Queen Elizabeth II. regierte das Vereinigte Königreich vom 6. Februar 1952 bis zu ihrem Tod am 8. September 2022 und war damit die am längsten amtierende Monarchin der britischen Geschichte. Ihr Name stand in der öffentlichen Wahrnehmung für Paläste, Kronjuwelen und eine der größten Kunstsammlungen der Welt. Das meiste davon gehörte ihr allerdings nie persönlich, sondern der Krone, und war an das Amt gebunden statt an die Person. Privat besaß sie Landbesitz in Norfolk und Schottland, Schmuck, Kunst, Rennpferde und eine Briefmarkensammlung. Das Vermögen von Elizabeth II. wird zum Zeitpunkt ihres Todes auf rund 425 Millionen Euro geschätzt.
Wie hoch ist das hinterlassene Vermögen von Queen Elizabeth II.?
Was privat war und was der Krone gehörte
Diese Unterscheidung ist der Kern jeder Rechnung über das Geld der britischen Monarchie, und sie wird regelmäßig verwischt. Privat waren die Anwesen Sandringham House in Norfolk und Balmoral Castle in Aberdeenshire, der persönliche Schmuck, einzelne Kunstwerke, die Rennpferde und die Briefmarkensammlung. Nicht ihr Vermögen waren dagegen der Crown Estate, die Royal Collection mit rund einer Million Objekten und die Kronjuwelen im Tower of London. Das ist Kronbesitz: Die Monarchin hielt ihn im Amt, konnte ihn nicht verkaufen und vererbte ihn nicht, sondern gab ihn mit dem Thron weiter.
Dasselbe gilt für die Wohnsitze, die die Öffentlichkeit am stärksten mit ihr verbindet. Der Buckingham Palace mit seinen 775 Zimmern und Windsor Castle standen ihr als Souveränin zur Verfügung, gehörten ihr aber nicht. Wer diese Gebäude, die Kunstsammlung und die Ländereien des Crown Estate in eine persönliche Vermögensbilanz einrechnet, kommt auf Milliardenbeträge, die mit ihrem Nachlass nichts zu tun haben.
Warum es keine belastbare Zahl zum Nachlass gibt
Eine geprüfte Summe existiert nicht. Das Testament der Königin ist versiegelt, ein Nachlassverzeichnis wurde nie veröffentlicht, und über den Wert der privaten Anwesen, des Wertpapierdepots und der Sammlungen gibt es keine amtliche Angabe. Jede Zahl zum Nachlass ist damit eine Hochrechnung von außen, auch unsere. Belastbar ist allein, woraus das Privatvermögen bestand und woraus nicht.
Die privaten Vermögenswerte der Königin
Sandringham und Balmoral
Beide Anwesen kamen über den Privatbesitz der Familie zu ihr und nicht über das Amt. Sandringham House in Norfolk umfasst rund 8.000 Hektar mit Pachthöfen, Wohnhäusern, Wald und Ackerland und wurde 1862 für den späteren Edward VII. gekauft. Balmoral Castle in Schottland geht auf einen Kauf von Prinz Albert im Jahr 1852 zurück. Elizabeth II. verbrachte dort jeden Sommer, und in Balmoral starb sie auch. Einen belastbaren Marktwert für die beiden Anwesen gibt es nicht, weil sie nie verkauft und nie öffentlich bewertet wurden. Beide gingen mit ihrem Tod an ihren Sohn.
Balmoral wurde nach dem Thronwechsel erstmals seit über 170 Jahren für Führungen durch die Innenräume geöffnet, im Sommer 2024 zunächst für sechs Wochen. Sandringham ist in Teilen seit Jahrzehnten zugänglich. Die Eintrittsgelder sind Einnahmen des Eigentümers und nicht des Staates.
Schmuck, Kunst und die Briefmarkensammlung
Beim Schmuck verläuft die Grenze mitten durch die Vitrine. Die Kronjuwelen mit der Imperial State Crown und der St Edward’s Crown sind Kronbesitz und werden im Tower of London ausgestellt. Der persönliche Schmuck dagegen, ein großer Teil davon aus dem Nachlass ihrer Großmutter Queen Mary und ihrer Mutter, war Privateigentum und vererbbar.
Ähnlich liegt der Fall bei der Royal Philatelic Collection, die George V. ab 1893 zur bedeutendsten Briefmarkensammlung des Commonwealth ausbaute und die in Hunderten von Alben im Buckingham Palace liegt. Sie gilt als privates Eigentum des Monarchen, verwaltet wird sie von der Privy Purse, dem Amt für die Privatschatulle. Wie bei allem Übrigen gilt: Ein Verkauf hat nie stattgefunden, ein Preis existiert also nicht.
