Milliarden Euro
HaftortADX Florence, Colorado (USA)
Geburtsdatum04. April 1957 (69 Jahre alt)
Geboren inLa Tuna, Municipio Badiraguato, Sinaloa, Mexiko
NationalitätMexiko
Familienstandverheiratet mit Emma Coronel Aispuro
BerufEhemaliger Anführer des Sinaloa-Kartells
Voller NameJoaquín Guzmán Loera
SpitznameEl Chapo

Joaquín Guzmán Loera, bekannt als El Chapo, führte über Jahre das mexikanische Sinaloa-Kartell und wurde in den USA verurteilt. Sein Geld kam aus dem Handel mit Kokain, Marihuana, Methamphetamin und Heroin nach Nordamerika, also aus einem Geschäft, das keine Bücher führt. Wie viel davon geblieben ist, lässt sich nicht beziffern, denn für Erlöse aus dem Drogenhandel gibt es kein Register, keine Bilanz und keine Offenlegungspflicht. Die einzige amtliche Zahl zu seinem Geld ist eine Einziehungsanordnung eines US-Bundesgerichts, und die beschreibt nicht, was er besitzt, sondern was die Anklage als Einnahmen des Kartells berechnet hat.

Wie hoch ist das Vermögen von El Chapo?

Das Vermögen von El Chapo

Eine belastbare Vermögenszahl lässt sich für Joaquín Guzmán Loera nicht angeben. Das ist bei diesem Fall die eigentliche Auskunft. Vermögen wird dort sichtbar, wo es Firmenanteile, Jahresabschlüsse, Grundbücher, Depots und Offenlegungspflichten gibt. Beim Sinaloa-Kartell fehlte all das, und die einzige große Zahl, die aus dem Verfahren stammt, ist eine Rechnung aus Drogenmengen und Preisen.

Warum eine Schätzung hier etwas anderes ist als bei einem Unternehmer

Bei einem Unternehmer hängt eine Vermögensschätzung an Beteiligungen, deren Wert sich aus Börsenkursen, Jahresabschlüssen oder Kaufpreisen vergleichbarer Firmen ableiten lässt. Bei Sportlern und Schauspielern gibt es Verträge, Preisgelder und Gagen, von denen ein Teil öffentlich wird. Bei Erlösen aus dem Drogenhandel fehlt jeder dieser Anker. Vergleichbar schwierig ist jede Schätzung, für die es keine Offenlegung gibt, etwa beim Vermögen von Kim Jong-un, oder bei historischen Fällen wie dem von Mansa Musa, dessen Reichtum nur über Chronisten überliefert ist.

Hinzu kommt, dass solche Einnahmen in großem Umfang wieder abfließen, nämlich in Schutz und Bestechung, in Verluste durch Beschlagnahmen und in Bargeldbestände, die niemand zählt. Allein die im Prozess vorgelegten Sicherstellungen umfassten mehr als 130.000 Kilogramm Kokain und Heroin, also Ware, die nie zu Geld wurde.

Die Forbes-Listung und ihr Ende

Forbes nahm Guzmán 2009 in die Milliardärsliste auf und führte als Tätigkeit „Shipping“. Mexikos Generalstaatsanwalt nannte die Berechnung damals öffentlich Spekulation. Im März 2013 strich Forbes ihn wieder von der Liste und begründete das ausführlich: Sein Aufenthaltsort sei unbekannt, das Magazin habe ihn zur Prüfung der Zahlen nicht erreichen können, und ein wachsender Teil seines Geldes gehe für den Schutz seiner Person und seiner Familie weg. Er sei nicht länger jemand, den man mit ausreichender Sicherheit einen Milliardär nennen könne. 2014 verschwand er auch aus der Liste der mächtigsten Menschen.

Die mexikanische Liste jenes Jahres führte wie gewohnt Carlos Slim an, dessen Beteiligungen sich anders als ein Kartell in Geschäftsberichten nachlesen lassen. In der heutigen Liste der reichsten Menschen der Welt kommt Guzmán nicht mehr vor.

