Millionen Euro
WahlheimatMonaco
AgenturTeam Raiola, Monaco
Beraterhonorar beim Pogba-Transfer 201649 Millionen Euro
Geburtsdatum04. November 1967
Geboren inNocera Inferiore / Italien
NationalitätItalien, Niederlande
Todesdatum30. April 2022 († 54 Jahre)
Verstorben inMailand / Italien
BerufSpielerberater, Unternehmer
Voller NameCarmine Raiola
SpitznameMino
Kinder2

Mino Raiola war rund drei Jahrzehnte lang der bekannteste Spielervermittler des europäischen Fußballs. Der in Italien geborene Niederländer vertrat Zlatan Ibrahimovic, Paul Pogba, Erling Haaland und Gianluigi Donnarumma. Sein Geld verdiente er nicht an den Gehältern seiner Klienten, sondern an Honoraren, die Klubs und Spieler für die Vermittlung zahlten. Sein Büro stand in Monaco, wo er mit seiner Familie seit 1996 lebte. Raiola starb im April 2022. Wir schätzen den Nachlass von Mino Raiola auf rund 180 Millionen Euro.

Wie hoch war das Vermögen von Mino Raiola?

Die Schätzung beschreibt den Stand zum Zeitpunkt seines Todes und damit eine abgeschlossene Größe. Davon zu trennen ist der Wert des Geschäfts, das er aufgebaut hat: Die Agentur besteht weiter, sie wird in der Familie geführt, und ihre Klientenliste hat sich seit April 2022 verändert. Was Raiola persönlich hinterließ, speist sich aus Vermittlungshonoraren, aus Anteilen an den Vermarktungsrechten einzelner Spieler und aus Immobilien.

Woraus sich der Nachlass speist

Mino Raiola Vermögen Der größte belegte Einzelposten ist das Honorar beim Wechsel von Paul Pogba zu Manchester United im Sommer 2016. Für das Jahr 2020 wies Forbes für ihn Provisionseinnahmen von 84,7 Millionen US-Dollar aus, bei einem vermittelten Transfervolumen von 847,7 Millionen US-Dollar. Dazu kamen Beteiligungen an Vermarktungsrechten, die über mehrere Jahre liefen, und Immobilien. 2016 kaufte er in Miami das frühere Anwesen von Al Capone für rund 9 Millionen Euro.

Warum der Wohnsitz Monaco die Rechnung verändert

Bei angestellten Spitzenverdienern führt der Weg von der Bruttozahl zum Vermögen über den Steuerabzug, und der frisst je nach Land vierzig bis fünfzig Prozent des Gehalts. Bei Raiola war das anders. Monaco erhebt auf das Einkommen ansässiger Ausländer keine Einkommensteuer, und sein Betrieb war klein: In dem Büro in Monte Carlo arbeitete neben ihm nur eine Handvoll Leute. Von einem Honorar blieb deshalb ein deutlich größerer Anteil hängen als bei einer Agentur mit großem Apparat in einem Hochsteuerland, und die Einnahmen schlugen fast unmittelbar in Vermögen um.

Die Beraterhonorare als Kern des Geschäfts

Ein Spielervermittler verdient an der Bewegung, nicht am Bestand. Jeder Wechsel, jede Vertragsverlängerung und jeder ablösefreie Abgang erzeugt ein Honorar, und wer die begehrtesten Spieler unter Vertrag hat, sitzt bei jedem dieser Vorgänge mit am Tisch. Raiola hat dieses Modell so weit ausgebaut, dass er bei einem einzigen Transfer von drei Seiten gleichzeitig bezahlt wurde.

