Steve Wozniak hat den ersten Apple-Rechner im Alleingang entworfen, Platine, Schaltungen und Betriebssystem inklusive. Damit legte er das Fundament für ein Unternehmen, das heute zu den wertvollsten der Welt gehört. Reich geworden ist er dabei nicht, jedenfalls nicht im Maßstab seiner Mitgründer: Er gab einen Teil seiner Anteile an übergangene Kollegen ab, verkaufte den Rest in den 1980er Jahren und spendete über die Jahrzehnte den größten Teil des Erlöses. Wir schätzen das Vermögen von Steve Wozniak auf rund 17 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Steve Wozniak?
Unter den großen Technologiegründern ist Wozniak der ungewöhnlichste Fall. Wer bei Bill Gates, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg nach dem Vermögen fragt, landet bei einem Aktienpaket. Bei Wozniak gibt es kein solches Paket, weil er sich früh von seinen Apple-Anteilen getrennt hat. Sein Geld stammt deshalb aus laufender Arbeit und aus Immobilien, nicht aus einer Beteiligung, und genau das erklärt den Abstand zu den anderen Gründern der Branche.
Woraus sich das Vermögen speist
Der größte laufende Posten sind die Vortragshonorare. Rednervermittlungen führen Wozniak in einer Spanne von 100.000 bis 300.000 US-Dollar je Auftritt, wobei der untere Wert für zugeschaltete Termine gilt und der obere für Auftritte vor Ort. Dazu kommen Buchhonorare, Beraterrollen und Anteile an den Unternehmen, die er nach Apple mitgegründet hat und die ihm bisher keinen großen Erlös eingebracht haben.
Der zweite Posten sind Immobilien. 2006 kaufte Wozniak für 6,9 Millionen US-Dollar ein rund 700 Quadratmeter großes Anwesen in Los Gatos in Kalifornien und verkaufte es nach mehreren Preisabschlägen im Mai 2015 für 3,8 Millionen US-Dollar wieder. Sein Wohnsitz liegt weiterhin in Los Gatos im Silicon Valley.
Warum kein Aktienpaket dahintersteht
Wozniak hat mehrfach erklärt, dass er grundsätzlich nicht investiert und Abstand zum Geld halten wolle, weil es die eigenen Maßstäbe verschiebe. Entsprechend hält er weder ein nennenswertes Wertpapierdepot noch Apple-Aktien. Im November 2019 machte er zudem öffentlich, den weit überwiegenden Teil seines Vermögens gespendet zu haben, vor allem an Bildungsprojekte, Museen und Kultureinrichtungen in seiner Geburtsstadt San José. Er finanziert seit Jahrzehnten das Technikprogramm des Schulbezirks Los Gatos und gehörte 1990 zu den Gründern der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation.
Apple, der Börsengang und der Woz-Plan
Am 1. April 1976 gründeten Steve Wozniak, Steve Jobs und Ronald Wayne die Apple Computer Company. Jobs und Wozniak hielten je 45 Prozent, Wayne die restlichen 10 Prozent, die er zwölf Tage später für 800 US-Dollar zurückgab. Die technische Arbeit lag praktisch vollständig bei Wozniak.
Vom Apple I zum Apple II
Eine frühe Zusammenarbeit zeigt bereits das Muster der Partnerschaft. 1973 entwarf Wozniak im Auftrag von Jobs die Schaltung für das Atari-Spiel Breakout und sparte dabei zahlreiche Bauteile ein. Jobs erhielt dafür von Atari 5.000 US-Dollar, nannte Wozniak gegenüber aber nur 700 US-Dollar und gab ihm die Hälfte davon.
Der Apple I kam 1976 als fertige Platine mit Tastaturanschluss auf den Markt, zum Stückpreis von 666,66 US-Dollar. Der Erlös finanzierte den Apple II, der Farben und Grafik darstellen konnte und dank offener Architektur Erweiterungen von Drittanbietern zuließ. Er wurde zum Zugpferd des jungen Unternehmens und trieb Apple in den Wettbewerb mit dem Microsoft von Paul Allen und Bill Gates.
Der Börsengang 1980 und die 7,9 Prozent
Apple ging am 12. Dezember 1980 an die Börse. Der Ausgabepreis brachte dem Unternehmen eine Bewertung von rund 1,8 Milliarden US-Dollar und machte über 300 Mitarbeiter auf einen Schlag zu Millionären. Wozniak hielt an diesem Tag rund 7,9 Prozent der Anteile, was einem Papierwert von etwa 142 Millionen US-Dollar entsprach.
Das ist die eigentliche Geschichte hinter seinem Vermögen. Wäre er bei diesem Anteil geblieben, läge sein Paket bei der heutigen Größenordnung von Apple im dreistelligen Milliardenbereich, und er stünde in derselben Liga wie Elon Musk. Stattdessen begann Wozniak unmittelbar nach dem Börsengang, seine Anteile abzugeben.
Der Woz-Plan: Aktien für die Kollegen
Bei der Zuteilung von Aktienoptionen vor dem Börsengang gingen mehrere Techniker der ersten Stunde leer aus, eine Entscheidung, die maßgeblich auf Jobs zurückging. Wozniak hielt das für ungerecht und legte kurz nach dem Börsengang ein eigenes Programm auf, das intern als Woz-Plan bekannt wurde. Er bot 40 bis 80 frühen Mitarbeitern jeweils bis zu 2.000 seiner eigenen Aktien zum symbolischen Preis von 5 US-Dollar je Stück an und gab auf diesem Weg eigene Anteile im damaligen Marktwert von rund 10 Millionen US-Dollar ab.
Der Rest seines Pakets wurde im Lauf der 1980er Jahre verkauft. Beschleunigt hat das ein Unfall: Im Februar 1981 überlebte Wozniak einen Flugzeugabsturz, der ihn mit schweren Kopfverletzungen und vorübergehender Amnesie zurückließ und ihn faktisch aus dem operativen Geschäft nahm. 1983 kehrte er ohne nennenswerte Funktion zu Apple zurück, 1985 trennten sich die Wege von Jobs und Wozniak endgültig.
Was ihm von Apple geblieben ist
Formell gekündigt hat Wozniak nie. Er steht bis heute auf der Gehaltsliste und bezeichnet sich selbst als den einzigen Menschen, der seit Gründung des Unternehmens jede Woche einen Gehaltszettel bekommen hat.
Die dazu kursierende Zahl gehört allerdings eingeordnet. Verbreitet ist die Angabe eines Jahresgehalts von 120.000 US-Dollar, sie geht auf eine Schätzung aus den 2000er Jahren zurück und wurde von Apple nie bestätigt. Wozniak selbst hat den Betrag anders beschrieben: Nach Rücklagen und Abzügen lande wöchentlich eine Summe in der Größenordnung von 50 US-Dollar auf seinem Konto. Für sein Vermögen spielt diese Zeile keine Rolle, sie ist eine Geste. Geführt wird Apple seit 2011 von Tim Cook.
Die Unternehmen nach Apple
Wozniak hat nach 1985 eine ganze Reihe von Firmen gegründet, mitgegründet oder als wissenschaftlicher Kopf begleitet. Der Befund über vier Jahrzehnte ist eindeutig: Technisch waren die Projekte oft interessant, einen zweiten großen Erlös haben sie ihm nicht gebracht.
CL 9 und Wheels of Zeus
Direkt nach dem Abschied von Apple gründete Wozniak 1985 das Unternehmen CL 9, das eine Universalfernbedienung bauen sollte. 1987 kam mit der CL 9 CORE die erste frei programmierbare Fernbedienung auf den Markt. Das Unternehmen bestand bis 1988, das Patent auf die Technik lief 2005 aus.
2001 folgte Wheels of Zeus, kurz WoZ, das drahtlose GPS-Ortung für Alltagsgegenstände entwickelte und 2006 wieder eingestellt wurde. Im selben Jahr brachte Wozniak mit zwei früheren Apple-Managern die Beteiligungsgesellschaft Acquicor Management ohne eigenes Produkt an die Börse, Erlös 164 Millionen US-Dollar; sie ging 2007 in Jazz Semiconductor auf.
Fusion-io und Primary Data
2009 wurde Wozniak wissenschaftlicher Leiter beim Speicherspezialisten Fusion-io, dessen Flash-Technik unter anderem bei Facebook und Apple im Einsatz war. Im Juni 2014 übernahm SanDisk das Unternehmen für rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Wozniak war dort angestellter Chefwissenschaftler und kein Großaktionär, der Verkauf hat sein Vermögen also nicht in eine neue Größenordnung gehoben.
Anschließend wechselte er in derselben Rolle zu Primary Data, einem Speicher-Start-up früherer Fusion-io-Leute. Das Unternehmen verbrauchte rund 100 Millionen US-Dollar Kapital und stellte im Januar 2018 den Betrieb ein, nachdem die Geldgeber ausgestiegen waren. Die Technik lebte im Nachfolgeunternehmen Hammerspace weiter, Wozniaks Posten war weg.
Woz U und die Kritik daran
2017 startete Wozniak die Online-Bildungsplattform Woz U, die Programmierer und Datenspezialisten ausbilden sollte. Der Name war das Kapital des Angebots, und genau daran entzündete sich die Kritik. Eine Recherche von CBS News mit rund zwei Dutzend aktuellen und ehemaligen Studierenden und Mitarbeitern zeichnete 2018 ein ernüchterndes Bild: veraltete Aufzeichnungen statt der versprochenen Live-Vorlesungen, fehlerhafte Unterlagen und aggressiver Vertrieb. Ein Teilnehmer beschrieb das 33-wöchige Programm zum Preis von 13.000 US-Dollar als E-Book.
2019 verweigerte die Aufsichtsbehörde für private Hochschulen in Arizona die Verlängerung der Lizenz. Ausschlaggebend waren Verbindungen zu einem Miteigentümer aus dem Umfeld der kollabierten Dream Center Education Holdings sowie Zweifel an Führung und Finanzierung.
Efforce und Privateer Space
2018 gründete Wozniak Efforce, eine Plattform, über die Anleger Energieeffizienzprojekte in Unternehmen mitfinanzieren und an den eingesparten Energiekosten beteiligt werden sollen. Abgewickelt wird das über den Blockchain-Token WOZX, der Ende 2020 an den Handel ging. Der Kurs erreichte 2021 seinen Höchststand und verlor danach nahezu seinen gesamten Wert; aus dem Kreis der Käufer gibt es Vorwürfe gegen das Unternehmen, ein Verfahren ist daraus bisher nicht entstanden.
2021 folgte Privateer Space, gegründet mit dem Ingenieur Alex Fielding und dem Weltraumforscher Moriba Jah mit Sitz auf Hawaii. Das Unternehmen kartiert Objekte im Erdorbit und verkauft die Auswertung als Datendienst, die erste Software kam im März 2022 auf den Markt. 2024 schloss Privateer eine Serie-A-Runde über 56,5 Millionen US-Dollar ab und übernahm im selben Zug den Geodatenanbieter Orbital Insight. Wozniak ist Präsident des Unternehmens, Fielding führt es als Vorstandschef.
Vorträge, Buch und Rechtsstreitigkeiten
Der Name Woz ist in der Technikbranche eine eigene Währung. Er trägt die Vortragstätigkeit und die Buchverkäufe, und er ist zugleich der Grund für einen langwierigen Rechtsstreit.
Die Vortragshonorare als wichtigste Einnahmequelle
Wozniak tritt seit über zwei Jahrzehnten auf Konferenzen, Kongressen und an Universitäten auf, die Rednervermittlungen nennen dafür Honorare von 100.000 bis 300.000 US-Dollar je Termin. Damit sind die Vorträge seine mit Abstand wichtigste laufende Einnahmequelle. Einem breiten Publikum ist er auch durch Gastauftritte bekannt, etwa in der vierten Staffel von The Big Bang Theory.
