Millionen Euro
Eigenes Bauunternehmen seit1962 (Baumeisterkonzession, zuletzt rund 600 Mitarbeiter)
Eröffnung Lugner CitySeptember 1990, Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus
Selbst angegebene Schuldenrund 40 Mio. Euro (Angabe Februar 2024)
Geburtsdatum11. Oktober 1932
Geboren inWien / Österreich
NationalitätÖsterreich
Todesdatum12. August 2024 († 91 Jahre)
Verstorben inWien
Familienstandverheiratet mit Simone Lugner (seit 2024)
BerufBaumeister, Bauunternehmer und Immobilienunternehmer
Voller NameRichard Siegfried Lugner
SpitznameMörtel
Kinder4 (Nadine Jeannine Cutter, Alexander Lugner, Jacqueline Lugner, Andreas Lugner)
UnternehmenLugner City GmbH, Lugner Kino City

Richard Lugner Vermögen Richard Lugner war Baumeister, Bauunternehmer und über Jahrzehnte eine der bekanntesten Figuren der Wiener Öffentlichkeit. Sein Geld verdiente er nicht mit den Großaufträgen der Wiederaufbaujahre, sondern mit der Renovierung von Altbauten, dem Bau von Tankstellen und der Revitalisierung von Innenstadtliegenschaften, bevor er am Wiener Gürtel sein eigenes Einkaufszentrum errichtete. Einem breiten Publikum wurde er durch Reality-Fernsehen und durch seine bezahlten Stargäste am Wiener Opernball bekannt. Wir schätzen sein Vermögen zum Zeitpunkt seines Todes am 12. August 2024 auf rund 80 Millionen Euro.

Wie hoch war das Vermögen von Richard Lugner?

Eine belastbare Einzelzahl hat Lugner nie offengelegt, und die Angaben, die er selbst über die Jahre machte, widersprachen sich. Nach unserer Schätzung kam er zuletzt auf rund 80 Millionen Euro. Der Wert steckte fast vollständig in Sachwerten und Firmenanteilen, nicht in liquidem Geld: Wie der ORF am Tag seines Todes berichtete, bestand sein Werk aus einem Konglomerat von insgesamt neun Firmen, darunter das Einkaufszentrum, die Garage, das Kino und eine große Immobilienfirma, dazu ein Portfolio aus Bürohäusern und Hotels. Der Großteil davon war in zwei Privatstiftungen eingebracht.

Woraus sich die Schätzung zusammensetzt

Der schwerste Posten war das Einkaufszentrum samt Liegenschaft, gefolgt von der Immobiliengesellschaft mit Bürohäusern und Hotels sowie der Beteiligung am Kinobetrieb. Privat kamen die Villa im Wiener Bezirk Döbling und bewegliche Werte wie Schmuck, Kunstgegenstände und Bargeld hinzu. Ein Einkaufszentrum wird nach seinen Mieterträgen bewertet, weshalb die Schätzung mit Leerstand, Zinsniveau und Instandhaltungsbedarf schwankt.

Schulden waren der große Gegenposten

Lugner rechnete seine Verbindlichkeiten öffentlich mit. Bereits 2003 stand er nach eigenen Angaben mit rund 35 Millionen Euro Schulden kurz vor der Insolvenz. Im Februar 2024 sagte er dem Magazin Forbes Austria: „Es stimmt, dass wir 40 Millionen Euro Schulden haben.“ Der ORF berichtete im August 2024 zudem von Pfandrechten einer Bank in Höhe von rund 85 Millionen Euro. Wegen dieser Verbindlichkeiten wurde Lugner in seinen letzten Jahren nicht mehr in der Liste der reichsten Österreicher geführt, in der Namen wie Dietrich Mateschitz die Spitze bildeten.

Bauunternehmen und Lugner City

Das Fundament des Vermögens war eine Baufirma, die Lugner über 35 Jahre selbst führte. Erst danach kam das Einkaufszentrum, das ihn wirtschaftlich bis zuletzt trug.

Die Baumeisterkonzession und der Start mit vier Beschäftigten

Lugner legte 1953 an einer Wiener Bundeslehranstalt die Matura in der Fachrichtung Hochbau ab und arbeitete anschließend bei einer Wiener Baufirma sowie in der Bauabteilung von Mobil Oil Austria. Am 26. April 1962 erhielt er die Baumeisterkonzession und stellte im selben Jahr zwei Arbeiter und zwei Angestellte in seinem eigenen Unternehmen ein. Er spezialisierte sich auf zwei Felder, die die Konkurrenz damals liegen ließ: die Renovierung von Altbauten und die Errichtung von Tankstellen und Servicestationen. Als die Revitalisierung bestehender Häuser den Neubau auf der grünen Wiese ablöste, war er in diesem Segment bereits eingerichtet und wurde zum größten gewerblichen Bauunternehmer Wiens.

