Magnus Carlsen aus Norwegen gilt als einer der stärksten Schachspieler der Geschichte. Er wurde 2004 mit 13 Jahren Großmeister, führt die FIDE-Weltrangliste seit Juli 2011 fast ohne Unterbrechung an und trug zwischen 2013 und 2021 fünfmal den klassischen Weltmeistertitel. Sein Geld verdient er allerdings längst nicht mehr in erster Linie am Brett: Wir schätzen das Vermögen von Magnus Carlsen auf rund 25 Millionen Euro. Der größte Einzelposten stammt aus dem Verkauf seines Unternehmens, nicht aus einem Turniersieg.
Wie hoch ist das Vermögen von Magnus Carlsen?
Ein belegter Anhaltspunkt kommt aus Norwegen, wo Steuerdaten öffentlich sind. Für 2022 wies die Steuerliste für Carlsen eine Formue von 102,4 Millionen Kronen aus, nach 62 Millionen im Jahr davor. Der Sprung fällt genau in das Jahr, in dem der Unternehmensverkauf abgeschlossen wurde. Für 2024 führte die Liste ein Einkommen von 35,6 Millionen Kronen. Solche Steuerwerte liegen in Norwegen systematisch unter dem tatsächlichen Vermögen, weil Immobilien und nicht börsennotierte Anteile mit Abschlägen angesetzt werden.
Der Verkauf der Play Magnus Group an Chess.com
Am 24. August 2022 bot die US-Plattform Chess.com 13 norwegische Kronen je Aktie für die gesamte Play Magnus Group. Bewertet wurde das Unternehmen damit mit rund 799 Millionen Kronen, umgerechnet etwa 82,9 Millionen US-Dollar. Der Vorstand empfahl das Angebot einstimmig, am 16. Dezember 2022 war die Übernahme abgeschlossen.
Für Carlsen war das der größte einzelne Geldzufluss seiner Laufbahn. Über die Holding Magnus Chess, die er mit seiner Familie kontrolliert, hielt er nach dem Börsengang 9,5 Prozent der Anteile. Darauf entfielen nach unserer Rechnung rund 76 Millionen Kronen, also grob 7,5 bis 8 Millionen US-Dollar, ein Vielfaches jedes einzelnen Preisgelds seiner Karriere. Im Zuge der Übernahme unterschrieb er zusätzlich als Botschafter bei Chess.com.
Vom Schach-App-Anbieter zum Börsenunternehmen
Gegründet wurde die Play Magnus AS im Oktober 2013 in Oslo, gemeinsam mit seinem Manager Espen Agdestein und dem Unternehmer Anders Brandt. Carlsen hielt zum Start 60 Prozent. Das erste Produkt war 2014 die App Play Magnus, in der Nutzer gegen eine Engine antraten, die Carlsens eigene Partien ab dem fünften Lebensjahr nachbildete. Es folgten Magnus Trainer 2016 und Magnus Kingdom of Chess 2018.
Der Sprung zum Marktteilnehmer kam 2019 mit der Fusion mit der Plattform chess24 und dem Kauf der Lernplattform Chessable. Im Oktober 2020 wurde die Play Magnus Group an der Osloer Börse notiert. Die Emission brachte 300 Millionen Kronen frisches Kapital, bewertet wurde das Unternehmen dabei mit 796 Millionen Kronen. Carlsens Anteil war durch Fusionen und Emission auf 9,5 Prozent verwässert. 2020 und 2021 kaufte die Gruppe unter anderem das Magazin New in Chess, den Verlag Everyman Chess und den Analysedienst Aimchess zu.
Wirtschaftlich trug sich die Gruppe damit nicht. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern warf allein Chessable verlässlich Gewinn ab. Der Verkauf war für die Anteilseigner das bessere Ergebnis als ein Weiterbetrieb, und für Carlsen der Moment, in dem aus einer Beteiligung Bargeld wurde. Sportler mit Unternehmensanteilen kennen das Muster: Bei Roger Federer ist der Anteil am Sportartikelhersteller On heute mehr wert als sämtliche Preisgelder seiner Laufbahn, bei Tom Brady ist es die Beteiligung an einem NFL-Klub.