Der Pogba-Wechsel und die drei Zahler

Manchester United zahlte Juventus Turin im August 2016 rund 105 Millionen Euro für Paul Pogba, damals die höchste Ablöse der Fußballgeschichte. Ein Jahr später wurde sie vom Wechsel Neymars zu Paris Saint-Germain für 222 Millionen Euro übertroffen. Wie der Spiegel in Zusammenarbeit mit Football Leaks berichtete, flossen aus dem Pogba-Geschäft insgesamt 49 Millionen Euro an Raiola, und zwar aus drei Richtungen: 27 Millionen Euro kamen vom abgebenden Klub Juventus, weitere 19,4 Millionen zahlte Manchester United in Raten bis 2020, und 2,6 Millionen kamen von Pogba selbst. Davon gingen Steuern, Gehälter und Anwälte ab. Übrig blieb dennoch eine Summe in der Größenordnung dessen, was ein Spitzenspieler in mehreren Jahren verdient.

Honorare bei weiteren Transfers

Der Pogba-Deal war der größte, aber nicht der erste in dieser Liga. Für den Wechsel von Pavel Nedved von Lazio Rom zu Juventus Turin im Jahr 2001 erhielt Raiola eine Provision von sechs Milliarden Lire. Beim Transfer von Zlatan Ibrahimovic von Ajax Amsterdam zu Juventus im August 2004 verdiente er 500.000 Euro, weil er die Vermarktungsrechte des Schweden hielt. Beim Wechsel Ibrahimovics von Inter Mailand zum FC Barcelona 2009 sicherte er sich eine Klausel, die ihm bis 2014 jährlich 1,2 Millionen Euro einbrachte, gezahlt vom Klub. Auch der Transfer von Henrikh Mkhitaryan von Borussia Dortmund zu Manchester United 2016 lief über ihn. Aki Watzke nannte Raiolas Verhandlungsstil damals brachial, bescheinigte ihm aber ausdrücklich korrektes Verhalten.

Vom Familienrestaurant in den Transfermarkt

Raiola wurde 1967 in Nocera Inferiore südlich von Neapel geboren, ein Jahr später zog die Familie nach Haarlem in den Niederlanden. Sein Vater baute dort ein Restaurant auf, in dem der Sohn als Kellner arbeitete und früh die Kasse führte. Noch als Jugendlicher kaufte er ein McDonald’s-Restaurant und verkaufte es nach wenigen Monaten an einen Immobilienentwickler weiter. Mit dem Gewinn gründete er seine erste Vermittlungsfirma. Ein Jurastudium brach er nach zwei Jahren ab, Anwälte könne er sich kaufen, sagte er dazu später. Beim HFC Haarlem wurde er Jugendleiter und danach technischer Direktor, und von dort aus vermittelte er ab 1992 niederländische Spieler nach Italien, unter anderem Dennis Bergkamp und Wim Jonk zu Inter Mailand. Sieben Sprachen beherrschte er, was ihm am Verhandlungstisch einen Vorteil verschaffte, den kaum ein Wettbewerber hatte.

Der Streit über die Höhe der Beraterprovisionen

Honorare in der Größenordnung des Pogba-Geschäfts haben die Verbände auf den Plan gerufen. Die Frage, wie viel ein Vermittler an einem Transfer verdienen darf, war zu Raiolas Lebzeiten offen und ist es nach seinem Tod geblieben.

Der Widerstand gegen die geplante Obergrenze

2019 gründete Raiola gemeinsam mit Jorge Mendes, dem Berater von Cristiano Ronaldo, sowie mit Jonathan Barnett und Roger Wittmann das Football Forum, einen Zusammenschluss von Beratern gegen die Regulierungspläne der FIFA. Im Januar 2020 drohte diese Gruppe dem Verband mit rechtlichen Schritten gegen die geplante Deckelung der Vermittlungshonorare. Auf der anderen Seite stand die FIFA unter ihrem Präsidenten Gianni Infantino, die das Vermittlerwesen neu ordnen wollte. Für Raiola ging es dabei um das eigene Geld: Eine prozentuale Obergrenze hätte genau die Konstruktion aus mehreren Zahlern unmöglich gemacht, mit der er beim Pogba-Wechsel 49 Millionen Euro erzielte.