Die Rennpferde
Der Rennsport war ihr einziges Geschäft mit öffentlich nachvollziehbaren Zahlen. Als Besitzerin und Züchterin schickte sie zwischen 1988 und 2022 Pferde in 3.441 Rennen in Großbritannien und gewann 566 davon. Dabei kamen rund 8,7 Millionen Pfund an Preisgeldern zusammen. Ihr größter Erfolg war 2013 der Gold Cup in Ascot mit der Stute Estimate, den zuvor kein amtierender britischer Monarch gewonnen hatte.
Der Bestand ging an König Charles III. über, rund 60 Rennpferde und 38 Zuchtstuten samt dem Gestüt in Sandringham und den königlichen Rennfarben. Im Oktober 2022 ließ er zwölf Pferde bei Tattersalls in Newmarket versteigern und verkleinerte den Rennstall damit deutlich.
Kronbesitz und Amtsfinanzierung: das Geld, das ihr nicht gehörte
Crown Estate und Sovereign Grant
Der Crown Estate ist ein Immobilien- und Landbesitz, der der Krone zusteht und vom Monarchen nicht verkauft werden kann. Seine Gewinne gehen an das britische Finanzministerium, im Geschäftsjahr 2023/24 waren es 1,1 Milliarden Pfund. Aus einem Anteil daran wird der Sovereign Grant berechnet, die staatliche Zuwendung für die Amtsgeschäfte, die Reisen, den Hofstaat und die Instandhaltung der Palastanlagen bezahlt. Für das Rechnungsjahr 2025/26 lag der Sovereign Grant bei 132,1 Millionen Pfund.
Dieses Geld war auch bei Elizabeth II. kein Gehalt. Es finanziert einen Betrieb mit mehreren hundert Beschäftigten, und ein erheblicher Teil fließt in die Grundinstandsetzung des Buckingham Palace, für die ein Programm mit einem Volumen von 369 Millionen Pfund aufgesetzt wurde. Wie sich Zuwendungen, Herzogtümer und Privatvermögen in der Familie zueinander verhalten, steht in unserem Überblick zu den Finanzen der britischen Royals.
Das Herzogtum Lancaster
Für die privaten Ausgaben stand der Königin das Duchy of Lancaster zur Verfügung, ein Grund- und Immobilienbesitz, der dem jeweiligen Souverän ein Einkommen verschafft. Daraus zahlte sie unter anderem, was nicht zum Amt gehörte, von den Pferden bis zu den Hunden. Der Überschuss des Herzogtums lag im Geschäftsjahr 2025/26 bei 25,2 Millionen Pfund und gilt als Einkünfte des Königs. Das Duchy of Cornwall wiederum finanziert den Thronfolger und ging beim Thronwechsel an Prinz William.
Steuern
Die Monarchin war gesetzlich nicht zur Einkommensteuer verpflichtet. Nach der öffentlichen Debatte um die Kosten der Monarchie erklärte sie sich 1992 bereit, Einkommen- und Kapitalertragsteuer freiwillig zu zahlen. Die Einzelheiten regelt seither das Memorandum of Understanding on Royal Taxation von 1993, das mehrfach neu gefasst wurde. König Charles III. hat erklärt, die Regelung auf derselben Grundlage fortzuführen.
Wie das Erbe an König Charles III. überging
Erbschaftsteuerfrei von Souveränin zu Souverän
Das Privatvermögen ging nahezu vollständig an den ältesten Sohn, also an König Charles III., und zwar ohne Erbschaftsteuer. Grundlage ist dieselbe Vereinbarung von 1993: Vermögen, das von einem Souverän an den nachfolgenden Souverän übergeht, ist von der Erbschaftsteuer ausgenommen. Begründet wurde das damals damit, dass sonst der private Rückhalt der Monarchie über wenige Generationen aufgezehrt würde.
Angewandt wurde die Ausnahme erstmals 2002, als die Queen Mother ihrer Tochter Kunst, Antiquitäten und Rennpferde im Wert von etwa 50 Millionen Pfund hinterließ und dadurch rund 20 Millionen Pfund Erbschaftsteuer nicht anfielen. 2022 wirkte dieselbe Regel im großen Maßstab, was in Großbritannien eine Debatte auslöste, weil der normale Erbschaftsteuersatz bei 40 Prozent liegt. Andere Familienmitglieder profitieren davon nicht: Für Prinz Harry und seine Frau Meghan Markle gilt das gewöhnliche Steuerrecht ihres Wohnsitzlandes.
