Phil Mickelson hat auf der PGA Tour mehr Preisgeld gewonnen als fast jeder andere Spieler der Geschichte. Trotzdem stammt der größte Einzelposten seiner Bilanz nicht aus dem Golfsport im engeren Sinn, sondern aus dem Wechsel zu einer Serie, die es 2021 noch gar nicht gab. Wir schätzen das Vermögen von Phil Mickelson auf rund 300 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Phil Mickelson?
Woraus sich die Schätzung speist
Gegenzurechnen sind zwei Posten, die bei kaum einem anderen Spitzensportler in dieser Größe auftauchen: der Verlust mehrerer langjähriger Werbepartner innerhalb weniger Wochen und Glücksspielverluste, über die er selbst gesprochen hat.
Das Preisgeld ist der einzige harte Wert. Die PGA Tour weist für ihn 94,96 Millionen US-Dollar aus, womit er zu den drei bestverdienenden Spielern der Tourgeschichte gehört.
Der Posten, der alles andere überlagert
Im Jahr 2022 war Mickelson nach einer Aufstellung des Magazins Forbes mit 138 Millionen US-Dollar der bestbezahlte Sportler der Welt, vor sämtlichen Fußballern und Basketballspielern.
Diese Summe hat nichts mit Golfergebnissen zu tun. Sie kam zustande, weil er als prominentestes Gesicht für den Aufbau einer neuen Turnierserie gebraucht wurde und dafür vorab bezahlt wurde. Ein einziges Jahr brachte ihm damit mehr als sein gesamtes Preisgeld aus mehreren Jahren zusammen.
Denselben Mechanismus kennt man aus dem Fußball, wo Cristiano Ronaldo für den Wechsel nach Saudi-Arabien ein Vielfaches dessen bekam, was europäische Vereine zahlen konnten. Das Geld kommt in beiden Fällen aus derselben Quelle.
Die Karriere in Preisgeldern
Was die PGA Tour ausweist
Mit 94,96 Millionen US-Dollar steht er in der ewigen Geldrangliste der Tour hinter Tiger Woods und einem weiteren Spieler auf Rang drei. Über dreißig Jahre gerechnet sind das im Schnitt gut drei Millionen US-Dollar im Jahr, nur eben extrem ungleich verteilt.
Das ist der Punkt, an dem Golf sich von Mannschaftssportarten unterscheidet. Es gibt kein Grundgehalt. Wer den Cut verpasst, verdient an diesem Wochenende nichts, und das gilt für einen Major-Sieger genauso wie für einen Neuling.
Deshalb ist die Rangliste auch keine Rangliste der besten Spieler, sondern eine der beständigsten. Wie unterschiedlich sich das auswirkt, zeigen die Artikel zu Bernhard Langer und Martin Kaymer.
Denselben Effekt gibt es im Tennis, wo ebenfalls jede Runde einzeln bezahlt wird und eine lange Verletzungspause direkt auf die Karrierebilanz durchschlägt, wie der Artikel zu Alexander Zverev zeigt.
Die sechs Majors
- Masters 2004
- PGA Championship 2005
- Masters 2006
- Masters 2010
- The Open 2013
- PGA Championship 2021
Der letzte ist der bemerkenswerteste. Mit fünfzig Jahren wurde er im Mai 2021 zum ältesten Major-Sieger der Geschichte, der Siegerscheck lag bei 2,16 Millionen US-Dollar aus einem Preisgeldtopf von zwölf Millionen.
Wirtschaftlich war dieser Sieg der Türöffner für alles, was danach kam. Ein Spieler, der mit fünfzig noch ein Major gewinnt, ist als Werbefigur plötzlich wieder etwas wert, und er verhandelt aus einer völlig anderen Position. Der Wechsel zur neuen Serie folgte ein Jahr später.
Der Wechsel zu LIV Golf
Was berichtet wird und was belegt ist
Im Juni 2022 spielte er das erste Turnier der neuen Serie bei London. Ab diesem Sommer 2022 wird über sein Antrittsgeld eine Zahl von rund 200 Millionen US-Dollar berichtet.
Diese Zahl ist nicht bestätigt. Kein Vertrag wurde veröffentlicht, und die Berichte selbst formulieren sie als Schätzung. Sie stammt aus dem Umfeld einer unautorisierten Biografie und wurde von dort weitergereicht. Belegt ist dagegen die Forbes-Aufstellung für 2022, und die passt zur Größenordnung.
Was sich ebenfalls belegen lässt, sind die Preisgelder: In der ersten LIV-Saison kamen 1.825.350 US-Dollar zusammen, davon gut 1,5 Millionen als Einzelspieler und der Rest aus der Teamwertung.
