Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, davor stand er acht Jahre an der Spitze der niedersächsischen Landesregierung. Sein Vermögen stammt allerdings nur zu einem kleinen Teil aus dieser Zeit. Den weitaus größeren Teil verdiente der gelernte Rechtsanwalt in den Jahren nach dem Kanzleramt, als Aufsichtsrat und Berater in der Energiewirtschaft, als bezahlter Redner und als Autor. Schröder ist damit der Musterfall dafür, dass das große Geld in der Politik selten während der Amtszeit fließt. Wir schätzen das Vermögen von Gerhard Schröder auf rund 20 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Gerhard Schröder?
Nach unserer Schätzung kommt Gerhard Schröder auf rund 20 Millionen Euro. Die Summe setzt sich aus vier Blöcken zusammen. Der erste sind die Amtsbezüge aus fünfzehn Jahren an der Spitze einer Regierung, acht davon als Ministerpräsident in Hannover, sieben als Bundeskanzler in Berlin, dazu die Diäten aus zwölf Jahren im Bundestag. Der zweite ist die Versorgung, die seit dem Ausscheiden im Jahr 2005 läuft. Der dritte und mit Abstand größte sind die Vergütungen aus den Aufsichtsrats- und Beratermandaten zwischen 2005 und 2022. Der vierte sind Vortragshonorare und ein Buchhonorar.
Belastbare Angaben zu Immobilien, Depots oder Unternehmensbeteiligungen sind nicht veröffentlicht. Schröder ist kein Unternehmer, er hat sein Geld zuerst im Staatsdienst und danach als Mandatsträger und Auftragnehmer fremder Konzerne verdient. Das macht eine Schätzung leichter als bei einem Firmengründer, dessen Vermögen an Unternehmensanteilen hängt, zugleich aber ungenauer, weil Steuerlast und private Ausgaben über zwei Jahrzehnte nur grob anzusetzen sind.
Im Vergleich mit anderen deutschen Spitzenpolitikern liegt er damit weit oben. Angela Merkel und Olaf Scholz haben nach ihrer Amtszeit keine vergleichbaren Mandate übernommen, Friedrich Merz kam umgekehrt mit einem in der Wirtschaft erworbenen Vermögen ins Kanzleramt, und bei Abgeordneten wie Jens Spahn bleiben die Diäten die Hauptquelle. Eine Einordnung über alle Namen hinweg bietet unsere Liste der reichsten Politiker.
Was Schröder im Kanzleramt verdiente und heute bezieht
Das Amtsgehalt eines Bundeskanzlers
Ruhegehalt und Versorgung nach dem Amt
Wer ein Regierungsamt verlässt, erhält zunächst ein Übergangsgeld und danach ein Ruhegehalt. Beides bemisst sich an den früheren Amtsbezügen und an der Dauer der Amtszeit, geregelt ist es im Bundesministergesetz. Gezählt wird dabei allein die Zugehörigkeit zur Bundesregierung, bei Schröder also die Zeit als Bundeskanzler vom 27. Oktober 1998 bis zum 22. November 2005 und damit sieben volle Amtsjahre. Die acht Jahre als niedersächsischer Ministerpräsident zählen dafür nicht mit, weil ein Landesamt einen eigenen Anspruch nach Landesrecht begründet. Der Versorgungsanspruch selbst blieb von allen späteren Beschlüssen des Bundestages unberührt, gestrichen wurde 2022 allein die Büroausstattung.
Davon zu trennen ist die Altersentschädigung aus dem Bundestagsmandat nach den Paragrafen 19 und 20 des Abgeordnetengesetzes. Sie richtet sich allein nach den Jahren im Bundestag, und die verteilen sich bei Schröder auf zwei getrennte Abschnitte: vom 4. November 1980, der konstituierenden Sitzung des neunten Bundestages, bis zum Wechsel in den niedersächsischen Landtag nach der Landtagswahl vom 15. Juni 1986, und erneut vom 26. Oktober 1998, der konstituierenden Sitzung des vierzehnten Bundestages, bis zur Mandatsniederlegung am 24. November 2005. Das ergibt zwölf volle Mandatsjahre. Die Jahre im niedersächsischen Landtag zwischen 1986 und 1998 zählen auch hier nicht mit.
