Ein Schiedsrichter im Profifußball ist kein Angestellter seines Verbandes, sondern arbeitet auf Honorarbasis. Das Einkommen setzt sich deshalb fast überall aus zwei Bausteinen zusammen: einer festen Summe für die Spielzeit und einer Prämie für jeden einzelnen Einsatz. Wie hoch beides ausfällt, hängt vom Wettbewerb ab, von der Erfahrung des Unparteiischen und davon, ob er auf der FIFA-Liste steht.

Die Spannweite ist enorm. In der Kreisliga geht es um einen zweistelligen Betrag pro Nachmittag, in der Champions League um einen vierstelligen pro Abend, und wer bei einer Weltmeisterschaft bis ins Finale kommt, verdient in fünf Wochen mehr als ein Bundesliga-Referee in einer ganzen Saison. Gemessen an den Prämien der Nationalspieler bleibt selbst das bescheiden.

Was verdient ein Schiedsrichter in der Champions League?

Die UEFA bezahlt ihre Unparteiischen pro Einsatz und staffelt die Beträge nach Turnierphase. In der Ligaphase geht es um eine Summe im Bereich von 6.000 Euro je Spiel, ab dem Viertelfinale sind es rund 7.700 Euro, und für das Endspiel werden etwa 10.000 Euro gezahlt. Dazu kommt eine Tagespauschale, die vom Tag der Anreise bis zur Abreise läuft und die Reisekosten abdeckt.

Für einen deutschen Schiedsrichter ist das der lukrativste Zusatzverdienst überhaupt. Wer regelmäßig international eingesetzt wird, kommt allein über die europäischen Wettbewerbe auf eine fünfstellige Summe. Genau deshalb ist die FIFA-Liste so begehrt: Sie ist die Eintrittskarte zu diesen Spielen.

Europa League und Conference League zahlen nach demselben Prinzip, aber auf niedrigerem Niveau. An die Summen, die ein Kylian Mbappé oder ein Cristiano Ronaldo an einem solchen Abend verdient, kommt dabei niemand heran.

Wie viel verdient ein Schiedsrichter in der Bundesliga?

Der DFB zahlt ein festes Grundhonorar für die Saison, gestaffelt nach Erfahrung. Ein Schiedsrichter mit weniger als fünf Jahren Bundesliga-Erfahrung kommt auf 68.000 Euro, ab fünf Jahren sind es 78.000 Euro, und wer zusätzlich auf der FIFA-Liste steht, bekommt 88.000 Euro. Diese Sätze gelten seit der Saison 2024/25, davor lagen sie 8.000 Euro niedriger.

So sieht das Grundhonorar der Schiedsrichter in der deutschen Bundesliga aus:

SaisonFIFAab 5 Jahren
BL Erfahrung
1. Bundesliga2. Bundesliga
2026/202788.000 €78.000 €68.000 €40.000 €
2025/202688.000 €78.000 €68.000 €40.000 €
2024/202588.000 €78.000 €68.000 €40.000 €
2023/202480.000 €70.000 €60.000 €40.000 €
2022/202380.000 €70.000 €60.000 €40.000 €
2021/202280.000 €70.000 €60.000 €40.000 €
2020/202180.000 €70.000 €60.000 €40.000 €
2019/202080.000 €70.000 €60.000 €40.000 €
2018/201980.000 €70.000 €60.000 €40.000 €
2017/201879.000 €69.000 €59.000 €39.000 €
2016/201775.000 €65.000 €55.000 €35.000 €
2015/201660.000 €50.000 €40.000 €25.000 €
2014/201560.000 €50.000 €40.000 €25.000 €

Dazu kommt die Einsatzprämie. Für ein Bundesligaspiel als Hauptschiedsrichter werden 6.000 Euro gezahlt, in der 2. Bundesliga 3.000 Euro. Diese Prämie ist der eigentliche Hebel: Wer auf zwanzig Ansetzungen in der Liga kommt, verdient darüber mehr als über das Grundhonorar.

Diese zusätzlichen Einnahmen gibt es pro Spiel:

Saison1. BL Schiri1. BL Assistent2. BL Schiri2. BL Assistent
2026/20276.000 €2.500 €3.000 €1.250 €
2025/20266.000 €2.500 €3.000 €1.250 €
2024/20256.000 €2.500 €3.000 €1.250 €
2023/20245.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2022/20235.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2021/20225.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2020/20215.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2019/20205.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2018/20195.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2017/20185.000 €2.500 €2.500 €1.250 €
2016/20173.800 €2.000 €2.000 €1.000 €

Was am Ende zusammenkommt, zeigt die Auswertung der Spielzeit 2024/25: Sascha Stegemann stand mit rund 222.200 Euro allein aus nationalen Einsätzen an der Spitze. Das sind gut 18.500 Euro im Monat, internationale Einsätze noch nicht eingerechnet. Ein Stammtorhüter wie Manuel Neuer verdient das in etwa einer Woche.