Was der Wechsel gekostet hat
Innerhalb weniger Wochen im Frühjahr 2022 verlor er mehrere Partner, mit denen er teils fast zwei Jahrzehnte zusammengearbeitet hatte:
- KPMG, Partner seit 2008, Trennung im Februar 2022 im gegenseitigen Einvernehmen
- Amstel Light, Beendigung im Februar 2022
- Workday, keine Verlängerung des im März 2022 auslaufenden Vertrags
- Callaway, sein Schlägerhersteller und Partner seit 2004, zunächst Pause ab Februar 2022, endgültige Trennung von ihm selbst im Januar 2024 bekanntgegeben
Vertragswerte sind zu keinem dieser Verträge veröffentlicht. Die Größenordnung lässt sich trotzdem einordnen: Ein Golfer dieser Klasse verdiente vor dem Wechsel jahrelang deutlich mehr an Werbung als an Preisgeldern.
Der Tausch war damit klar kalkuliert. Er gab ein über zwanzig Jahre gewachsenes Portfolio an Werbepartnern auf und bekam dafür eine einmalige Zahlung, die höher lag als alles, was diese Partner in der verbleibenden Karriere noch gebracht hätten. Bei einem Zweiunddreißigjährigen wäre diese Rechnung nicht aufgegangen, bei einem Einundfünfzigjährigen schon.
Genau darin liegt der Unterschied zu Martin Kaymer, der zur selben Zeit dieselbe Serie wählte. Kaymer hatte kein vergleichbares Portfolio zu verlieren, bekam dafür aber auch kein bezifferbares Antrittsgeld. Wer viel aufgibt, bekommt viel, und wer wenig aufgibt, bekommt wenig.
Wo er sportlich steht
Sportlich ist von der Karriere wenig übrig. In der Saison 2026 trat er nur bei einem einzigen Turnier an, mehrere Starts sagte er ab, und in seinem Team rückte ein anderer Spieler nach.
Für die Vermögensfrage ist das weniger dramatisch, als es klingt, und darin liegt der eigentliche Reiz seines Modells. Ein Spieler, der vorab bezahlt wurde, verdient auch dann, wenn er nicht spielt. Ein Spieler mit klassischem Turnierkalender verdient nur, wenn er den Cut schafft. Beide heißen Profigolfer, wirtschaftlich haben sie nichts miteinander zu tun.
Das Glücksspiel
Ein früherer Wettpartner veröffentlichte im August 2023 ein Buch, in dem er Mickelson über drei Jahrzehnte Einsätze von über einer Milliarde US-Dollar und Verluste von rund 100 Millionen zuschreibt. Das ist die Darstellung eines Dritten und kein festgestellter Sachverhalt. Eine dort geschilderte Wette auf ein Turnier hat Mickelson ausdrücklich bestritten.
Für die Vermögensfrage zählt der belegte Teil, und der ist eindeutig genug: Ein neunstelliger Betrag an Verlusten würde erklären, warum die Bilanz eines Spielers mit diesen Einnahmen nicht noch deutlich höher ausfällt. Dass ein Spitzenverdiener trotz enormer Einnahmen in Schwierigkeiten geraten kann, zeigt im deutschen Sport der Artikel zu Boris Becker. Weitere Beispiele stehen in der Übersicht der reichsten Sportler.
Häufige Fragen zum Vermögen von Phil Mickelson
Wie hoch ist das Vermögen von Phil Mickelson?
Wir schätzen es auf rund 300 Millionen Euro. Grundlage sind das Karriere-Preisgeld, drei Jahrzehnte Werbeverträge und das Paket, mit dem ihn LIV Golf 2022 verpflichtete.
Wie viel Preisgeld hat er gewonnen?
Auf der PGA Tour 94,96 Millionen US-Dollar. Damit steht er auf Rang drei der ewigen Geldrangliste dieser Tour. Dazu kommen die Preisgelder bei LIV Golf, die in der ersten Saison bei 1.825.350 US-Dollar lagen.
Was hat er für den Wechsel zu LIV Golf bekommen?
Berichtet werden rund 200 Millionen US-Dollar, bestätigt ist die Zahl nicht. Belegt ist dagegen, dass er 2022 nach einer Forbes-Aufstellung mit 138 Millionen US-Dollar der bestbezahlte Sportler der Welt war.
Welche Sponsoren hat er verloren?
Im Frühjahr 2022 beendeten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die Biermarke Amstel Light und der Softwarekonzern Workday die Zusammenarbeit. Sein Schlägerhersteller Callaway pausierte zunächst, die endgültige Trennung machte Mickelson im Januar 2024 selbst öffentlich.
Wie viele Majors hat Phil Mickelson gewonnen?
Sechs, zuletzt die PGA Championship im Mai 2021. Mit fünfzig Jahren war er damit der älteste Major-Sieger der Geschichte.
Wie viel hat er mit Glücksspiel verloren?
Ein früherer Wettpartner schreibt ihm in einem Buch von August 2023 Verluste von rund 100 Millionen US-Dollar zu. Mickelson selbst hat eine Abhängigkeit eingeräumt, ohne eine Summe zu nennen, und eine dort geschilderte Wette bestritten.
Bildquellen:
Titelbild: isogood / Bigstock.com
dleindec / Bigstock.com