Das Urteil, die Einziehung und die Haft

Schuldspruch und Strafmaß

Verdienst von El Chapo und dem Sinaloa Kartell Das Bundesgericht für den östlichen Bezirk von New York in Brooklyn sprach Guzmán am 12. Februar 2019 nach dreimonatigem Prozess in allen zehn Anklagepunkten schuldig, darunter Drogenhandel, Waffengebrauch zur Förderung der Drogengeschäfte und Verabredung zur Geldwäsche. Am 17. Juli 2019 verhängte Richter Brian M. Cogan lebenslange Haft plus 30 Jahre und ordnete die Einziehung von 12,6 Milliarden US-Dollar an. Das Bundesberufungsgericht des zweiten Bezirks bestätigte den Schuldspruch am 25. Januar 2022 und wies sämtliche Rügen der Verteidigung zurück. Über diese Taten ist damit entschieden.

Wie die Einziehungssumme berechnet wurde

Die 12,6 Milliarden US-Dollar sind keine aufgefundene Summe. Die Staatsanwaltschaft leitete sie aus den im Prozess festgestellten Drogenmengen ab, multipliziert mit Durchschnittspreisen, und bezeichnete das Ergebnis selbst als konservativ gerechnet. Eine Einziehung dieser Art ist ein Geldurteil: Das Gericht muss nicht feststellen, dass der Betrag vorhanden ist, sondern dass er aus den Taten stammt. Am Ende des Verfahrens steht deshalb eine Zahl, die wie eine Vermögensbilanz aussieht und keine ist. Genau darin liegt der Grund, warum in Berichten über El Chapo Milliardenbeträge auftauchen, denen kein Konto und kein Grundstück zugeordnet ist.

Was davon vollstreckt wurde

Ein Gegenwert in dieser Höhe ist nie öffentlich ausgewiesen worden. Die Verteidigung nannte die Forderung vor der Strafzumessung ein akademisches Unterfangen, weil die Ermittler keinen Cent dieser Summe lokalisiert hätten. Greifbar wurde vor allem Sachvermögen in Mexiko: Ein Haus in Culiacán, in dem sich Guzmán 2014 durch einen Tunnel unter der Badewanne einem Zugriff der Sicherheitskräfte entzog, ging an die staatliche Vermögensverwaltung und wurde am 15. September 2021 über die Nationallotterie verlost.

In Washington war die Summe schon verplant, bevor sie greifbar war. Senator Ted Cruz brachte 2017 und erneut 2019 einen Gesetzentwurf ein, der eingezogene Gelder aus Verfahren gegen Guzmán und andere Kartellchefs für den Bau der Grenzmauer vorsah. Donald Trump nannte die Idee interessant, beschlossen wurde sie nicht.

Haftort und Haftbedingungen

Seit Juli 2019 sitzt Guzmán im Bundesgefängnis ADX Florence in Colorado, der höchsten Sicherheitsstufe des US-Strafvollzugs. Für ihn gelten Special Administrative Measures, also besondere Auflagen, die seine Kontakte nach außen einschränken. Die Zellenzeit liegt bei rund 23 Stunden am Tag, Kontakt zu anderen Gefangenen ist ausgeschlossen. Seine Anwälte greifen die Haftbedingungen seit Jahren an und beantragten mehrfach ein neues Verfahren, die Gerichte haben diese Anträge abgewiesen.

Woher das Geld des Sinaloa-Kartells kam

Mengen, Routen und Abnehmer

Verdienst von Drogenboss El Chapo Nach den Feststellungen des Verfahrens brachte das Sinaloa-Kartell zwischen Januar 1989 und Dezember 2014 mehr als eine Million Kilogramm Kokain, Marihuana, Methamphetamin und Heroin in die USA und verteilte sie dort. Transportiert wurde mit Fischerbooten, Unterseebooten, Flugzeugen aus Kohlefaser, Zügen mit versteckten Kammern und Tunneln unter der Grenze. Die Ware ging an Großabnehmer in New York, Miami, Atlanta, Chicago, Arizona und Los Angeles.

Damit war das Kartell eine der größten Organisationen dieser Art in der westlichen Hemisphäre. Ein Größenvergleich mit dem Medellín-Kartell von Pablo Escobar liegt nahe, scheitert aber am selben Problem wie jede Rangliste der reichsten Gangster: Alle Zahlen dort sind Schätzungen ohne Belegkette.