Beide Ansprüche werden nicht einfach addiert. Treffen ein Ruhegehalt aus dem Regierungsamt und eine Altersentschädigung aus dem Mandat zusammen, ruht nach Paragraf 29 Absatz 4 des Abgeordnetengesetzes die Altersentschädigung um die Hälfte des Betrages, um den beide Ansprüche zusammen die Abgeordnetenentschädigung übersteigen. Gekürzt wird dabei ausschließlich die Altersentschädigung, das Ruhegehalt aus dem Kanzleramt bleibt unangetastet. Genau an dieser Stelle liegen die meisten kursierenden Aufstellungen zu hoch.
| Leistung | Höhe |
|---|---|
| Übergangsgeld nach dem Mandateine Monatsdiät je Mandatsjahr, höchstens 18 Monate | bis 213.002 Euro |
| Altersentschädigung, Höchstsatz65 Prozent der Diät nach 26 Mandatsjahren | 7.692 Euro im Monat |
| Übergangsgeld für Regierungsmitgliederdrei Monate volles Amtsgehalt, danach die Hälfte, längstens zwei Jahre | bis 279.118 Euro |
| Ruhegehalt für Regierungsmitgliederab vier Amtsjahren 27,74 Prozent, gedeckelt bei 71,75 Prozent | 4.588 Euro bis 14.835 Euro im Monat |
iWoher die Zahlen stammen
Treffen Ruhegehalt aus einem Regierungsamt und Altersentschädigung aus dem Mandat zusammen, lassen sich beide Beträge nicht addieren. Nach § 29 Abs. 4 des Abgeordnetengesetzes ruht die Altersentschädigung um die Hälfte des Betrages, um den beide Ansprüche zusammen die Abgeordnetenentschädigung nach § 11 Abs. 1 AbgG übersteigen. Gekürzt wird also allein die Altersentschädigung, das Ruhegehalt bleibt unangetastet. Bezugsgröße für den Prozentsatz des Ruhegehalts ist hier das Amtsgehalt ohne den Ortszuschlag, die Rechnung liegt damit eher am unteren Rand.
Die Altersentschädigung steigt je Mandatsjahr um 2,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung und ist bei 65 Prozent nach 26 Mandatsjahren gedeckelt. Die Ansprüche nach dem Ausscheiden sind gesetzlich geregelt. Übergangsgeld und Altersentschädigung der Abgeordneten hängen an der Zahl der Mandatsjahre, das Ruhegehalt der Regierungsmitglieder an der Amtszeit. Individuelle Ansprüche werden nicht veröffentlicht.
- Übergangsgeld nach dem Mandat§ 18 AbgG
- Altersentschädigung, Höchstsatz§ 20 AbgG
- Übergangsgeld für Regierungsmitglieder§ 14 BMinG
- Ruhegehalt für Regierungsmitglieder§ 15 BMinG
Angaben nach Abgeordnetengesetz, Bundesministergesetz und ParlStG.
Das große Geld kam nach dem Kanzleramt
Nord Stream, Rosneft und TNK-BP
Wenige Monate nach dem Regierungswechsel begann Schröders zweite Laufbahn. Am 30. März 2006 übernahm er den Vorsitz des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG, der Betreibergesellschaft der ersten Ostseepipeline. Für dieses Mandat wurde eine Vergütung von 250.000 Euro im Jahr berichtet. 2016 kam der Vorsitz des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG hinzu, im September 2017 der Aufsichtsratsvorsitz beim russischen Ölkonzern Rosneft, dotiert mit 600.000 Euro im Jahr. Bereits von 2009 bis Dezember 2011 hatte er dem Direktorium des russisch-britischen Ölunternehmens TNK-BP angehört, dem Manager Magazin zufolge für rund 200.000 Euro jährlich.
Allein die Mandate bei Rosneft und der Nord Stream AG waren zusammen mit rund 850.000 Euro im Jahr dotiert. Im Februar 2022 wurde Schröder zusätzlich für den Aufsichtsrat des Gaskonzerns Gazprom nominiert. Dass seine Verbindungen bis in den Kreml reichen, war nie ein Geheimnis, sein Verhältnis zu Wladimir Putin gilt seit den Regierungsjahren als eng.
Was er 2022 niederlegte und was blieb
Nicht erfasst war davon das Mandat bei der Nord Stream AG. Die Nord Stream 2 AG wiederum verlor ihr Geschäft von außen: Nach den US-Sanktionen vom Februar 2022 zeigte die Gesellschaft im März 2022 Zahlungsunfähigkeit an und entließ ihr Personal.
Beratung, Vorträge und ein Buchhonorar
Neben den Energiemandaten stand über die Jahre eine Reihe weiterer bezahlter Aufgaben: die Beratung des Medienhauses Ringier in Fragen internationaler Politik von 2005 bis 2022, ein Sitz im Europa-Beirat der Rothschild-Bank von 2006 bis September 2016, eine rechtsberatende Tätigkeit für den RAG-Konzern und eine Beratung der Libyan Investment Authority. Als Redner wird Schröder über eine internationale Agentur vermittelt, die Honorare wurden mit 50.000 bis 75.000 Euro je Auftritt angegeben.
Der größte einzeln belegte Betrag stammt jedoch aus dem Buchgeschäft. Für die Rechte an seiner Autobiografie zahlte ihm der Unternehmer Carsten Maschmeyer einen Vorschuss von 2.016.380,37 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Zugesagt wurde die Summe im November 2005, öffentlich bekannt wurde sie 2014.
