Milliarden Euro
Kapital der Handelsgesellschaft 1527rund 2 Millionen Rheinische Gulden
Persönlicher Anteil am Firmenvermögen 1527667.790 Rheinische Gulden
Geschätzter Anteil an der Wirtschaftsleistung Europasrund 2 Prozent
Geburtsdatum06. März 1459
Geboren inAugsburg, Deutschland
NationalitätDeutschland
Todesdatum30. Dezember 1525 († 66 Jahre)
Verstorben inAugsburg, Deutschland
Familienstandverheiratet mit Sibylla Artzt (seit 1498)
BerufKaufherr, Bergwerksunternehmer, Bankier
Voller NameJakob Fugger von der Lilie
SpitznameJakob Fugger der Reiche

Jakob Fugger war Kaufherr, Bergwerksunternehmer und Bankier in Augsburg und gilt als der reichste Mensch, der je gelebt hat. Sein Handelshaus verband Bergbau, Fernhandel und Kredite an Fürsten. Wie groß dieses Vermögen war, lässt sich für das frühe 16. Jahrhundert aus Geschäftsbüchern belegen. Wie groß es nach heutigen Maßstäben ausfällt, hängt dagegen davon ab, mit welcher Methode gerechnet wird. Wir schätzen das Vermögen von Jakob Fugger, umgerechnet auf heutige Verhältnisse, auf rund 358 Milliarden Euro.

Wie hoch ist das hinterlassene Vermögen von Jakob Fugger?

Die Zahl in unserem Steckbrief beruht auf Fuggers Anteil an der Wirtschaftsleistung seiner Zeit, nicht auf einer Preisrechnung. Nach unserer Schätzung kommt Jakob Fugger damit auf rund 358 Milliarden Euro. Damit stünde er vor jedem Namen in den Ranglisten der reichsten Menschen der Welt. Auch Mansa Musa, der König von Mali, bleibt mit 325 Milliarden Euro dahinter, und die Familie Rothschild erreichte keinen vergleichbaren Anteil an der Wirtschaft ihrer Zeit.

Was in den Geschäftsbüchern der Fugger steht

Einkommen von Jakob Fugger Für einen Menschen des 16. Jahrhunderts ist der Vermögensstand gut dokumentiert, weil die Abrechnungen der Firma erhalten sind. Im Gesellschaftsvertrag der Brüder von 1494 stand Jakobs Einlage mit 15.552 Gulden. Nach dem Tod seines Bruders Ulrich wurde 1511 abgerechnet: Vom Handelskapital von 196.791 Gulden entfielen 80.999 Gulden auf Jakob und der Rest auf vier Neffen.

Die zweite große Abrechnung ist das Inventar von 1527, das sein Neffe und Nachfolger Anton nach Jakobs Tod aufstellte. Es umfasst sechs Geschäftsjahre, weist für die Firma einen Gewinn von 2,1 Millionen Gulden aus und schreibt Jakob samt Kapitalanteil 809.825 Gulden zu. Nach privaten Entnahmen von 142.035 Gulden stand sein Anteil am Firmenvermögen mit 667.790 Gulden zu Buche, das Kapital der Gesellschaft war auf rund zwei Millionen Gulden angewachsen.

Warum die Umrechnung auf heute weit auseinandergeht

Ab hier hört der Beleg auf und die Methode fängt an. Der Wirtschaftshistoriker Hermann Kellenbenz hat drei Wege beschrieben, einen Guldenbetrag mit heutigem Geld vergleichbar zu machen, ein vierter ist über die Vermögensranglisten dazugekommen. Alle vier führen in völlig verschiedene Größenordnungen.

Der erste Weg geht über den Goldgehalt der Münze. Ein Rheinischer Gulden enthielt um 1520 etwa 2,5 Gramm Gold, das Firmenkapital entspricht damit rund 5.000 Kilogramm Gold und Jakobs persönlicher Anteil rund 1.670 Kilogramm. Das ist die härteste der vier Rechnungen, weil eine Goldmenge physikalisch feststeht. Sie fällt aber mit Abstand am kleinsten aus und wandert mit dem Goldpreis, ist also selbst keine feste Größe.

Der zweite Weg geht über Löhne. Ein zünftiger Handwerker verdiente um 1520 etwa 50 Gulden im Jahr, für Jakobs Anteil hätten damals rund 1.300 davon zehn Jahre arbeiten müssen. Mit heutigen Löhnen gerechnet genügt ein Bruchteil dieser Zahl an Personen. Genau daran zeigt sich, was die Methode misst: das Lohnniveau, nicht das Vermögen.

Der dritte Weg ist der Preisvergleich über einen Warenkorb, und Kellenbenz hielt ihn selbst für den unbrauchbarsten der drei. Ein Gulden kaufte Getreide, Tuch, Pferde und Arbeitszeit, aber keinen Strom, keine Medikamente und keine Maschinen. Zwei Warenkörbe, die sich kaum überschneiden, lassen sich nicht sinnvoll ineinander umrechnen.

Der vierte Weg ist der, auf dem die großen Zahlen entstehen, und er misst etwas anderes als Kaufkraft: Er setzt ein Vermögen ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung seiner Zeit und überträgt diesen Anteil auf die heutige Wirtschaft. Fuggers Vermögen entsprach rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung Europas, bezogen allein auf das Heilige Römische Reich fallen die Schätzungen höher aus. John D. Rockefeller hielt bei seinem Tod 1937 rund anderthalb Prozent der Wirtschaftsleistung der USA, das Vermögen von Bill Gates mit 96,3 Milliarden Euro und das von Jeff Bezos mit 199,74 Milliarden Euro bleibt jeweils unter einem Prozent.

Wer zwei Prozent auf die heutige Wirtschaft überträgt, landet zwangsläufig bei einer dreistelligen Milliardensumme, wer über den Goldgehalt rechnet, mehr als drei Größenordnungen darunter. Beide Rechnungen sind in sich richtig, sie beantworten nur verschiedene Fragen. Eine Zahl ohne die Angabe, welche Methode dahintersteht, sagt deshalb nichts.

Woher das Geld der Fugger kam

Das Handelshaus war kein Bankhaus mit einem einzigen Geschäft, sondern ein Mischkonzern mit vier Säulen: Fernhandel, Bergbau, Kreditgeschäft und die dezentral organisierte Textilproduktion, damals Verlag genannt. Erfolgreich war Fugger, weil er sie verzahnte.

Bergbau in Tirol und den Karpaten

Den Grundstein legte der Baumwollhandel mit Italien, den schon der Vater betrieb, reich wurde die Familie dann mit Metall. Die Fugger hielten Erzgruben im Karpatenbogen, im Erzgebirge und in den Alpen, dazu ein europäisches Monopol auf Alaun und Quecksilber, und zeitweise kontrollierten sie den europäischen Kupfermarkt.

Das Muster dahinter erklärt, warum Bergbau und Bankgeschäft bei den Fuggern dieselbe Sache waren: Die Firma gab einem Landesherrn Kredit und nahm dessen Bergwerkserträge als Sicherheit. Das Silber aus Tirol und das Kupfer aus Oberungarn kamen deshalb nicht als Zinsen zurück, sondern als Ware, die die Fugger selbst verkauften und an jeder Stufe verdienten.

Fernhandel und die Geschäfte mit Rom

Sein Handwerk lernte Jakob als Jugendlicher in Venedig, und ab 1487 hielt er das Zepter im Familienunternehmen faktisch selbst in der Hand. Die Faktoreien reichten von Antwerpen bis Rom, wo die Firma eine Außenstelle unterhielt und zeitweise die päpstliche Münze gepachtet hatte.

Von Rom aus lief auch die Geldabwicklung des Ablasshandels über die Fugger, einschließlich des Ablasses für den Bau der Peterskirche. Für das Firmenergebnis war dieser Zahlungsverkehr ohne Bedeutung, historisch ist er der Grund für Fuggers Rolle in der Reformation.

Nicht jede Wette ging auf. An einer spanischen Expedition zu den Molukken beteiligte sich die Firma 1525 mit dem Löwenanteil, Jakobs Einlage machte 10.000 Dukaten aus, und keines der sieben Schiffe kehrte zurück. Überseegeschäfte mied die Firma danach.

Der Kaisermacher und seine Kredite

Was Fugger von jedem anderen Kaufmann seiner Zeit unterscheidet, steckte nicht in Waren, sondern in Forderungen an Fürsten. Ein Fürst ist als Schuldner schlecht zu verklagen, das Geschäft war also so riskant wie rentabel.

Maximilian I. und der Aufstieg zum Hofbankier

Reichster Mensch Jakob Fugger Schon vor Jakob hatte die Familie Kaiser Maximilian I. Geld vorgestreckt, der sich als Kaiser mit beständiger Protektion revanchierte. Maximilian hielt sich so oft in Augsburg auf, dass ihm der Beiname Bürgermeister von Augsburg angehängt wurde, stieg in den Fuggerhäusern am Weinmarkt ab und speiste bei seinen Geldgebern. Gegenleistung waren Privilegien, Bergwerksrechte und politischer Schutz.

