ihr. Der Wiener gewann drei Formel-1-Weltmeisterschaften, überlebte einen Feuerunfall am Nürburgring und baute anschließend in vier Jahrzehnten drei Fluggesellschaften auf, die er allesamt wieder verkaufte. Dazu kamen ein Führungsposten samt Beteiligung beim Formel-1-Team von Mercedes, ein langjähriger Vertrag als TV-Experte und Werbeeinnahmen. Er zählte damit zu den reichsten Österreichern. Zum Zeitpunkt seines Todes am 20. Mai 2019 wird sein Vermögen auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.
Wie hoch war das Vermögen von Niki Lauda?

Warum Nachlass und Vermögen zwei verschiedene Zahlen sind
Bei Lauda fallen beide Begriffe weit auseinander, und das ist kein Detail, sondern der Kern der Sache. Er hatte den Großteil seines Besitzes lange vor seinem Tod in eine Privatstiftung eingebracht. Was in einer Stiftung liegt, gehört juristisch der Stiftung und nicht mehr der Person, es fällt deshalb gar nicht erst in die Verlassenschaft. Der Nachlass im engeren Sinn war entsprechend klein. Eine Tochtergesellschaft der Stiftung machte später sogar eine zweistellige Millionenforderung gegen ihn geltend, womit die Verlassenschaft rechnerisch im Minus stand.
Deshalb liegen bei Lauda zwei Zahlen weit auseinander: das Vermögen, über das er zu Lebzeiten verfügte, und der Betrag, der am Ende tatsächlich vererbt wurde. Wer über das Vermögen von Niki Lauda spricht, meint praktisch immer die erste Zahl.
Der lange Streit um das Erbe
Sein Testament stammte aus dem Jahr 2007 und wurde nie an die veränderten Lebensumstände angepasst. Lauda heiratete Birgit Wetzinger 2008, die gemeinsamen Zwillinge kamen 2009 zur Welt. Im letzten Willen tauchten weder die Ehefrau noch die beiden Kinder auf. Seine Witwe klagte daraufhin gegen die Privatstiftung auf ihren Pflichtteil, den sie mit rund 30 Millionen Euro bezifferte, was 16,6 Prozent des Stiftungsvermögens entsprach.
Der Oberste Gerichtshof wies 2024 die außerordentlichen Rechtsmittel der Gegenseite zurück und bestätigte damit ihren Anspruch. Nach Darstellung der Stiftung wurden für die Witwe und die beiden Kinder monatlich rund 150.000 Euro aufgewendet, unter anderem für Villen in Wien und auf Ibiza, Schulen, Personal und Fahrzeuge.
Die Formel-1-Karriere und was sie einbrachte
Vom kreditfinanzierten Cockpit zum Ferrari-Vertrag
Lauda stammte aus einer Wiener Industriellenfamilie, die seine Rennfahrerpläne ablehnte und ihn nicht finanzierte. Er nahm deshalb Bankkredite auf, um sich Cockpits zu kaufen. Für seine zweite Saison beim Team March musste er 1972 einen Kredit über zwei Millionen Schilling aufnehmen, nur um überhaupt fahren zu dürfen. Die Wende brachte 1973 ein starkes Rennen im BRM: Enzo Ferrari holte ihn für 1974 nach Maranello, und zum ersten Mal wurde Lauda fürs Fahren bezahlt, statt dafür zu zahlen.
Drei Weltmeistertitel und der Unfall am Nürburgring
Niki Lauda und Bernie Ecclestone
1975 gewann er im Ferrari 312T seinen ersten Titel. Am 1. August 1976 verunglückte er beim Großen Preis von Deutschland auf der Nordschleife des Nürburgrings schwer. Sein Wagen ging in Flammen auf, Lauda erlitt Verbrennungen und Verätzungen der Atemwege, Fahrerkollegen zogen ihn aus dem Wrack. Sechs Wochen später und nach zwei ausgelassenen Rennen saß er in Monza wieder im Auto und wurde am Saisonende Zweiter. 1977 folgte der zweite Titel, 1979 trat er vorerst zurück.
Das Comeback bei McLaren war ein Geldgeschäft: Der Vertrag von 1982 brachte ihm drei Millionen US-Dollar pro Jahr, nachdem ihm Brabham-Alfa Romeo 1978 bereits eine Million US-Dollar jährlich gezahlt hatte. 1984 wurde er mit einem halben Punkt Vorsprung auf Alain Prost zum dritten Mal Weltmeister, Ende 1985 beendete er die Karriere endgültig. In 171 Grand-Prix-Starts standen 25 Siege. Seine Rivalität mit James Hunt und der Unfall wurden 2013 im Film „Rush“ verarbeitet, in dem Daniel Brühl ihn spielte.
Fluglinien, Mercedes und die Einnahmen abseits der Rennstrecke
Drei Fluglinien in vier Jahrzehnten
Lauda Air nahm 1979 den Betrieb auf, zunächst mit zwei gebrauchten Fokker F27. Aus dem Bedarfsflugbetrieb wurde eine Linienfluggesellschaft mit Langstrecken nach Bangkok, Hongkong und Sydney. 1997 stieg Austrian Airlines mit 36 Prozent ein, Lauda selbst hielt danach 30 Prozent, die Lufthansa-Gruppe 20 Prozent. Im November 2000 schied er aus dem Vorstand aus, 2001 wurde Lauda Air eine 99-prozentige Tochter der Austrian Airlines, 2002 übernahm diese das Unternehmen vollständig.
Nur zwei Jahre später war er zurück im Geschäft. Aus der insolventen Aero Lloyd Austria formte er Ende 2003 die Fluglinie Niki. Air Berlin stieg 2004 mit 24 Prozent ein, erhöhte 2010 auf 49,9 Prozent und übernahm im November 2011 auch die restlichen Anteile. Lauda wechselte in den Verwaltungsrat der Air Berlin PLC und schied dort 2013 aus.
Nach der Air-Berlin-Insolvenz holte er sich die Airline im Januar 2018 aus der Masse zurück: 30,3 Millionen Euro für das Unternehmen und weitere 16,4 Millionen Euro für den laufenden Betrieb, zusammen also knapp 47 Millionen Euro. Die Markenrechte bekam er nicht mit, der Neustart lief deshalb unter dem Namen Laudamotion.
Ryanair übernahm im März 2018 zunächst 24,9 Prozent und sagte Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro zu. Im August 2018 stockten die Iren auf 75 Prozent auf, der Anteil wurde dabei mit weniger als 50 Millionen Euro bewertet, dazu kamen rund 50 Millionen Euro für die Betriebskosten des ersten Jahres. Ende Dezember 2018 kaufte Ryanair auch die verbliebenen 25 Prozent aus Laudas Holding heraus, öffentlich gemacht wurde das im Januar 2019. Den Preis dafür nannte keine der beiden Seiten. Laudamotion stellte den Betrieb im Oktober 2020 ein, Flotte und Vermögen gingen auf die maltesische Ryanair-Tochter Lauda Europe über.
Der Posten bei Mercedes und die Beteiligung am Rennstall
2012 holte Daimler ihn als Aufsichtsratsvorsitzenden zum Formel-1-Team Mercedes AMG Petronas. Zu dem Amt gehörte eine Beteiligung von zehn Prozent am Rennstall. Sein Grundgehalt lag bei 750.000 Euro pro Saison, dazu kamen erfolgsabhängige Boni, die bei diesem Team beträchtlich ausfielen. Lauda holte 2013 Toto Wolff als Motorsportchef, und von 2014 an gewann Mercedes mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg Jahr für Jahr beide Titel.
Die zehn Prozent gingen nach Laudas Tod an Mercedes zurück, so war es Jahre zuvor vertraglich vereinbart worden. Welche Größenordnung dieses Paket hatte, lässt sich am nächsten Verkauf ablesen: Ineos zahlte im Dezember 2020 kolportierte 208 Millionen Pfund für ein Drittel des Teams, was den gesamten Rennstall mit rund 630 Millionen Pfund bewertete.