Der Streit um das Altkanzlerbüro
Ehemalige Bundeskanzler erhalten ein Büro mit Mitarbeitern auf Staatskosten. Eine gesetzliche Grundlage dafür gibt es bis heute nicht, die Ausstattung beruht allein auf Beschlüssen des Haushaltsausschusses des Bundestages. Für Schröders Büro wurden im Jahr 2021 rund 407.000 Euro an Personalausgaben aufgewendet.
Am 19. Mai 2022 beschloss der Haushaltsausschuss, das Büro ruhend zu stellen. Die zugeordneten Stellen wurden nicht mehr nachbesetzt, zur Begründung hieß es, Schröder nehme keine fortwirkenden Verpflichtungen aus dem Amt mehr wahr. Ruhegehalt und Personenschutz durch das Bundeskriminalamt blieben ausdrücklich unangetastet.
Schröder klagte dagegen. Das Verwaltungsgericht Berlin wies die Klage im Mai 2023 ab, das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Berufung. Am 10. April 2025 hob das Bundesverwaltungsgericht diese Entscheidungen auf und erklärte den Verwaltungsrechtsweg für nicht eröffnet (Aktenzeichen 2 C 16.24). Es handele sich um eine verfassungsrechtliche Streitigkeit, über die das Bundesverfassungsgericht zu befinden hätte. Am 15. April 2025 ließ Schröder über seinen Anwalt mitteilen, dass er diesen Weg aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr beschreiten werde. Im Juni 2025 löste er sein Büro im Bundestag auf.
Damit ist die Grundfrage offen geblieben: Ob ein ehemaliger Bundeskanzler einen einklagbaren Anspruch auf Büro und Personal hat, ist bis heute nicht entschieden. Für die Büros aller ehemaligen Bundeskanzler wies der Bundestag für das Jahr 2025 Personalkosten von 1.443.212 Euro aus, nachzulesen in der Bundestagsdrucksache 21/5364.
Häufige Fragen zu Gerhard Schröder
Wie hoch ist das Vermögen von Gerhard Schröder?
Wir schätzen das Vermögen des Altkanzlers auf rund 20 Millionen Euro. Den größten Teil machen die Vergütungen aus seinen Aufsichtsrats- und Beratermandaten zwischen 2005 und 2022 aus, dazu kommen Amtsbezüge, Versorgung, Vortragshonorare und ein Buchhonorar.
Woher stammt das Vermögen von Gerhard Schröder?
Nicht in erster Linie aus der Politik. Als Bundeskanzler und als Ministerpräsident bezog er Amtsbezüge nach festen gesetzlichen Sätzen. Die großen Summen kamen erst nach 2005, vor allem aus den Mandaten bei der Nord Stream AG und beim russischen Ölkonzern Rosneft.
Was verdient ein Bundeskanzler in Deutschland?
Das Amtsgehalt liegt bei 20.675 Euro im Monat. Mit Zulagen und der steuerfreien Dienstaufwandsentschädigung ergibt das 395.198 Euro brutto im Jahr und 257.305 Euro netto.
Bekommt Gerhard Schröder noch ein Ruhegehalt?
Ja. Aus den sieben Amtsjahren als Bundeskanzler besteht ein Ruhegehalt nach dem Bundesministergesetz, dazu kommt die Altersentschädigung aus zwölf Jahren im Bundestag. Beide Beträge werden nicht addiert, sondern nach Paragraf 29 Absatz 4 des Abgeordnetengesetzes gegeneinander angerechnet, gekürzt wird dabei allein die Altersentschädigung. Die acht Jahre als niedersächsischer Ministerpräsident begründen davon getrennt einen eigenen Anspruch nach Landesrecht. Der Beschluss des Haushaltsausschusses vom 19. Mai 2022 betraf allein die Büroausstattung, nicht das Ruhegehalt und nicht den Personenschutz.
Welche Mandate hat Gerhard Schröder nach dem Angriff auf die Ukraine niedergelegt?
Im Februar 2022 endeten der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitz bei Herrenknecht sowie die Beratungsverhältnisse mit Ringier und der Gröner Group. Am 20. Mai 2022 verzichtete er auf eine Verlängerung bei Rosneft und kurz darauf auf den nominierten Sitz im Aufsichtsrat von Gazprom. Das Mandat bei der Nord Stream AG war davon nicht erfasst.
Warum verlor Gerhard Schröder sein Altkanzlerbüro?
Der Haushaltsausschuss des Bundestages stellte es am 19. Mai 2022 ruhend. Schröders Klage blieb in zwei Instanzen erfolglos, am 10. April 2025 verwies das Bundesverwaltungsgericht den Streit an das Bundesverfassungsgericht. Diesen Weg beschritt Schröder nicht mehr, im Juni 2025 löste er das Büro auf.
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Olaf Kosinsky [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons