Marcel Hirscher hat den alpinen Skiweltcup über ein Jahrzehnt geprägt und dabei ein Vermögen aufgebaut, das nur zu einem kleinen Teil aus dem Rennsport selbst stammt. Der Salzburger gewann den Gesamtweltcup achtmal in Folge, dazu kommen sieben WM-Titel und zwei olympische Goldmedaillen. Preisgelder spielen im alpinen Skisport aber eine kleinere Rolle als in fast jeder anderen Spitzensportart, und deshalb entschieden bei ihm die Werbeverträge und später die eigene Skimarke Van Deer über die Höhe des Vermögens. Wir schätzen das Vermögen von Marcel Hirscher auf rund 30 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Marcel Hirscher?
Die Schätzung setzt sich aus drei Blöcken zusammen: den Einnahmen aus der aktiven Zeit, also Preisgeldern und Werbeverträgen, dem Wert seiner Beteiligung an der Skimarke Van Deer und den Salzburger Immobilien. Der erste Block ist der größte und der am besten belegte, die beiden anderen sind schwerer zu greifen, weil ein Firmenanteil kein Bargeld ist. Nach unserer Schätzung kommt Marcel Hirscher auf rund 30 Millionen Euro.
Preisgelder als kleinster Posten
Olympiasiege bringen überhaupt kein Preisgeld. Das Österreichische Olympische Comité überreichte für eine Goldmedaille eine Kollektion Wiener Philharmoniker der Münze Österreich, 2018 mit einem Wert von 17.000 Euro je Medaille. Für Hirschers zwei Siege in Pyeongchang waren das 34.000 Euro in Goldmünzen. Wirtschaftlich zählten die Titel trotzdem, weil sie die Werbeverträge nach oben verhandelbar machten.
Werbeverträge als eigentlicher Motor
Von 2009 bis 2021 war Raiffeisen sein Kopfsponsor und zahlte, nachdem er sich in der Weltspitze festgesetzt hatte, rund eine Million Euro pro Jahr. Ähnlich lange lief der Ausrüstervertrag mit Atomic, der 2021 endete. Dazu kamen Red Bull, Audi, Under Armour, Technogym und Komperdell sowie die Rolle als Botschafter des SalzburgerLandes. Die Presse berichtete 2019, Hirscher habe in zwölf Weltcupsaisonen rund 60 Millionen Euro aus Preisgeldern und Werbedeals verdient.
Entscheidend für ein Vermögen ist, was von einer solchen Summe übrig bleibt, und genau hier unterscheidet sich ein österreichischer Skirennläufer von einem angestellten Spitzenverdiener. Für Skifahrer ist in Österreich ein pauschaler Steuersatz von rund zehn Prozent ausverhandelt, während ein Gehalt über einer Million Euro dort mit etwa 55 Prozent belastet wird. Aus derselben Bruttosumme bleibt einem Skirennläufer also ein Mehrfaches. Davon gehen die Kosten des eigenen Umfelds ab, dazu die Mittel, die in die eigene Firma geflossen sind.
Van Deer: die eigene Skimarke
Vom Kleinserienhersteller zur eigenen Fabrik
Im Sommer 2021 gründete Hirscher die Marke Van Deer und stellte sie im September desselben Jahres vor. Die erste Serie umfasste 1.500 Paar Ski, gefertigt beim Hersteller Augment in Stuhlfelden im Oberpinzgau, angeboten in 15 Modellen zu Preisen zwischen 700 und 1.000 Euro. Der Markenname spielt auf einen niederländisch klingenden Familiennamen an, „deer“ ist das englische Wort für Hirsch. Augment war 2015 unter dem Namen Croq gegründet worden und baute Ski nach Maß, abgestimmt auf Gewicht und Fahrstil eines einzelnen Kunden.
Der Einstieg von Red Bull
Im Juli 2022 stieg Red Bull ein. Beide Seiten gründeten die Van Deer-Red Bull Sports Equipment GmbH, die Augment samt Produktionsstandort übernahm. Die Mehrheit von 51 Prozent hält der Getränkekonzern, dessen Mitgründer Dietrich Mateschitz war und dessen österreichischer Anteil heute bei dessen Sohn Mark Mateschitz liegt. Hirscher selbst hält 45 Prozent über eine eigene Beteiligungsgesellschaft, vier Prozent liegen bei seinem langjährigen Weggefährten Dominic Tritscher. Geschäftsführer ist Toni Giger, früherer Herrenchef und Entwicklungsleiter im Österreichischen Skiverband.
Für Red Bull ist das ein bekanntes Muster: Der Konzern baut Sportprojekte über Jahre auf und nimmt Anlaufverluste in Kauf, im Motorsport etwa unter Helmut Marko. Eine kuriose Nebenwirkung der Partnerschaft: Das Logo mit dem roten Stier muss bei Rennen der FIS abgeklebt werden, weil der Verband Markenwerbung auf Ski untersagt, wenn die Marke selbst keine Skiausrüstung herstellt.
Wer auf Van Deer fährt
Der erste prominente Athlet war Henrik Kristoffersen, in Hirschers aktiver Zeit einer seiner härtesten Gegner. Der Norweger gewann in der ersten Saison mit dem neuen Material zwei Weltcupslaloms und wurde 2023 in Courchevel Slalom-Weltmeister. Sein Landsmann Timon Haugan holte bei derselben Weltmeisterschaft zwei Medaillen auf Van Deer. Auch im Skisprung wird das Material gefahren, dort gewann Andreas Wellinger 2023 zwei Weltcupspringen und WM-Gold im Mixed-Team.
Warum die Marke noch nichts ausschüttet
Eine junge Skifirma verdient zunächst nichts, sie kostet. Entwicklung, Weltcup-Service, Vertrieb und eine eigene Produktion sind Vorleistungen, die Jahre vor den ersten Gewinnen anfallen, und die Verluste dieser Phase summieren sich in der Bilanz. Getragen wird das vom Mehrheitseigentümer, dessen Finanzkraft eine lange Aufbauphase erst möglich macht. Im November 2025 wurde in Scheffau am Tennengebirge eine neue Fabrik eröffnet, in die die Produktion aus Stuhlfelden übersiedelt; ihre Kapazität übersteigt die erste Kleinserie um ein Vielfaches.
Für die Vermögensschätzung heißt das: Die 45 Prozent sind ein Beteiligungswert und keine laufende Einnahme. Wir rechnen den Anteil deshalb zurückhaltend ein und stützen die Schätzung vor allem auf die Einnahmen aus der aktiven Zeit und auf die Immobilien.
Das Comeback für die Niederlande
Der Verbandswechsel und der Start in Sölden
Hirschers Mutter Sylvia stammt aus Den Haag, ihr Sohn ist deshalb Doppelstaatsbürger. Schon als Nachwuchsläufer stand ein Antreten für den niederländischen Verband zur Debatte, damals entschied er sich wegen der besseren Förderung für den Österreichischen Skiverband. Am 24. April 2024 bestätigte der ÖSV den Wechsel zum niederländischen Verband, für den Hirscher die nötigen FIS-Punkte im Sommer bei Rennen in Neuseeland sammelte. Am 28. September 2024 beschloss der Weltverband eine neue Wildcard-Regelung, die ihm einen Startplatz unmittelbar hinter den besten 30 sicherte. Am 27. Oktober 2024 fuhr er im Riesenslalom von Sölden nach 2051 Tagen Pause auf Rang 23 und holte damit die ersten Weltcuppunkte für einen niederländischen Skirennläufer seit Januar 2022.
Kreuzbandriss und der zweite Anlauf
Die beiden folgenden Slaloms in Levi und Gurgl brachten kein Ergebnis. Am 3. Dezember 2024 wurde bekannt, dass sich Hirscher im Training auf der Reiteralm das Kreuzband im linken Knie gerissen hatte. Die Saison war damit beendet, er wurde operiert. Im Juni 2025 kündigte er per Videobotschaft den nächsten Versuch für die Saison 2025/26 an.
