Karl Lagerfeld war einer der bekanntesten Modedesigner der Welt und über Jahrzehnte das Gesicht zweier großer Modehäuser, die ihm nie gehörten. Der gebürtige Hamburger arbeitete ab 1965 für Fendi und ab 1983 für Chanel, führte daneben ein Label unter seinem eigenen Namen und verdiente zusätzlich als Fotograf, Verleger und Lizenzgeber. Am 19. Februar 2019 starb er im Alter von 85 Jahren in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Wir schätzen das Vermögen von Karl Lagerfeld zum Zeitpunkt seines Todes auf rund 250 Millionen Euro.
Wie hoch ist das hinterlassene Vermögen von Karl Lagerfeld?
Woraus sich die Schätzung speist
Ein Teil dieses Bestandes ist inzwischen beziffert, weil er versteigert wurde. Der Rest bleibt eine Schätzung, und sie ist mit Vorsicht zu lesen: Über die Verteilung des Nachlasses wird seit Anfang 2026 vor Gericht gestritten, und die französische Finanzverwaltung erhebt eine hohe Nachforderung. Beides mindert das, was am Ende bei den Begünstigten ankommt.
Angestellter Chefdesigner, nicht Eigentümer
Der entscheidende Punkt wird in Vermögensberichten über Karl Lagerfeld regelmäßig verwechselt. Er war bei Chanel und bei Fendi Chefdesigner, also Auftragnehmer beziehungsweise Angestellter, und er hielt an keinem der beiden Häuser Anteile. Chanel gehört bis heute der Familie Wertheimer, Fendi ging 1999 an ein Konsortium aus LVMH und Prada und wird seit 2001 vom LVMH-Konzern kontrolliert.
Das ist der Grund, warum sein Vermögen in einer ganz anderen Größenordnung lag als der Wert der Häuser, für die er entwarf. Er verdiente an deren Umsätzen nur über sein Honorar. Eigentum hatte er allein an seiner eigenen Marke, und die hat er zu Lebzeiten verkauft.
Die Einnahmequellen des Modedesigners
Jahrzehnte für Chanel und Fendi
1965 kam der Vertrag, der ihn am längsten begleitete: Für das römische Haus Fendi entwarf er von da an bis zu seinem Tod, insgesamt 54 Jahre. 1983 übernahm er zusätzlich die kreative Leitung bei Chanel und behielt sie ebenfalls bis 2019, also 36 Jahre. Beide Häuser haben seine Vergütung nie veröffentlicht, und auch aus dem Nachlassverfahren sind dazu keine belastbaren Zahlen bekannt geworden. In der Presse kursierende Jahresbeträge sind Schätzungen Dritter und wurden von Chanel und Fendi zu keinem Zeitpunkt bestätigt.
Die eigene Marke und ihr Verkauf
Sein erstes eigenes Unternehmen gründete er 1974 unter dem Namen Karl Lagerfeld Impression. 1984 folgte gemeinsam mit dem französischen Textilhersteller Bidermann das Label Karl Lagerfeld, aus dem später die Linien Lagerfeld Gallery und KL by Karl Lagerfeld hervorgingen.
Im Januar 2005 verkaufte er die Markenrechte an die Tommy Hilfiger Corporation und schloss zugleich einen Fünfjahresvertrag ab, der ihn weiter für das Design verantwortlich machte. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Als der Finanzinvestor Apax Partners die Tommy Hilfiger Corporation Ende Dezember 2005 für rund 1,6 Milliarden Dollar übernahm, wechselte auch die Marke Lagerfeld den Eigentümer, und sie blieb bei Apax, als Tommy Hilfiger 2010 an PVH ging. 2011 wurde das Label neu aufgestellt.
Der bestdokumentierte Geldvorgang folgte nach seinem Tod. Der US-Bekleidungskonzern G-III Apparel Group hielt seit 2015 einen Anteil von 19 Prozent an der Muttergesellschaft und kündigte am 2. Mai 2022 an, die restlichen 81 Prozent zu übernehmen. Der Abschluss wurde am 2. Juni 2022 gemeldet, der Kaufpreis lag bei 200 Millionen Euro, umgerechnet rund 210 Millionen Dollar, in bar. Verkäufer waren eine Investorengruppe um Fred Gehring sowie Apax Partners. Seither gehört die Marke vollständig zu G-III.
Lizenzen und Kooperationen
Neben den Modehäusern verdiente Lagerfeld an einer langen Reihe befristeter Aufträge. 2004 entwarf er für Hennes & Mauritz eine günstige Kollektion und das Parfüm Liquid Karl. Er gestaltete Flaschen für Coca-Cola light, Schmuck für Swarovski, Motorradhelme und Seidenschals für Les Ateliers Ruby, einen Steiff-Teddybären in seinem eigenen Erscheinungsbild und eine Sammelfigur des Spielzeugherstellers tokidoki.
Dazu kamen Arbeiten außerhalb der Mode. Für die französische Tageszeitung Libération zeichnete er Illustrationen, für Madonna entwarf er 2004 die Bühnenkostüme der Re-Invention Tour, auch für Kylie Minogue war er tätig.
Fotografie, Verlag und Buchhandlung
Ab Mitte der 1980er Jahre fotografierte Lagerfeld die Kampagnen von Chanel selbst. Daraus entstanden über die Jahre zahlreiche Bildbände. Das Topmodel Claudia Schiffer baute er ab Ende der 1980er Jahre als Gesicht von Chanel auf, später stand unter anderem Cara Delevingne für das Haus vor seiner Kamera.
1999 eröffnete er in Paris die Buchhandlung Librairie 7L, 2001 kam der Verlag Éditions 7L dazu. Bis 2019 erschienen dort in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl rund 50 Titel. Beides war kein Massengeschäft, gehörte aber zu den Vermögenswerten, die er selbst besaß.
Immobilien und der Nachlass
Wohnsitze und Immobilien
Ein Objekt bekam später einen belegten Preis. Ein ehemals von Lagerfeld gehaltenes Anwesen in Louveciennes westlich von Paris kam am 1. Juli 2025 in einer notariellen Kerzenauktion unter den Hammer und ging für rund 4,7 Millionen Euro an einen Käufer aus Dubai.
Testament, Erben und der Streit vor Gericht
Sein Testament setzte Lagerfeld am 29. April 2016 auf, als Testamentsvollstrecker ist der Monegasse Christian Boisson benannt. Bedacht wurden nach übereinstimmenden Medienberichten Personen aus seinem beruflichen Umfeld, darunter sein langjähriger Assistent Sébastien Jondeau, die Models Baptiste Giabiconi und Brad Kroenig sowie sein Patenkind Hudson Kroenig. Seine Verwandten kommen im Testament nicht vor.
Abgeschlossen ist das Verfahren bis heute nicht. Anfang Februar 2026 wurde bekannt, dass ein Kläger die Verteilung des Nachlasses anficht; sollte das Testament fallen, könnten Nichten und Neffen Ansprüche geltend machen, weil Lagerfeld weder verheiratet war noch Kinder hatte und seine Schwestern bereits gestorben sind. Parallel läuft ein Steuerstreit: Die französische Finanzverwaltung fordert nach Berichten vom Februar 2026 bis zu 40 Millionen Euro und geht davon aus, dass sein Lebensmittelpunkt in Paris lag und nicht im steuerlich günstigen Monaco.
Zu seiner Katze Choupette ist wenig belegt: Tiere können nach französischem Recht nicht erben, die Versorgung des Tieres sollte über seine frühere Haushälterin Françoise Caçote laufen, die im Jahr 2026 öffentlich erklärte, aus dem Nachlass bis dahin nichts erhalten zu haben.
