Hans-Joachim Watzke, den in Dortmund alle nur Aki nennen, ist Unternehmer und Fußballfunktionär. Sein Geld stammt aus zwei Quellen, die selten zusammenfallen: aus gut zwanzig Jahren an der Spitze eines börsennotierten Fußballunternehmens und aus einem eigenen Betrieb im Sauerland, der Schutz- und Einsatzbekleidung herstellt. Weil Borussia Dortmund der einzige deutsche Klub mit einer eigenen Aktie ist, sind die Bezüge seiner Geschäftsführung Jahr für Jahr veröffentlicht worden. Das unterscheidet ihn von fast allen anderen Klubmanagern, deren Verträge niemand zu sehen bekommt. Wir schätzen das Vermögen von Aki Watzke auf rund 30 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Aki Watzke?
Die Schätzung setzt sich aus drei Bausteinen zusammen. Der größte ist das, was von zwei Jahrzehnten Geschäftsführervergütung nach Steuern übrig geblieben ist. Dazu kommt seine Beteiligung an der Watex Schutz-Bekleidungs GmbH, die er 1990 in Marsberg gegründet hat. Der dritte Baustein sind die Anlagen eines Spitzenverdieners über so einen Zeitraum, dazu die Pensionszusage aus dem Dortmunder Vergütungspaket.
Woraus sich die Schätzung speist
Sein Festgehalt wuchs über die Amtszeit von einem sechsstelligen Betrag auf zuletzt gut zwei Millionen Euro im Jahr, dazu kamen in erfolgreichen Jahren Tantiemen im siebenstelligen Bereich. Addiert man die veröffentlichten Festbezüge und Erfolgsvergütungen der Jahre 2005 bis 2025, ergibt sich eine Größenordnung von rund 35 Millionen Euro brutto. Die Watex-Beteiligung ist der zweite große Posten: ein Hersteller mit mehreren hundert Beschäftigten, eigener Fertigung im Ausland und einem Sortiment von Arbeitsschutzkleidung über Feuerwehr- und Rettungsdienstbekleidung bis zu Uniformen. Ein solcher Anteil ist nicht liquide, er zählt aber zum Vermögen.
Nach unserer Schätzung kommt Hans-Joachim Watzke damit auf rund 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn haben neben ihrer Zeit im Vorstand des FC Bayern auch eine Weltklasse-Spielerkarriere hinter sich. Watzke hat nie Profifußball gespielt, dafür als Einziger von ihnen eine eigene Firma aufgebaut.
Warum vom Gehalt nur die Hälfte bleibt
Alle veröffentlichten Gehaltszahlen sind Bruttobeträge. Watzke lebt und versteuert in Deutschland, wo auf ein Einkommen dieser Höhe samt Zuschlägen rund 47 Prozent fällig werden. Von den gut 35 Millionen Euro bleiben damit grob 18 bis 19 Millionen Euro netto, bevor der erste Euro ausgegeben ist. Wer Jahresgehälter einfach aufaddiert, landet beim Doppelten dessen, was tatsächlich da sein kann. Das ist der häufigste Rechenfehler bei angestellten Spitzenverdienern.
Vom Schutzbekleidungs-Hersteller zum Fußballmanager
Watzke stammt aus Marsberg im Hochsauerlandkreis, knapp hundert Kilometer Luftlinie von Dortmund entfernt. Nach dem Abitur 1978 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn und schloss als Diplom-Kaufmann ab. Sechs Jahre lang arbeitete er anschließend als Angestellter bei einem Hersteller von Feuerwehrschläuchen und Arbeitsschutzbekleidung. Das war die Branche, in der er sich danach selbstständig machte.
Die eigene Firma in Marsberg
Die operative Führung gab Watzke 2005 ab, als er nach Dortmund wechselte. Seine Frau Annette übernahm den Betrieb, der gemeinsame Sohn André stieg 2019 nach seinem BWL-Studium ein. Watzke selbst blieb als Gesellschafter beteiligt und verdient damit an einem Geschäft, das mit Fußball nichts zu tun hat. Zahlen zu Umsatz und Ergebnis sind nicht veröffentlicht.