Das Honorar bei RTL und weitere Einnahmen
Von 1996 an arbeitete Lauda als Formel-1-Experte für RTL. Je Rennwochenende erhielt er dafür rund 70.000 Euro. Ab 2016 war er nur noch an einzelnen Renntagen im Einsatz, beim Saisonfinale 2017 gab er vor laufender Kamera seinen Abschied bekannt, nach 21 Jahren beim Sender. Ähnlich wie Ralf Schumacher verdiente er nach der Karriere also auch am Mikrofon.
Dazu kamen Werbeverträge, Immobilien und fünf Bücher, darunter seine Autobiografie. Seine Villa auf Ibiza verkaufte er 2012 für vier Millionen Euro, in Wien besaß er ein Anwesen, dessen Wert auf sechs bis neun Millionen Euro geschätzt wurde. Nach dem Verkauf der Niki trennte er sich 2011 auch von seinem Privatjet vom Typ Bombardier Challenger 300 und leistete sich stattdessen eine Bombardier Global 5000, damals rund 40 Millionen US-Dollar teuer.
Unter den österreichischen Motorsport-Vermögen ist Lauda damit ein Sonderfall: Anders als bei Gerhard Berger oder bei Dietrich Mateschitz speiste sich sein Geld weder überwiegend aus dem Rennsport noch aus einer einzigen Marke, sondern aus einer Reihe von Unternehmensverkäufen. Auch Michael Schumacher, den Lauda in den 1990er-Jahren Ferrari empfohlen hatte, verdiente sein Vermögen auf ganz anderem Weg.
Häufige Fragen zu Niki Lauda
Wie hoch war das Vermögen von Niki Lauda?
Zum Zeitpunkt seines Todes im Mai 2019 wird es auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Der Großteil davon lag zu diesem Zeitpunkt bereits in einer Privatstiftung und fiel deshalb nicht in die Verlassenschaft.
Woher stammte das Vermögen von Niki Lauda?
Vor allem aus dem Luftfahrtgeschäft. Lauda gründete drei Fluggesellschaften und verkaufte alle drei wieder, zuletzt Laudamotion an Ryanair. Dazu kamen die Beteiligung am Formel-1-Team von Mercedes, TV-Honorare und Werbeverträge. Aus der aktiven Rennfahrerzeit stammt der kleinste Teil.
Wie viel verdiente Niki Lauda bei Mercedes?
Sein Grundgehalt als Aufsichtsratsvorsitzender lag bei 750.000 Euro pro Saison. Dazu kamen erfolgsabhängige Boni und die Erträge aus seinen zehn Prozent am Team, die nach seinem Tod vertragsgemäß an Mercedes zurückgingen.
Was brachte der Verkauf von Laudamotion an Ryanair?
Ryanair bewertete die 75 Prozent, die es im August 2018 übernahm, mit weniger als 50 Millionen Euro und sagte weitere rund 50 Millionen Euro für den laufenden Betrieb zu. Was Lauda Ende 2018 für die restlichen 25 Prozent bekam, wurde nie veröffentlicht.
Wer erbte das Vermögen von Niki Lauda?
Sein Testament von 2007 nannte weder seine Frau Birgit noch die 2009 geborenen Zwillinge, weil er es nach der Heirat 2008 nie geändert hatte. Seine Witwe klagte gegen die Privatstiftung auf ihren Pflichtteil und bekam 2024 vor dem Obersten Gerichtshof recht.
Wie oft wurde Niki Lauda Formel-1-Weltmeister?
Dreimal, 1975 und 1977 für Ferrari sowie 1984 für McLaren. Den dritten Titel holte er mit einem halben Punkt Vorsprung auf seinen Teamkollegen Alain Prost.
Bildquellen:
Landmark / PR Photos
Mandoga Media / PR Photos
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