Was Video-Assistent und Vierter Offizieller bekommen

Der Videoassistent sitzt nicht im Stadion, sondern im Kölner Video-Assist-Center, und wird ebenfalls pro Einsatz bezahlt. In der Bundesliga werden dafür 2.300 Euro fällig, sein Assistent am zweiten Monitor bekommt 1.150 Euro. Der Vierte Offizielle an der Seitenlinie erhält 1.500 Euro, in der 2. Bundesliga 750 Euro.

Für viele Unparteiische ist der VAR-Dienst damit ein fester Teil des Einkommens: Wer an einem Wochenende nicht selbst pfeift, sitzt häufig in Köln und verdient dort mit.

Schiedsrichter bei Welt- und Europameisterschaften

FIFA Schiedsrichter Howard Webb

Howard Webb

Eine Weltmeisterschaft ist der größte Einzelposten, den ein Schiedsrichter in seiner Laufbahn erreichen kann. Bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zahlte die FIFA jedem Hauptschiedsrichter ein Antrittshonorar von 70.000 US-Dollar für das Turnier, unabhängig davon, wie viele Partien er am Ende leitete. Pro Gruppenspiel kamen 3.000 Dollar dazu, für ein Spiel in der K.-o.-Phase 10.000 Dollar.

Wer bis ins Finale durchkommt, landet damit bei rund 300.000 Dollar für fünf Wochen Arbeit. Reise, Unterkunft und Tagegelder trägt die FIFA zusätzlich. Assistenten starten mit 25.000 Dollar Antrittshonorar und bekommen 2.500 Dollar je Gruppenspiel sowie 5.000 Dollar in der K.-o.-Runde, die Video-Assistenten 3.000 beziehungsweise 5.000 Dollar. Bezahlt wird das aus einem Turnierbudget, über das FIFA-Präsident Gianni Infantino und sein Verband entscheiden, dessen Finanzen schon unter Sepp Blatter für Schlagzeilen sorgten.

Was bei einer Europameisterschaft gezahlt wird

Die UEFA rechnet bei ihren Endrunden anders als die FIFA und zahlt stärker pro Spiel. Bei der EM 2024 in Deutschland bekamen die Hauptschiedsrichter 5.000 Euro für ein Gruppenspiel und 10.000 Euro für eine Partie in der K.-o.-Runde. Assistenten und der Vierte Offizielle erhielten 2.500 Euro in der Gruppenphase und 5.000 Euro ab dem Achtelfinale, die Video-Assistenten 3.000 und 5.000 Euro.

Der Unterschied zur WM steckt im Antrittshonorar, das bei der UEFA deutlich kleiner ausfällt, dafür sind die Einzelprämien höher. Für einen Schiedsrichter, der früh ausscheidet, ist die EM damit das bessere Geschäft, für einen Finalteilnehmer die WM.

Premier League, LaLiga und Serie A im Vergleich

Deutschland ist im europäischen Vergleich weder Spitze noch Schlusslicht. Drei Ligen zahlen mehr, und sie tun es auf sehr unterschiedliche Weise.

Die Premier League hat ihre Schiedsrichter zu Vollprofis gemacht und zahlt entsprechend. Die oberste Gruppe kommt auf ein Jahresgehalt von rund 180.000 Pfund, die zweite Gruppe auf etwa 120.000 Pfund, Assistenten auf rund 110.000 Pfund. Dazu kommt eine Einsatzprämie von etwa 1.150 Pfund pro Spiel. Die meistbeschäftigten Unparteiischen wie Anthony Taylor oder Michael Oliver landen damit bei 180.000 bis 200.000 Pfund in der Spielzeit, ein Bruchteil dessen, was ein Trainer wie Jürgen Klopp auf der Insel verdient hat.

In Spanien verdienen die Schiedsrichter der ersten Liga am besten. Zum Fixgehalt von rund 200.000 Euro im Jahr kommen etwa 5.000 Euro je geleitetem Spiel, 2.500 Euro für einen VAR-Einsatz und noch einmal rund 25.000 Euro jährlich für die Bildrechte. Wer zwanzig Partien in einer Saison leitet, kommt damit in die Nähe von 300.000 Euro.

Die Serie A zahlt beim Fixum etwas mehr als die Bundesliga und deutlich weniger pro Einsatz. Ein international eingesetzter Schiedsrichter bekommt 90.000 Euro fest, wer mehr als fünfzig Einsätze vorweisen kann 60.000 Euro, darunter 30.000 Euro. Pro Spiel gibt es 4.000 Euro, für den VAR 1.700 Euro, für einen Assistenten 1.400 Euro. In der Spielzeit 2025/26 führte Marco Guida die Verdienstliste mit über 181.000 Euro an, vor Daniele Chiffi und Davide Massa. Gianluigi Buffon stand in seiner Zeit in der Serie A in einer anderen Liga.

Von der Kreisliga bis zur 3. Liga

Unterhalb der beiden Bundesligen endet das Grundhonorar abrupt. In der 3. Liga gibt es keine feste Summe für die Saison mehr, sondern nur noch eine Vergütung pro Spiel von rund 750 Euro. Ein Schiedsrichter der 3. Liga lebt also ausschließlich von seinen Ansetzungen und braucht in aller Regel einen Hauptberuf.

Darunter wird es schnell sehr klein. In den Regionalligen bewegen sich die Sätze im dreistelligen Bereich, in Bayern etwa bei 260 Euro für den Schiedsrichter und 156 Euro für einen Assistenten. In der Kreisliga zahlen die Verbände zwischen 25 und 50 Euro pro Spiel, in Bayern 52 Euro in der Kreisliga und 46 Euro in der Kreisklasse. Dazu kommen Fahrtkosten, meist mit 30 Cent je Kilometer.

Diese Sätze legt jeder der 21 Landesverbände selbst fest, weshalb ein Landesligaspiel in Bayern anders vergütet wird als eines in Niedersachsen. Der Weg nach oben ist lang: In Deutschland pfeifen rund 50.000 Schiedsrichter, auf der Bundesliga-Liste stehen weniger als dreißig davon. Ein Bundestrainer wie Julian Nagelsmann verdient an einem Tag mehr als ein Kreisliga-Schiedsrichter in seinem ganzen Leben auf dem Platz.

Die Frauen-Bundesliga

Für die Frauen-Bundesliga hat das DFB-Präsidium die Honorare im Mai 2025 angehoben, mit Wirkung ab der Spielzeit 2025/26. Eine Schiedsrichterin bekommt seit dieser Saison 1.000 Euro pro Spiel statt zuvor 700 Euro, Assistentinnen 500 statt 350 Euro. In der 2. Frauen-Bundesliga stiegen die Sätze von 250 auf 350 Euro für die Schiedsrichterin und von 125 auf 175 Euro für Assistentinnen und die Vierte Offizielle. Die neuen Beträge gelten auch für die entsprechenden Pokal- und Supercup-Spiele.

Ein Grundhonorar für die Saison gibt es im Frauenbereich nicht. Der Abstand zur Männer-Bundesliga bleibt damit groß, und er ist der Grund, warum auch Schiedsrichterinnen der ersten Liga fast ausnahmslos einen Beruf daneben haben.

Häufige Fragen zum Gehalt der Schiedsrichter

Wie viel verdient ein Bundesliga-Schiedsrichter im Jahr?

Das Grundhonorar bewegt sich zwischen 68.000 und 88.000 Euro für die Spielzeit, je nach Erfahrung und FIFA-Status. Dazu kommen 6.000 Euro für jedes geleitete Bundesligaspiel sowie Prämien für VAR-Dienste. Die Spitzenverdiener kommen national auf über 200.000 Euro.

Sind Bundesliga-Schiedsrichter hauptberuflich Schiedsrichter?

Nein. Der DFB hat sich gegen ein reines Profisystem entschieden, wie es die Premier League kennt. Die deutschen Unparteiischen arbeiten auf Honorarbasis und haben fast alle einen Beruf daneben, häufig als Beamte, Lehrer oder Selbstständige. Das Modell ist ein Grund dafür, warum die Belastung durch VAR-Dienste und Reisen regelmäßig diskutiert wird.

Wie viel bekommt ein Schiedsrichter für ein Champions-League-Spiel?

In der Ligaphase geht es um eine Summe im Bereich von 6.000 Euro pro Einsatz, ab dem Viertelfinale sind es rund 7.700 Euro, für das Endspiel werden etwa 10.000 Euro gezahlt. Dazu kommt eine Tagespauschale für die Reisetage. Ein einziger Abend in der Königsklasse bringt damit mehr als ein Bundesligaspiel.

Was verdient ein Schiedsrichter bei einer Weltmeisterschaft?

Bei der WM 2026 zahlte die FIFA ein Antrittshonorar von 70.000 US-Dollar, dazu 3.000 Dollar je Gruppenspiel und 10.000 Dollar je Spiel in der K.-o.-Phase. Wer bis zum Finale eingesetzt wird, kommt auf rund 300.000 Dollar.

Wie viel verdient man als Schiedsrichter in der Kreisliga?

Zwischen 25 und 50 Euro pro Spiel, abhängig vom Landesverband, dazu Fahrtkosten von meist 30 Cent je Kilometer. Das ist eine Aufwandsentschädigung und kein Gehalt.

Verdienen Schiedsrichterinnen dasselbe wie ihre männlichen Kollegen?

Nein. In der Frauen-Bundesliga gibt es seit der Spielzeit 2025/26 1.000 Euro pro Spiel und kein Grundhonorar für die Saison. In der Männer-Bundesliga stehen 6.000 Euro pro Spiel und dazu ein festes Jahreshonorar. Der DFB hat die Sätze im Frauenbereich im Mai 2025 zuletzt angehoben.

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