Die Versteigerung seines Besitzes
Der greifbarste Teil des Vermögens wurde bei Sotheby’s zu Geld gemacht. Im Dezember 2021 kamen die Einrichtungen seiner Wohnsitze in Monaco und Paris zur Auktion, allein die Monaco-Verkäufe brachten rund 12 Millionen Euro. Eine weitere Auktion folgte in Köln.
Über alle Teile der Serie hinweg erlöste der Nachlass rund 22,5 Millionen Euro. Den Abschluss bildete im Januar 2025 die Versteigerung der Einrichtung seines Pariser Studios. Versteigert wurden Möbel, Kunst, Bücher, Kleidung und Fahrzeuge, darunter mehrere Rolls-Royce.
Karriere und Herkunft in Zahlen
Herkunft und das umstrittene Geburtsjahr
Karl Otto Lagerfeld wurde am 10. September 1933 in Hamburg geboren und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf; sein Vater Otto Lagerfeld war Kondensmilchfabrikant und führte die Glücksklee-Milch GmbH. Das Geburtsjahr war jahrzehntelang umstritten, weil Lagerfeld selbst abweichende Jahre angab; belegt ist 1933 durch Auszüge aus dem Taufregister, die 2008 veröffentlicht wurden.
Was von der Marke geblieben ist
Die Marke Karl Lagerfeld existiert unabhängig von ihrem Namensgeber weiter und wird von G-III Apparel Group geführt. Bei der Übernahme 2022 bezifferte der Konzern den kombinierten Jahresumsatz des Geschäfts auf rund 375 Millionen Dollar, davon etwa 175 Millionen Dollar aus dem bereits zuvor selbst betriebenen Nordamerika-Geschäft.
Für einen Vergleich mit anderen Namen der Branche lohnt der Blick auf die reichsten Modedesigner der Welt. In Deutschland liegen die Vermögen von Wolfgang Joop, Guido Maria Kretschmer, Philipp Plein und Harald Glööckler auf einer anderen Ebene, und wer sehen will, was Eigentum an einem Modekonzern gegenüber einem Designervertrag bedeutet, findet das beim LVMH-Chef Bernard Arnault.
Häufige Fragen zu Karl Lagerfeld
Wie hoch war das Vermögen von Karl Lagerfeld?
Wir schätzen sein Vermögen zum Zeitpunkt seines Todes auf rund 250 Millionen Euro. Eine geprüfte Aufstellung gibt es nicht, die Schätzung stützt sich auf Honorare, den Verkauf seiner Markenrechte, Lizenzeinnahmen und den Bestand an Immobilien und Sammlungsgegenständen.
Woher stammte das Vermögen von Karl Lagerfeld?
Aus drei Quellen: aus sehr hohen Honoraren für die Arbeit als Chefdesigner bei Fendi ab 1965 und Chanel ab 1983, aus dem Verkauf seiner eigenen Markenrechte im Januar 2005 sowie aus Lizenzen, Kooperationen, Fotografie und Verlagsarbeit. Anteile an Chanel oder Fendi hielt er nie.
Was ist aus dem Vermögen von Karl Lagerfeld geworden?
Verteilt ist es bis heute nicht. Sein Testament von 2016 begünstigt Personen aus seinem beruflichen Umfeld, wird aber seit Anfang 2026 gerichtlich angefochten. Dazu kommt eine Steuerforderung der französischen Finanzverwaltung. Ein Teil des Besitzes wurde bereits versteigert und brachte rund 22,5 Millionen Euro.
Wem gehört die Marke Karl Lagerfeld?
Seit Juni 2022 gehört sie vollständig der US-Bekleidungsgruppe G-III Apparel Group. Zuvor hielt G-III seit 2015 einen Anteil von 19 Prozent und kaufte die restlichen 81 Prozent für 200 Millionen Euro von einer Investorengruppe um Fred Gehring und von Apax Partners.
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