Wie die Erlöse gewaschen wurden

Aus den Prozessunterlagen ergibt sich auch der Weg des Geldes zurück nach Mexiko. Bargeld wurde in großen Mengen physisch über die Grenze gebracht. Dazu kamen US-Versicherungsgesellschaften, aufladbare Guthabenkarten und eine Reihe von Scheinfirmen, darunter ein Saftbetrieb und ein Hersteller von Fischmehl. Beamte, Polizisten, Gefängnispersonal und Militärangehörige erhielten Bestechungsgelder in Millionenhöhe.

Diese Struktur erklärt, warum sich die Erlöse hinterher nicht zuordnen lassen. Bargeld hinterlässt keinen Kontoauszug, und eine Scheinfirma weist kein Vermögen aus.

Der Aufstieg und was der Apparat kostete

Guzmán verließ die Schule nach wenigen Jahren und koordinierte in den 1970er-Jahren Kokainflüge aus Kolumbien. In den 1980er-Jahren war er für die Logistik des Kartells zuständig. Im Juni 1993 wurde er in Guatemala festgenommen und in Mexiko zu gut 20 Jahren Haft verurteilt. Im Januar 2001 floh er aus dem Gefängnis Puente Grande, verbündete sich mit Ismael Zambada García und führte das Kartell gemeinsam mit ihm. Im Februar 2014 wurde er in Mazatlán gefasst, im Juli 2015 entkam er durch einen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano, im Januar 2016 wurde er erneut festgenommen. Am 19. Januar 2017, dem letzten vollen Amtstag von Barack Obama, lieferte Mexiko ihn an die USA aus.

Der Apparat, der diese Jahre möglich machte, war teuer. Der Fluchttunnel von 2015 war mehr als einen Kilometer lang, beleuchtet, belüftet und mit einem Motorrad auf Schienen ausgestattet. Dazu kamen Bewaffnete, Fahrer, Nachrichtentechnik und Zahlungen an Amtsträger. Die USA hatten bis zu 5 Millionen US-Dollar Belohnung für Hinweise ausgeschrieben, die zu seiner Festnahme führen. Für die Frage nach dem Vermögen heißt das: Ein erheblicher Teil der Einnahmen ging für den Betrieb und die eigene Sicherheit wieder weg, und dieser Abfluss ist nirgends beziffert.

Häufige Fragen zu El Chapo

Wie hoch ist das Vermögen von El Chapo?

Eine belastbare Zahl gibt es nicht. Für Erlöse aus dem Drogenhandel existieren kein Register und keine Offenlegung, und die einzige amtliche Summe aus dem Verfahren ist die Einziehungsanordnung über 12,6 Milliarden US-Dollar, die aus Drogenmengen und Preisen berechnet ist und keine aufgefundenen Werte beschreibt.

Wofür wurde El Chapo verurteilt?

Ein Bundesgericht in Brooklyn sprach ihn am 12. Februar 2019 in allen zehn Anklagepunkten schuldig, darunter Drogenhandel und Verabredung zur Geldwäsche. Am 17. Juli 2019 wurde er zu lebenslanger Haft plus 30 Jahren verurteilt, dazu kam die Einziehungsanordnung. Das Berufungsgericht bestätigte den Schuldspruch am 25. Januar 2022.

Warum nahm Forbes El Chapo von der Milliardärsliste?

Forbes strich ihn im März 2013, nachdem er vier Jahre auf der Liste gestanden hatte. Als Gründe nannte das Magazin den unbekannten Aufenthaltsort, die fehlende Möglichkeit, die Zahlen mit ihm zu prüfen, und den wachsenden Anteil seines Geldes, der in den eigenen Schutz floss.

Womit verdiente das Sinaloa-Kartell sein Geld?

Mit der Einfuhr und dem Vertrieb von Kokain, Marihuana, Methamphetamin und Heroin in den USA über 25 Jahre hinweg. Die Erlöse gingen als Bargeld zurück nach Mexiko oder liefen über Versicherungen, Guthabenkarten und Scheinfirmen.

Wo sitzt El Chapo in Haft?

Im Bundesgefängnis ADX Florence in Colorado, seit Juli 2019, unter besonderen Haftauflagen und bei rund 23 Stunden Zellenzeit am Tag.

Bildquellen:
Titelbild: Ted Psahos [Public domain], via Wikimedia Commons
CNPA-Sinaloa: brunhildeundernst / Bigstock.com
Waffe, Drogen, Geld: peych_p / Bigstock.com