Preisgelder als zweite Säule
Das meiste Geld lag bei den WM-Kämpfen. Außerhalb davon sind fünfstellige Preisgelder die Regel, dazu kommen nicht öffentliche Antrittsgelder. Nach demselben Muster funktioniert das Vereinsschach: Zur Saison 2024/25 kehrte Carlsen nach 15 Jahren in die deutsche Schachbundesliga zurück, und zwar zur Schachabteilung des FC St. Pauli, die als eigenständige Amateurabteilung neben dem Fußballbetrieb des Klubs steht; vermittelt wurde das über den Unternehmer Jan Henric Buettner, dessen Weissenhaus-Projekte das Team sponsern. Sein Debüt gab er am 11. Januar 2025 mit einem Sieg gegen Max Warmerdam, einen Tag später folgte ein Remis gegen Wei Yi. Im Juni 2025 sagte er dem Aufsteiger, der die Klasse gehalten hatte, eine weitere Spielzeit zu; für die Saison 2025/26 führt die Liga in seiner Spielerstatistik allerdings keine Partie (Stand August 2026). Was ein solches Engagement einbringt, veröffentlichen die Vereine nicht: Zur Finanzierung hieß es im September 2024 aus der Abteilung lediglich, Carlsen werde separat vom Sponsor bezahlt und nicht aus dem Jahresetat, der ungefähr dem Monatsgehalt eines Fußball-Bundesligaprofis entspreche.
Die Weltmeistertitel und der Verzicht auf die Titelverteidigung
Carlsen gewann den klassischen Weltmeistertitel 2013 in Chennai und verteidigte ihn viermal:
- 2013 Chennai gegen Viswanathan Anand: gut 2,5 Millionen Euro Preisfonds, 60 Prozent für den Sieger
- 2014 Sotschi gegen Viswanathan Anand: 1 Million Euro, 60 zu 40 geteilt, also 600.000 Euro
- 2016 New York gegen Sergei Karjakin: 1 Million Euro, im Tiebreak entschieden und 55 zu 45 geteilt, also 550.000 Euro
- 2018 London gegen Fabiano Caruana: 1 Million Euro, ebenfalls im Tiebreak entschieden, also 550.000 Euro
- 2021 Dubai gegen Jan Nepomnjaschtschi: 2 Millionen Euro, 60 zu 40 geteilt, also 1,2 Millionen Euro
Am 20. Juli 2022 kündigte Carlsen in der ersten Folge seines Podcasts „The Magnus Effect“ an, den Titel nicht erneut zu verteidigen. Als Begründung nannte er fehlende Motivation und dass er bei einem weiteren Wettkampf wenig zu gewinnen habe. Dem Weltverband FIDE hatte er den Entschluss zuvor persönlich mitgeteilt, umstimmen ließ er sich nicht.
Der Titel ging danach an andere: Ding Liren aus China setzte sich 2023 in Astana gegen Nepomnjaschtschi durch. Am 12. Dezember 2024 gewann Gukesh Dommaraju aus Indien in Singapur mit 7,5 zu 6,5 gegen Ding und wurde mit 18 Jahren der jüngste unumstrittene Weltmeister der Schachgeschichte. Der nächste Titelkampf zwischen Gukesh und Javokhir Sindarov ist vom 25. November bis 15. Dezember 2026 in Genf angesetzt.
Sportlich hat er dadurch wenig verloren. Er führt die Weltrangliste weiter an und hält Weltmeistertitel in den schnelleren Formaten. Am 15. Februar 2026 gewann er auf Schloss Weissenhaus die erste gemeinsam von FIDE und Freestyle Chess ausgerichtete Freestyle-Weltmeisterschaft mit einem Finalsieg über Fabiano Caruana. Der Preisfonds betrug 300.000 US-Dollar, davon 100.000 US-Dollar für den Sieger.
Sponsoren und Werbeverträge
Seinen ersten größeren Werbevertrag unterschrieb Carlsen 2010 mit dem Modelabel G-Star Raw, für das er als Model vor der Kamera stand. Im Juni 2013 folgte ein Dreijahresvertrag als Botschafter des norwegischen Chipherstellers Nordic Semiconductor. Am 31. Januar 2020 stellte er in Stockholm einen Zweijahresvertrag mit dem Wettanbieter Unibet für 2020 und 2021 vor, der später verlängert wurde. Seit Dezember 2022 tritt er als Botschafter für Chess.com auf, den Käufer seines früheren Unternehmens.
Seine geschäftlichen Aktivitäten laufen über die Gesellschaft Magnuschess, an der er die Mehrheit hält; deren Ergebnis vor Steuern lag 2023 bei über 27 Millionen Kronen.
Freestyle Chess und der Streit mit dem Weltverband
Seit 2024 baut Carlsen mit dem deutschen Unternehmer Jan Henric Buettner eine eigene Turnierserie auf: die Freestyle Chess Grand Slam Tour, gespielt in der Variante Chess960 mit ausgeloster Grundstellung. Das erste Turnier fand im Februar 2024 auf Schloss Weissenhaus statt, Preisfonds 200.000 US-Dollar. Ende 2024 sammelten die Gründer mit dem Investor Left Lane Capital 12 Millionen US-Dollar ein, um mehrere Turniere pro Jahr auszurichten und die Preisfonds auf bis zu 1 Million US-Dollar je Station zu heben.
Daraus wurde ein offener Konflikt mit dem Weltverband. Im Januar 2025 beanspruchte die FIDE das alleinige Recht, Weltmeisterschaften auszurichten, und verlangte von den Spielern eine Erklärung: Wer bei einer nicht anerkannten Weltmeisterschaft antrete, sollte für zwei WM-Zyklen gesperrt werden. Carlsen bezog öffentlich Position gegen den Verband. Am 6. Februar 2025 lenkte Freestyle Chess ein und strich die Bezeichnung Weltmeisterschaft aus seinem Regelwerk, womit die Sperrandrohung hinfällig wurde. Im Januar 2026 einigten sich beide Seiten und richteten den Titelkampf in Weissenhaus gemeinsam aus.
Das Online-Schachgeschäft als eigentlicher Hebel
Warum bei Carlsen die Unternehmensseite schwerer wiegt als das Brett, erklärt der Markt. Schach ist als Zuschauersport klein, die Preisgelder sind es entsprechend auch. Als Online-Produkt dagegen ist es ein Abo-Geschäft mit Lernkursen, Turnierübertragungen und Werbeplätzen: Die Play Magnus Group hatte zum Börsengang über drei Millionen registrierte Nutzer und rund 35.000 zahlende Kunden im Monat.
Das ist der Grund, warum eine Plattform rund 82,9 Millionen US-Dollar für die Gruppe zahlte, während ein WM-Sieg gut eine Million Euro einbringt. Wie bei digitalen Plattformen von Gründern wie Jimmy Wales entsteht der Wert aus Reichweite, nicht aus einzelnen Transaktionen.
Privat lebt Carlsen in Oslo. Am 4. Januar 2025 heiratete er Ella Victoria Malone in der Kapelle auf dem Holmenkollen. Er zählt zu den wohlhabendsten Norwegern seiner Generation, bleibt aber hinter Landsleuten wie Erling Haaland oder den Erbinnen Alexandra und Katharina Andresen zurück.
Häufige Fragen zu Magnus Carlsen
Wie hoch ist das Vermögen von Magnus Carlsen?
Wir schätzen es auf rund 25 Millionen Euro. Den größten Einzelposten bildet der Erlös aus dem Verkauf der Play Magnus Group an Chess.com im Dezember 2022, dazu kommen die Preisgelder seiner Laufbahn und die Werbeverträge.
Woher stammt das Vermögen von Magnus Carlsen?
Aus drei Quellen: dem Unternehmensverkauf, den Turnier- und WM-Preisgeldern und den Sponsorenverträgen. Die Unternehmensseite wiegt am schwersten, weil ein einzelner Verkaufserlös mehr einbrachte als jeder Titelkampf.
Wie viel Preisgeld hat Magnus Carlsen in seiner Karriere verdient?
Nach Aufstellung von Chess.com kommt er über seine gesamte Laufbahn auf 12,23 Millionen US-Dollar. Das ist der höchste Wert im Schach, liegt aber weit unter den Summen, die in Tennis oder Darts erreichbar sind.
Warum ist Magnus Carlsen nicht mehr Schachweltmeister?
Er hat den Titel nicht verloren, sondern am 20. Juli 2022 auf eine erneute Titelverteidigung verzichtet und dies mit fehlender Motivation begründet. Den vakanten Titel gewann 2023 Ding Liren, seit dem 12. Dezember 2024 hält ihn Gukesh Dommaraju.
Womit verdient Magnus Carlsen neben dem Schach Geld?
Mit Werbeverträgen, Antrittsgeldern für Schaukämpfe und unternehmerischen Beteiligungen, seit 2024 vor allem an der Turnierserie Freestyle Chess.
Titelbild: Frans Peeters / Flickr [CC-BY-SA 2.0]
Spiel gegen Fabiano Caruana: Frans Peeters / Flickr [CC-NC-ND 2.0]