Ein gesundheitlicher Einschnitt hat daran nichts geändert. Am 8. November 2023 erlitt Wozniak am Rande des World Business Forum in Mexiko-Stadt einen leichten Schlaganfall, den er selbst öffentlich machte; er verließ das Krankenhaus nach einem Tag. Seine Auftrittstätigkeit hat er danach fortgesetzt, unter anderem mit Konferenzterminen im Jahr 2025 und einer Abschlussrede an der Grand Valley State University im Mai 2026.
Die Autobiografie iWoz
Gemeinsam mit der Co-Autorin Gina Smith schrieb Wozniak seine Lebensgeschichte auf, um mit den Legenden um Apple und um seine Person aufzuräumen. Das Buch erschien im September 2006 und liegt auf Deutsch unter dem Titel „iWoz: Wie ich den Personal Computer erfand und Apple mitgründete“ vor.
Der Rechtsstreit mit YouTube
Seit Mai 2020 kursieren auf YouTube gefälschte Videos, in denen Wozniaks Name und Bild für einen Krypto-Betrug benutzt werden: Gekaperte Kanäle zeigen eine angebliche Live-Veranstaltung, bei der Zuschauern das Doppelte ihrer eingesandten Kryptowährung versprochen wird. Wozniak klagte in Kalifornien gemeinsam mit 17 weiteren Geschädigten gegen YouTube und Google.
Die erste Instanz wies die Klage unter Berufung auf Section 230 ab, jene US-Vorschrift, die Plattformen weitgehend von der Haftung für fremde Inhalte freistellt. Im März 2024 ließ ein kalifornisches Berufungsgericht die Sache in einem Punkt wieder zu: Die Verifizierungshaken, die YouTube den gekaperten Kanälen verliehen hatte, seien eine eigene Leistung der Plattform. Der Fall ging an die Vorinstanz zurück.
Häufige Fragen zu Steve Wozniak
Wie hoch ist das Vermögen von Steve Wozniak?
Wir schätzen es auf rund 17 Millionen Euro. Den größten Teil machen die Honorare aus mehr als zwei Jahrzehnten Vortragstätigkeit und Immobilien in Kalifornien aus. Apple-Anteile sind nicht darunter.
Warum ist Steve Wozniak nicht so reich wie die anderen Apple-Gründer?
Weil er seine Anteile abgegeben hat. Beim Börsengang 1980 hielt er rund 7,9 Prozent an Apple. Einen Teil davon verkaufte er zu einem symbolischen Preis an frühe Mitarbeiter, die keine Optionen bekommen hatten, den Rest veräußerte er im Lauf der 1980er Jahre. Große Teile des Erlöses gingen später an gemeinnützige Einrichtungen.
Bekommt Steve Wozniak noch Gehalt von Apple?
Ja. Wozniak hat nie formell gekündigt und steht weiter auf der Gehaltsliste. Die oft genannten 120.000 US-Dollar im Jahr sind allerdings eine alte Schätzung, die Apple nie bestätigt hat. Wozniak selbst beschreibt den Betrag, der nach Abzügen auf seinem Konto landet, mit rund 50 US-Dollar pro Woche.
Besitzt Steve Wozniak noch Apple-Aktien?
Nein. Er hat sein Paket in den 1980er Jahren abgegeben und nach eigener Aussage danach grundsätzlich nicht mehr in Wertpapiere investiert.
Womit verdient Steve Wozniak heute sein Geld?
Vor allem mit Vorträgen, dazu kommen Buchhonorare und Rollen in Unternehmen wie Privateer Space, dessen Präsident er ist. Ein Gehalt von Apple bezieht er weiterhin, es ist aber symbolisch und für sein Einkommen ohne Bedeutung.
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