Der Weg an die Spitze des BVB
Sein erstes Spiel der Borussia sah Watzke als Siebenjähriger mit seinem Vater im Stadion Rote Erde. Vereinsmitglied wurde er 1996, im November 2001 wählten ihn die Mitglieder zum Schatzmeister. Am 11. Februar 2005 übernahm er die Leitung der ausgegliederten Fußball-Gesellschaft. Der Zeitpunkt war kein Zufall: Sein Vorgänger Gerd Niebaum war im November 2004 als Präsident und im Februar 2005 als Geschäftsführer zurückgetreten, der Klub stand vor dem Aus.
Die Rettung von Borussia Dortmund
Der Absturz hatte einfache Ursachen: ein zu teurer Kader, ausbleibende sportliche Erfolge nach der Meisterschaft 2002 und ein Stadion, das dem Klub nicht mehr gehörte. Das Westfalenstadion war 2002 zu weiten Teilen an den Immobilienfonds Molsiris verkauft worden, eine Tochter der Commerzbank. Der Klub zahlte dafür Miete und sollte die Arena bis 2017 zurückkaufen. Bis zum Geschäftsjahr 2003/04 war der Schuldenstand auf mehr als 118 Millionen Euro gestiegen.
Der Tag, an dem die Insolvenz abgewendet wurde
Das Sanierungspaket, das Watzke gemeinsam mit Vereinspräsident Reinhard Rauball und dem Finanzgeschäftsführer Thomas Treß umsetzte, bestand aus mehreren Teilen:
- Umschuldung und Streckung der Verbindlichkeiten
- Gehaltsverzicht der Lizenzspieler von rund 20 Prozent
- Verkauf der Namensrechte am Stadion, das seit Dezember 2005 Signal Iduna Park heißt
- Rückkauf des Stadions mit Unterstützung der Investmentbank Morgan Stanley
- frisches Eigenkapital über neue Aktien, ausgegeben 2004, zweimal 2006 und 2014
Was der Klub aus der Sanierung machte
Sportlich zahlte sich die Konsolidierung ab 2008 aus, als der BVB Jürgen Klopp als Trainer holte: zwei Meisterschaften 2011 und 2012, drei DFB-Pokalsiege 2012, 2017 und 2021, dazu die Champions-League-Endspiele 2013 und 2024. Wirtschaftlich wichtiger war das Modell dahinter: Dortmund kaufte junge Spieler günstig und verkaufte sie teuer. Robert Lewandowski kam 2010 für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag und ging 2014 ablösefrei nach München, aus dieser Erfahrung wurden feste Ausstiegsklauseln. Erling Haaland wechselte 2022 für rund 60 Millionen Euro nach Manchester, der Verkauf von Jude Bellingham nach Madrid brachte 2023 mehr als 100 Millionen Euro ein. Aus einem Klub am Rand der Zahlungsunfähigkeit wurde ein Unternehmen, das mehr als eine halbe Milliarde Euro im Jahr umsetzt.
Das Gehalt an der Spitze von Borussia Dortmund
Die Bezüge der Dortmunder Geschäftsführung gehören in den Geschäftsbericht der Fußball-Gesellschaft. Deshalb lässt sich Watzkes Verdienst über zwei Jahrzehnte nachzeichnen, während bei den meisten Kollegen nur geschätzt werden kann.
Fixum plus Tantieme
Seine Vergütung bestand aus zwei Teilen. Das Fixum war vertraglich festgelegt und wurde in zwölf gleichen Monatsraten gezahlt. Die variable Komponente richtete sich nach dem Geschäftsverlauf: Als Tantieme wurden drei Prozent des Jahresüberschusses vor Steuern und Geschäftsführervergütung angesetzt, gedeckelt auf 60 Prozent der Brutto-Festbezüge. In einem starken Jahr konnte der Bonus damit mehr als eine Million Euro ausmachen, in einem schwachen fiel er ganz aus. Dazu kamen marktübliche Versicherungsleistungen, ein Dienstwagen und eine Pensionszusage. Aktienoptionen oder ähnliche Anreizsysteme gab es nicht.
Bei der Vertragsverlängerung 2014 stieg sein Grundgehalt auf 900.000 Euro. Für das Geschäftsjahr 2023/24 wies der Geschäftsbericht ein Festgehalt von 2,4 Millionen Euro für ihn aus. Im März 2020 verzichtete Watzke während der Pandemie öffentlich auf ein Drittel seines Gehalts, weil der Ligabetrieb stillstand und dem Klub Einnahmen wegbrachen.
Was neben dem Gehalt dazukommt
Im Oktober 2019 veröffentlichte Watzke gemeinsam mit dem Journalisten Michael Horeni seine Autobiografie „Echte Liebe: Ein Leben mit dem BVB“. Ein Buch dieser Klasse ist ein Nebenposten und kein Vermögensfaktor. Der Vergleich, der wirklich trägt, ist ein anderer: Wie Uli Hoeneß gehört Watzke zu den wenigen Fußballfunktionären, deren Geld nicht nur aus dem Klub kommt, sondern auch aus einem eigenen produzierenden Betrieb.
Am 23. November 2025 trat Watzke als Vorsitzender der Geschäftsführung zurück und wurde am selben Tag von der Mitgliederversammlung zum 19. Präsidenten des Ballspielvereins Borussia 09 e.V. Dortmund gewählt. Daneben hält er drei Verbandsämter: Ligapräsident der DFL, erster Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und Vizepräsident der UEFA mit Sitz im Exekutivkomitee. Was diese Mandate einbringen, wird nicht einzeln ausgewiesen, die UEFA führt die Entschädigungen für ihr Exekutivkomitee als Sammelposten. Wie hoch die Bezüge eines Verbandsfunktionärs ausfallen können, zeigt der Fall Gianni Infantino bei der FIFA, deren Spitzengehälter offen ausgewiesen werden. Watzke ist seit 1975 CDU-Mitglied und gilt als enger Vertrauter von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Häufige Fragen zu Aki Watzke
Wie hoch ist das Vermögen von Aki Watzke?
Wir schätzen das Vermögen von Aki Watzke auf rund 30 Millionen Euro. Den größten Teil machen die Nettoerträge aus gut zwanzig Jahren als Geschäftsführer von Borussia Dortmund aus, dazu kommt seine Beteiligung an der Watex Schutz-Bekleidungs GmbH.
Womit hat Aki Watzke sein Geld verdient?
Mit zwei Dingen: mit dem 1990 gegründeten eigenen Unternehmen für Schutz- und Einsatzbekleidung und mit seiner Vergütung als Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, die er von Februar 2005 bis November 2025 innehatte.
Wie viel verdiente Aki Watzke bei Borussia Dortmund?
Sein Grundgehalt stieg mit der Vertragsverlängerung 2014 auf 900.000 Euro. Für das Geschäftsjahr 2023/24 wies der Geschäftsbericht ein Festgehalt von 2,4 Millionen Euro aus. Dazu kam eine Tantieme von drei Prozent des Jahresüberschusses vor Steuern und Geschäftsführervergütung, gedeckelt auf 60 Prozent der Festbezüge.
Welches Unternehmen gehört Aki Watzke?
Die Watex Schutz-Bekleidungs GmbH in Marsberg, die er 1990 gegründet hat. Sie stellt Arbeitsschutzkleidung, Feuerwehr- und Rettungsdienstbekleidung sowie Uniformen her. Die operative Führung gab Watzke 2005 an seine Frau Annette ab, er blieb als Gesellschafter beteiligt.
Welche Ämter hat Aki Watzke im Fußball?
Er ist Präsident des Ballspielvereins Borussia 09 e.V. Dortmund, Ligapräsident der DFL, erster Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und Vizepräsident der UEFA mit Sitz im Exekutivkomitee. Die Geschäftsführung der Dortmunder Fußball-Gesellschaft hat er am 23. November 2025 abgegeben.
Bildquellen:
Titelbild: Martin Davidsen [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
vverve / Bigstock.com