Das versiegelte Testament
Das Testament der Königin wurde nicht eröffnet, sondern versiegelt und verwahrt. Das ist in Großbritannien bei königlichen Testamenten üblich und geht auf das Jahr 1910 zurück, als erstmals ein Testament der Familie auf Antrag unter Verschluss kam. Beim Testament von Prinz Philip legte der zuständige Richter Sir Andrew McFarlane 2021 eine Frist von 90 Jahren fest und veröffentlichte seine Begründung, was zuvor nie geschehen war. Mehr als 30 solcher Verfügungen liegen an einem nicht genannten Ort in London.
Für die Frage nach dem Erbe heißt das: Wer welchen Gegenstand bekam, welche Summen an die übrigen Kinder und an die Enkel gingen und wie hoch das Wertpapierdepot war, ist nicht bekannt und wird es zu Lebzeiten der Beteiligten nicht werden. Belegt ist allein der Übergang des Privatvermögens an den Nachfolger im Amt.
Was seit ihrem Tod bekannt wurde
Einiges ist seither sichtbar geworden. Sandringham und Balmoral werden von König Charles III. als Eigentümer geführt, Balmoral mit erweitertem Besuchsbetrieb. Der Rennstall wurde verkleinert, das Gestüt zurückgefahren, die Briefmarkensammlung blieb ungeteilt beim Monarchen. Das Vermögen von König Charles III. führen wir mit rund 790 Millionen Euro und damit deutlich über dem Nachlass seiner Mutter, weil er vor dem Erbe schon 70 Jahre lang Einkünfte aus dem Duchy of Cornwall bezogen hatte.
Elizabeth II. heiratete 1947 Philip, Duke of Edinburgh, der am 9. April 2021 im Alter von 99 Jahren starb; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Ihre Krönung am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey war die erste, die im Fernsehen übertragen wurde. Staatsoberhaupt war sie außer im Vereinigten Königreich in mehreren weiteren Commonwealth-Staaten, deren Zahl in ihrer Amtszeit sank, unter anderem weil Barbados 2021 zur Republik wurde.
Häufige Fragen zu Queen Elizabeth II.
Wie hoch war das Vermögen von Queen Elizabeth II.?
Zum Zeitpunkt ihres Todes am 8. September 2022 schätzen wir das Vermögen der Königin auf rund 425 Millionen Euro. Eine geprüfte Summe gibt es nicht, weil das Testament versiegelt ist und kein Nachlassverzeichnis veröffentlicht wurde.
Was gehörte zum Privatvermögen der Königin und was nicht?
Privat waren Sandringham House, Balmoral Castle, der persönliche Schmuck, einzelne Kunstwerke, die Rennpferde, das Wertpapierdepot und die Briefmarkensammlung. Nicht zu ihrem Vermögen zählten der Crown Estate, die Royal Collection, die Kronjuwelen sowie der Buckingham Palace und Windsor Castle. Dieser Kronbesitz ist an das Amt gebunden und wird nicht vererbt.
Wer erbte das Vermögen von Queen Elizabeth II.?
Das Privatvermögen ging nahezu vollständig an ihren ältesten Sohn, König Charles III., der ihr auch im Amt nachfolgte. Sandringham, Balmoral, der Rennstall und die Sammlungen sind seither seinem Besitz zuzurechnen.
Musste König Charles III. Erbschaftsteuer auf das Erbe zahlen?
Nein. Nach dem Memorandum of Understanding on Royal Taxation von 1993 sind Übertragungen von einem Souverän an den nachfolgenden Souverän von der Erbschaftsteuer ausgenommen. Der gewöhnliche britische Erbschaftsteuersatz von 40 Prozent kam damit nicht zur Anwendung.
Warum ist das Testament der Königin nicht öffentlich?
Königliche Testamente werden in Großbritannien seit 1910 auf Antrag versiegelt und nicht wie sonst üblich beim Nachlassgericht einsehbar gemacht. Beim Testament von Prinz Philip setzte ein Richter 2021 eine Frist von 90 Jahren, für das Testament der Königin gilt dieselbe Praxis.
Woher kamen die Einkünfte der Königin?
Für die Amtsgeschäfte stand der Sovereign Grant zur Verfügung, der aus einem Anteil an den Gewinnen des Crown Estate berechnet wird und kein persönliches Einkommen ist. Ihre privaten Einkünfte stammten aus dem Duchy of Lancaster, aus dem Wertpapierdepot und aus der Bewirtschaftung der beiden Anwesen. Einzelheiten dazu stehen in unserem Überblick zu den Finanzen der britischen Royals sowie im Artikel zum Vermögen von Prinz William.
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