Die wirtschaftlich wichtigsten Bauprojekte

Öffentliche Aufmerksamkeit brachten ihm der Bau des Islamischen Zentrums in Wien, die vielzitierte „Wiener Moschee“, sowie die Renovierung des Stadttempels der Israelitischen Kultusgemeinde. Das Geld verdiente er allerdings mit einer langen Reihe unspektakulärer Aufträge: Revitalisierungen für Banken und Sparkassen, Bürohäuser mit angeschlossenen Tiefgaragen und der österreichweite Tankstellenausbau, für den 1982 eine Filiale in Graz eröffnet wurde. In den 1980er-Jahren war seine Firma hauptbeteiligt an der Umgestaltung des Deutschmeister-Palais für den OPEC-Fonds für Internationale Entwicklung. Im selben Jahrzehnt wuchs das Unternehmen auf rund 600 Mitarbeiter und erhielt das Recht zur Führung des Staatswappens.

Die Lugner City als zentraler Vermögenswert

Im September 1990 eröffnete Lugner die Lugner City in Rudolfsheim-Fünfhaus, damals das siebtgrößte Einkaufszentrum Österreichs. Es blieb der Kern seines Vermögens. Den Ausbau des Zentrums im Jahr 2003 bezifferte er selbst mit 28 Millionen Euro. Im September 2005 kam die Lugner Kino City hinzu, ein Multiplexkino mit elf Sälen und 1.840 Plätzen, an dem er persönlich nur eine Minderheit hielt. Zur wirtschaftlichen Entwicklung nannte er im Februar 2024 ein Umsatzplus von 9,94 Prozent gegenüber dem Vorjahr und laufende Mietverhandlungen mit Douglas, Woolworth und einem asiatischen Lebensmittelmarkt.

Sale-and-lease-back und der Rückkauf der Liegenschaft

Ab 1997 zog sich Lugner aus dem operativen Baugeschäft zurück und übergab die Leitung des Bauunternehmens an seine Söhne, blieb aber Eigentümer. Die Firma geriet in Schwierigkeiten, und Lugner wandte die Insolvenz ab, indem er 2003 die Liegenschaft der Lugner City an die Volksbanken-Immoconsult übereignete und zurückleaste. 2013 kaufte er zum vertraglich frühestmöglichen Zeitpunkt über einen Share Deal zurück und machte aus der Leasinggesellschaft seine eigene Immobilien-GmbH. Das Bauunternehmen selbst existierte am Ende nicht mehr, wie der ORF in seinem Nachruf feststellte. Was blieb, waren das Einkaufszentrum und die Immobiliengesellschaft.

Fernsehen, Werbung und der Opernball

Ab den 2000er-Jahren verdiente Lugner nicht nur am Bau, sondern auch an seiner eigenen Bekanntheit. Beides war verknüpft, weil die Auftritte Reichweite für das Einkaufszentrum erzeugten.

Reality-Fernsehen als zweite Einnahmequelle

2002 startete auf dem österreichischen Sender ATV „Die Lugners“, vermarktet als österreichische Antwort auf die damals erfolgreiche MTV-Serie über die Familie Osbourne. Das Format lief über viele Staffeln, RTL II belebte es später für den deutschen Markt wieder. Dazu kam die ORF-Satiresendung „Wir sind Kaiser“, in der Lugner mit seinem eigenen Image spielte und die bis 2011 lief. Für seine Fernsehauftritte wurden Beträge von rund 1.500 Euro pro Folge kolportiert, also ein Bruchteil dessen, was Unterhaltungsgrößen wie Thomas Gottschalk pro Sendung erhielten.

Bezahlte Stargäste am Opernball

Ab 1991 lud Lugner jedes Jahr einen internationalen Prominenten in seine Loge am Wiener Opernball ein und bezahlte dafür. Er nannte die Summen oft selbst, weshalb dieser Teil gut dokumentiert ist. Für Paris Hilton wurden 150.000 US-Dollar genannt, für Kim Kardashian 2014 kursierten Angaben zwischen rund 250.000 Euro und 500.000 US-Dollar. Für Ornella Muti 2023 wurden rund 35.000 Euro kolportiert, für Priscilla Presley 2024 rund 100.000 Euro. Zu den Gagen kamen Reise, Hotel und die Loge, für die er 2024 rund 30.000 Euro zahlte. Weitere Gäste waren unter anderem Pamela Anderson, Dieter Bohlen, Carmen Electra, Roger Moore, Elle Macpherson und Jane Fonda.

Der Geldfluss lief in beide Richtungen. Die Gäste traten regelmäßig auch in der Lugner City auf, das Zentrum bekam dadurch Medienpräsenz, und seit 2007 wurde dort jährlich eine „Opernball-Prinzessin“ gecastet. Den Wert der Marke Lugner bezifferten Werbefachleute laut ORF mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Im Februar 2024 zog Lugner selbst einen Schlussstrich unter die teuren Buchungen: „Einen Megastar wie Julia Roberts werden wir uns zukünftig nun nicht mehr leisten können.“

Der Nachlass von Richard Lugner

Richard Lugner starb am 12. August 2024 im Alter von 91 Jahren in Wien. Sein Nachlass war von Beginn an kompliziert, weil das meiste, was mit seinem Namen verbunden war, ihm rechtlich gar nicht persönlich gehörte.

Was zur Erbmasse zählte und was nicht

Der ORF stellte im Oktober 2024 klar, dass der Großteil des Vermögens mitsamt der Lugner City nicht Teil des Erbes war, weil es im Eigentum der Stiftung stand und damit aus der Erbmasse ausgenommen blieb. Zur tatsächlichen Erbmasse zählte nach Darstellung der Familie das verbliebene persönliche Vermögen, also Schmuck, Kunstgegenstände und Bargeld. Größere Immobilien seien laut Testament aus der Erbschaft ausgenommen und den Begünstigten bereits vorher geschenkt worden. Aus diesem Grund liegen die Schätzung zum Vermögen und der Wert des Nachlasses weit auseinander.

Erben und Verlassenschaftsverfahren

Lugner hinterließ vier Kinder und seine Witwe Simone, die er im Juni 2024 geheiratet hatte. Beim Notartermin im Oktober 2024 traten sowohl die Witwe als auch seine Tochter Jacqueline das Erbe „bedingt“ an, also unter Vorbehalt einer Haftung für Schulden. Der Witwe steht nach österreichischem Erbrecht ein Drittel der Erbmasse zu; ihr Anwalt kündigte damals an, die offenen Punkte zu klären, das werde „länger dauern“. Auch anderthalb Jahre später war das Verfahren nicht abgeschlossen: Im Mai 2026 wies das Gericht ihren Antrag ab, den Vorstand der Privatstiftung abzubestellen, und über ein Wohnrecht in der Villa in Döbling wurde weiter gestritten. Nach Berichten österreichischer Medien standen in den Vergleichsgesprächen eine Forderung von 24 Millionen Euro und ein Angebot von drei Millionen Euro gegeneinander.

Wer die Unternehmen heute führt

Die operative Führung war testamentarisch geregelt. Nach dem Notartermin im Oktober 2024 hieß es, sie liege bei Lugners Tochter Jacqueline und dem langjährigen Manager Gerald Friede; die Anteile an der Lugner City GmbH hält überwiegend die Privatstiftung der Söhne Alexander und Andreas. Die Geschäftsführung erklärte damals, die Zukunft der Lugner City sei gesichert. Es blieb damit im Familienverbund, anders als die Immobilienbeteiligungen von René Benko.

Häufige Fragen zu Richard Lugner

Wie hoch war das Vermögen von Richard Lugner?

Wir schätzen das Vermögen von Richard Lugner zum Zeitpunkt seines Todes auf rund 80 Millionen Euro. Der Wert steckte überwiegend in Firmenanteilen und Immobilien, denen erhebliche Schulden gegenüberstanden.

Woher kam das Vermögen von Richard Lugner?

Aus dem Bau. Lugner erhielt 1962 die Baumeisterkonzession, spezialisierte sich auf Altbaurenovierung, Tankstellen und Revitalisierungen und baute daraus den größten gewerblichen Baubetrieb Wiens auf. Der langfristig wichtigste Vermögenswert war das 1990 eröffnete Einkaufszentrum Lugner City.

Was geschah mit dem Vermögen nach seinem Tod?

Der größte Teil, darunter die Lugner City, lag in zwei Privatstiftungen und fiel deshalb nicht in die Erbmasse. Geerbt wurde vor allem persönliches Vermögen wie Schmuck, Kunst und Bargeld. Die Anteile am Einkaufszentrum liegen überwiegend bei der Privatstiftung der Söhne, geführt wird es von Tochter Jacqueline Lugner und dem langjährigen Manager Gerald Friede. Das Verlassenschaftsverfahren war im Jahr 2026 noch nicht abgeschlossen, weil Witwe und Familie über den Umfang der Erbmasse und über ein Wohnrecht stritten.

Wie viel zahlte Richard Lugner für seine Opernball-Gäste?

Die kolportierten Gagen reichten von rund 35.000 Euro für Ornella Muti bis zu sechsstelligen Beträgen für Paris Hilton, Kim Kardashian und Priscilla Presley. Dazu kamen Reise, Hotel und die Loge, die 2024 rund 30.000 Euro kostete.

Bildquelle:
Martin Black