Das Reglement, das nach seinem Tod kam

Ende 2022 verabschiedete der FIFA-Rat das neue Vermittlerreglement, die FIFA Football Agent Regulations. Es führte eine Lizenzpflicht wieder ein und begrenzt die Honorare je nach Konstellation auf drei, fünf oder zehn Prozent der Ablöse oder des Spielergehalts. In Kraft trat es 2023, und seither wird darüber vor Gerichten gestritten, unter anderem vor dem Landgericht Dortmund und vor dem Europäischen Gerichtshof. Für die Nachfolger in Raiolas Geschäft ist das die entscheidende Größe: Seine 49 Millionen Euro entsprachen knapp der Hälfte der Ablösesumme und wären unter einer solchen Deckelung nicht mehr erreichbar.

Was aus dem Geschäft geworden ist

Das Firmengeflecht hatte seinen Sitz in Monaco und ist nach Raiolas Tod auf zwei Seiten verteilt worden. Die eine führt seine langjährige Geschäftspartnerin, die andere sein Cousin. Beide arbeiten weiter mit Spielern, die Raiola selbst unter Vertrag genommen hatte.

Die Agentur in der Familie

Unter dem Namen Team Raiola führt sein Cousin Vincenzo Raiola das Geschäft fort, das er über Jahre an Minos Seite gelernt hatte. Die Agentur betreut mehr als hundert Spieler, darunter den Torhüter Gianluigi Donnarumma, Ryan Gravenberch, Micky van de Ven, Levi Colwill, Breel Embolo und Alessio Romagnoli, dazu den Trainer Mark van Bommel, der selbst einmal Klient war. Vincenzo Raiola trat 2025 als Berater Donnarummas öffentlich auf, als sich der Torhüter von Paris Saint-Germain trennte und zu Manchester City wechselte, wo er unter Pep Guardiola spielt.

Die Klienten bei Rafaela Pimenta

Die brasilianische Juristin Rafaela Pimenta hatte jahrelang mit Raiola zusammengearbeitet und übernahm nach seinem Tod dessen persönliche Klienten. Sie führt die Agentur heute unter eigenem Namen, mit Erling Haaland als wertvollstem Klienten, dazu Matthijs de Ligt, Marco Verratti, Henrikh Mkhitaryan und Santiago Gimenez sowie dem Trainer Arne Slot. Der Teil des Geschäfts, an dem die größten künftigen Honorare hängen, liegt damit nicht in der Familie. Pimenta gilt als erste Frau, die im Fußball auf dieser Ebene als Beraterin arbeitet.

Die vermittelten Transfers im Überblick

Über seine Laufbahn hat Raiola mehrere Dutzend Profis vertreten. Die folgende Übersicht zeigt einen Auszug der Wechsel, die er eingefädelt hat:

JahrSpielerAlter KlubNeuer KlubTransfersumme
2020Zlatan IbrahimovicLos Angeles GalaxyAC MilanAblösefrei
2020Erling HaalandRB SalzburgBorussia Dortmund20 Mio. €
2019Matthijs de LigtAjax AmsterdamJuventus Turin85,5 Mio. €
2018Justin KluivertAjax AmsterdamAS Roma17,25 Mio. €
2018Zlatan IbrahimovicManchester UnitedLos Angeles GalaxyAblösefrei
2017Romelu LukakuFC EvertonManchester United84,7 Mio. €
2016Paul Pogba Juventus TurinManchester United105 Mio €
2016Henrikh MkhitaryanBorussia DortmundManchester United42 Mio. €
2016Zlatan IbrahimovicParis Saint-GermainManchester UnitedAblösefrei
2016Mario BalotelliFC LiverpoolOGC NizzaAblösefrei
2015Sergio RomeroSampdoria GenuaManchester UnitedAblösefrei
2013Mario BalotelliAC MilanFC Liverpool20 Mio. €
2013Mario BalotelliManchester CityAC Milan20 Mio. €
2012Zlatan IbrahimovicAC MilanParis Saint-Germain21 Mio. €
2012MaxwellFC BarcelonaParis Saint-Germain3,5 Mio. €
2011Mark van BommelFC Bayern MünchenAC MilanAblösefrei
2010Zlatan IbrahimovicFC BarcelonaAC Milan30 Mio. €
2010Mario BalotelliInter MailandManchester City29,50 Mio. €
2010RobinhoManchester CityAC Milan18 Mio. €
2009Zlatan IbrahimovicInter MailandFC Barcelona69,5 Mio. €
2009MaxwellInter MailandFC Barcelona4,5 Mio. €
2006Zlatan IbrahimovicJuventus TurinInter Mailand24,8 Mio. €
2006MaxwellAjax AmsterdamInter MailandAblösefrei
2004Zlatan IbrahimovicAjax AmsterdamJuventus Turin16 Mio. €
2001Pavel NedvedLazio RomJuventus Turin41,2 Mio. €
1996Pavel NedvedSparta PragLazio Rom3,5 Mio. €
1993Dennis BergkampAjax AmsterdamInter Mailand9,77 Mio. €
1988Frank RijkaardSporting CPAC Milan2,27 Mio. €

Die Aufstellung zeigt nur einen Teil der Wechsel. Zu seinen bekanntesten Klienten zählten:

  • Erling Haaland
  • Paul Pogba
  • Zlatan Ibrahimovic
  • Matthijs de Ligt
  • Romelu Lukaku
  • Marco Verratti
  • Henrikh Mkhitaryan
  • Blaise Matuidi
  • Mario Balotelli
  • Pavel Nedved
  • Gianluigi Donnarumma
  • Justin Kluivert

Häufige Fragen zu Mino Raiola

Wie hoch war das Vermögen von Mino Raiola?

Wir schätzen den Nachlass von Mino Raiola auf rund 180 Millionen Euro. Die Summe beschreibt den Stand zum Zeitpunkt seines Todes im April 2022. Sie setzt sich aus Vermittlungshonoraren aus rund drei Jahrzehnten, aus Anteilen an Vermarktungsrechten und aus Immobilien zusammen.

Womit verdiente Mino Raiola sein Geld?

Mit Honoraren für die Vermittlung von Spielertransfers und Vertragsverlängerungen. Bezahlt wurde er vom abgebenden Klub, vom aufnehmenden Klub und vom Spieler selbst, bei einzelnen Wechseln von allen drei Seiten. Dazu hielt er bei manchen Klienten Anteile an deren Vermarktungsrechten.

Wie viel verdiente Raiola am Wechsel von Paul Pogba zu Manchester United?

49 Millionen Euro. 27 Millionen kamen von Juventus Turin, 19,4 Millionen von Manchester United in Raten bis 2020 und 2,6 Millionen von Pogba selbst. Manchester United zahlte für den Spieler zusätzlich rund 105 Millionen Euro Ablöse.

Wer führt die Agentur von Mino Raiola heute?

Das Geschäft ist zweigeteilt. Sein Cousin Vincenzo Raiola führt die Agentur Team Raiola mit Sitz in Monaco weiter, zu deren Klienten Gianluigi Donnarumma und Ryan Gravenberch gehören. Die Spieler, die Raiola persönlich betreute, übernahm seine langjährige Geschäftspartnerin Rafaela Pimenta, darunter Erling Haaland.

Warum stritt Raiola mit der FIFA über die Höhe der Beraterprovisionen?

Weil der Verband die Vermittlungshonorare prozentual begrenzen wollte. Raiola schloss sich 2019 mit anderen Beratern im Football Forum zusammen und drohte der FIFA im Januar 2020 mit rechtlichen Schritten. Das Reglement kam Ende 2022 dennoch und begrenzt die Honorare auf drei, fünf oder zehn Prozent; seither wird darüber vor Gerichten gestritten.

Bildquellen:
@ZlatanIbrahimovic / Facebook