Die Kaiserwahl Karls V. und ihr Preis

Die Krone des Heiligen Römischen Reiches war ein Wahlamt. 1519 bewarben sich neben Karl von Spanien auch Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England, und entschieden wurde die Wahl mit Geld: Rund 852.000 Gulden gingen an die sieben Kurfürsten. Etwa 540.000 Gulden davon, also zwei Drittel, finanzierte Jakob Fugger, den Rest brachten die Augsburger Welser und italienische Banken auf.

Die Forschung nennt diese Zahlungen lieber Wahlgelder als Bestechung, weil die Zeit fürstlichen Privathaushalt und Staatshaushalt nicht trennte und das Geld bei den Empfängern in Rüstung, Diplomatie und Verwaltung wanderte. Als Sicherheit nahm Fugger spanische Salz-, Kupfer- und Goldbergwerke, die Karl ihm 1521 auf dem Reichstag zu Worms für 400.000 Gulden übertrug. Mit 200.000 Gulden nebst acht Prozent Zinsen blieb der Kaiser weiter in der Schuld.

Was vom Vermögen der Fugger geblieben ist

Ein Teil des Fuggerschen Vermögens ist erhalten und wird von einer Stiftung verwaltet.

Die Fuggerei und ihre Jahresmiete

Am 23. August 1521 stiftete Jakob Fugger in Augsburg eine Wohnsiedlung für bedürftige Bürger. Im Stiftungsbrief setzte er die Jahresmiete auf einen Rheinischen Gulden fest, dazu drei tägliche Gebete für die Stifterfamilie. Die Fuggerei gilt als älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt, mit mehr als sechzig Häusern, rund 140 Wohnungen und eigener Kirche. Die Miete ist seit dem Stiftungsbrief nicht angehoben worden: Aus dem einen Gulden sind 88 Cent im Jahr geworden, und die drei Gebete gehören weiterhin zu den Bedingungen.

Ein Erbe ohne eigene Kinder

Jakob Fugger heiratete spät, 1498, die deutlich jüngere Sibylla Artzt aus einer Augsburger Patrizierfamilie. Die Ehe blieb kinderlos, das Erbe traten deshalb seine Neffen an. Das Unternehmen führte Anton Fugger weiter, und erst mit dessen Tod 1560 endete, was die Wirtschaftsgeschichte das Zeitalter der Fugger nennt.

Der Vergleich mit heutigen Vermögen

Elon Musk, Bernard Arnault oder Warren Buffett halten Anteile an börsennotierten Konzernen, deren Wert sich jeden Handelstag ablesen lässt. Fuggers Vermögen steckte in Gruben, Warenlagern, Forderungen an Fürsten und in Privilegien, und ein großer Teil davon war illiquide oder hing an politischem Wohlwollen. Auch unter den reichsten Deutschen wäre er deshalb schwer einzuordnen: Die Vergleichbarkeit endet dort, wo die Vermögensarten auseinandergehen.

Häufige Fragen zu Jakob Fugger

Wie hoch war das Vermögen von Jakob Fugger?

Wir schätzen sein Vermögen, umgerechnet auf heutige Verhältnisse, auf rund 358 Milliarden Euro. Die Zahl entsteht über seinen Anteil an der Wirtschaftsleistung seiner Zeit.

Woher kam das Vermögen von Jakob Fugger?

Aus vier verzahnten Geschäften: Bergbau in den Alpen und den Karpaten, Fernhandel, Textilverlag und Kredite an Fürsten, vor allem an die Habsburger. Metall und Kredit hingen zusammen, weil die Firma Bergwerkserträge als Sicherheit nahm.

Wie wird ein Vermögen aus dem 16. Jahrhundert auf heute umgerechnet?

Es gibt vier Wege: über den Goldgehalt der Münze, über Handwerkerlöhne, über einen Preisvergleich und über den Anteil an der Wirtschaftsleistung. Der Goldweg ergibt die kleinste Summe, der Wirtschaftsanteil die größte.

War Jakob Fugger reicher als Mansa Musa?

Nach unserer Schätzung ja, Mansa Musa kommt auf 325 Milliarden Euro. Beide Werte beruhen auf derselben Umrechnung, und mit einer anderen Bezugsgröße kann sich die Reihenfolge umdrehen.

Was hat Jakob Fugger mit der Fuggerei gestiftet?

Er stiftete 1521 in Augsburg eine Wohnsiedlung für bedürftige Bürger und setzte die Jahresmiete auf einen Rheinischen Gulden fest. Die Siedlung besteht noch, die Miete entspricht 88 Cent im Jahr.

Bildquellen:
gemeinfrei via Wikimedia Commons