Am 9. Januar 2026 nahm er das zurück: Er werde in dieser Saison keine Weltcuprennen fahren und auch bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina nicht starten. Seine Begründung im Video lautete: „Das Tempo, das ich gehen kann, ist nicht weltcupwürdig.“ Bei den Spielen im Februar 2026 war er entsprechend nicht am Start.
Im Oktober 2026 erteilte ihm der Weltverband FIS eine Wildcard für den Weltcup, mit Startnummer 31 in Riesenslalom und Slalom. Ob er schon beim Herren-Riesenslalom in Sölden am Sonntag, 25. Oktober 2026, an den Start geht, hängt vom Training ab.
Was das Comeback wirtschaftlich gebracht hat
Für die Vermögensbilanz war die Rückkehr kein Einnahmeposten. Ein 23. Platz bringt ein paar tausend Franken Preisgeld, die Vorbereitung kostete ein Vielfaches davon. Der Ertrag lag auf der anderen Seite: Hirscher fuhr auf Ski aus seiner eigenen Fabrik, und ein Starter mit acht Gesamtweltcupsiegen bringt einer jungen Marke eine Aufmerksamkeit, die sich mit einem Werbebudget kaum kaufen lässt.
Immobilien und weitere Geschäfte
Neben Van Deer gehört Hirscher zu den Mitgründern des Skibekleidungsherstellers The Mountain Studio. Im Vergleich mit den reichsten Österreichern spielt er damit in einer anderen Liga, unter den Sportlern des Landes gehört er dagegen zu den Topverdienern. Ein Fußballprofi wie David Alaba verdient sein Geld über ein Vereinsgehalt, ein Formel-1-Fahrer wie Max Verstappen über einen Werksvertrag. Bei Hirscher lief beides über Werbepartner, und heute läuft es über die eigene Firma.
Häufige Fragen zu Marcel Hirscher
Wie hoch ist das Vermögen von Marcel Hirscher?
Wir schätzen es auf rund 30 Millionen Euro. Den größten Teil machen die Einnahmen aus der Weltcup-Laufbahn aus, vor allem die Werbeverträge, dazu kommen die Beteiligung an der Skimarke Van Deer und Immobilien in Salzburg.
Wie viel Preisgeld hat Marcel Hirscher im Weltcup gewonnen?
Im Weltcup kamen rund 4 Millionen Euro zusammen. Für den alpinen Skisport ist das ein Spitzenwert, gegenüber den Werbeeinnahmen bleibt es ein kleiner Posten. Die Olympiasiege brachten kein Preisgeld, sondern eine Kollektion Goldmünzen des Österreichischen Olympischen Comités.
Womit verdient Marcel Hirscher nach seiner Karriere Geld?
Vor allem mit der Skimarke Van Deer-Red Bull Sports, an der er 45 Prozent hält, mit Werbepartnern, die ihm über das Karriereende hinaus geblieben sind, und mit vermieteten Zinshäusern in Salzburg.
Wem gehört die Skimarke Van Deer?
Red Bull hält 51 Prozent an der Van Deer-Red Bull Sports Equipment GmbH, Marcel Hirscher 45 Prozent und sein Geschäftspartner Dominic Tritscher vier Prozent. Geführt wird das Unternehmen von Toni Giger.
Warum startete Marcel Hirscher bei seinem Comeback für die Niederlande?
Seine Mutter stammt aus Den Haag, er besitzt deshalb auch die niederländische Staatsbürgerschaft. Der Österreichische Skiverband bestätigte den Verbandswechsel im April 2024, das erste Rennen unter neuer Flagge fuhr Hirscher im Oktober 2024 in Sölden.
Fährt Marcel Hirscher wieder Weltcup?
Im Oktober 2026 bekam er von der FIS eine Wildcard mit Startnummer 31 für Riesenslalom und Slalom. Ein fixer Renntermin steht noch nicht fest, ob er schon in Sölden startet, hängt vom Training ab.
Bildquellen:
Titelbild: Kaspek [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
Manfred Werner (Tsui) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons