Was ein Konzernchef an der Spitze eines börsennotierten US-Unternehmens verdient, ist keine Verhandlungssache im Verborgenen, sondern eine Pflichtangabe. Jede Gesellschaft, die an einer amerikanischen Börse notiert ist, weist die Gesamtvergütung ihrer wichtigsten Führungskräfte einmal im Jahr im sogenannten Proxy Statement aus, aufgeschlüsselt nach Grundgehalt, Bonus, Aktien und Optionen. Das feste Gehalt macht dabei meist den kleinsten Teil aus. Den Ausschlag geben Aktien- und Optionspakete, die an Kursziele und Geschäftszahlen gebunden sind und deshalb von Geschäftsjahr zu Geschäftsjahr stark schwanken. Wer eine Rangliste der höchsten CEO-Gehälter liest, liest damit immer die Offenlegung eines einzelnen Geschäftsjahres und keinen dauerhaften Zustand.
Die höchsten offengelegten CEO-Gehälter
Die Vergütungsberater von Equilar werten jedes Frühjahr die Offenlegungen der größten US-Konzerne aus. Für das Geschäftsjahr 2025 erreichte der Median der Gesamtvergütung eines S&P-500-Vorstandschefs 17,7 Millionen US-Dollar. An der Spitze der Auswertung standen Summen, die ein Vielfaches davon erreichten.
Niraj Shah, Wayfair
Die höchste offengelegte Vergütung des Geschäftsjahres 2025 wies der Online-Möbelhändler Wayfair für seinen Mitgründer Niraj Shah aus. Die Auswertung von Equilar kam für ihn auf 280,8 Millionen US-Dollar. Der Betrag stammte nicht aus Gehalt und Bonus, sondern nahezu vollständig aus einer Aktienzuteilung, die über mehrere Jahre an Kursstufen gebunden ist. Shah gründete Wayfair 2002 gemeinsam mit Steve Conine und führte das Unternehmen auch in diesem Offenlegungsjahr als Vorstandschef.
Hock Tan, Broadcom
Auf dem zweiten Platz derselben Auswertung stand Hock Tan, der Vorstandschef des Halbleiterkonzerns Broadcom, mit 205,3 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr 2025. Tan hat Broadcom über eine Reihe großer Zukäufe zu einem der wertvollsten Technologiekonzerne der Welt umgebaut, darunter die Übernahme des Software-Anbieters VMware, die 2023 abgeschlossen wurde.
David Zaslav, Warner Bros. Discovery
Für das Jahr 2025 wies Warner Bros. Discovery für David Zaslav eine Gesamtvergütung von 165 Millionen US-Dollar aus, mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. Der Aufbau macht die Herkunft solcher Sprünge sichtbar: 3 Millionen US-Dollar Grundgehalt, 110 Millionen aus Optionen, 22,6 Millionen aus Aktien, 25,7 Millionen aus einem Bonusprogramm und 4,1 Millionen aus sonstigen Leistungen. Die Optionszuteilung war eine einmalige Zusage aus einem geänderten Anstellungsvertrag und an die geplante Aufspaltung des Konzerns gebunden. Zaslav stand bereits 2007 an der Spitze von Discovery Communications, aus dem der heutige Konzern hervorgegangen ist.
Mike Cavanagh, Comcast
Comcast wies für das Jahr 2025 für Mike Cavanagh 71,8 Millionen US-Dollar aus, ein Zuwachs von 154 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Cavanagh war zu diesem Zeitpunkt Präsident des Konzerns und damit die Nummer zwei hinter dem Vorstandschef. Zum Januar 2026 wurde er zusätzlich zum Co-Vorstandschef neben Brian Roberts bestellt.
Konzernchefs aus Medien und Software
Marc Benioff, Salesforce
Salesforce wies für das Geschäftsjahr, das Ende Januar 2025 endete, für Mitgründer Marc Benioff eine Gesamtvergütung von 55,1 Millionen US-Dollar aus, davon den größten Teil in Aktienzuteilungen. Benioff gründete das Unternehmen 1999 und führte es auch in diesem Offenlegungsjahr als Vorstandschef; im August 2026 rückte Miguel Milano als operativer Chef unter ihn. Vor Salesforce arbeitete Benioff bei der Oracle Corporation, die er 1999 verließ, um sein eigenes Unternehmen aufzubauen.
Robert Iger, Disney
Für das Geschäftsjahr 2025 wies Disney für Robert Iger 45,8 Millionen US-Dollar aus, davon 1 Million US-Dollar Grundgehalt, 21 Millionen in Aktien, 14 Millionen in Optionen, 7,25 Millionen aus einem Bonusprogramm und 2,6 Millionen an sonstigen Leistungen einschließlich Sicherheitskosten. Iger führte Disney von 2005 bis 2020 und nach seiner Rückkehr im November 2022 ein zweites Mal. Am 18. März 2026 übergab er den Posten an Josh D’Amaro, der zuvor das Parkgeschäft verantwortet hatte. Als Zeitpunkt für Igers vollständiges Ausscheiden aus dem Konzern wurde der 31. Dezember 2026 genannt.
Brian Roberts, Comcast
Comcast wies für Brian Roberts für das Jahr 2025 eine Gesamtvergütung von 35,1 Millionen US-Dollar aus, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Roberts arbeitete sich in dem von seinem Vater Ralph gegründeten Kabelunternehmen vom Praktikanten nach oben und übernahm 1990 die Führung. Zum Januar 2026 wurde der Posten aufgeteilt: Roberts blieb Vorsitzender und Co-Vorstandschef, Mike Cavanagh trat als zweiter Vorstandschef daneben.
Woraus ein CEO-Gehalt besteht
Grundgehalt, Bonus und der Aktienanteil
Das feste Jahresgehalt eines Vorstandschefs bewegt sich bei den größten US-Konzernen meist im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Bei Zaslav waren es 3 Millionen US-Dollar, bei Iger 1 Million. Alles darüber entsteht aus Bonusprogrammen, Aktien und Optionen. Bekannte Fälle eines rein symbolischen Festgehalts sind Mark Zuckerberg, Warren Buffett und Jeff Bezos, deren Einkommen praktisch vollständig aus den eigenen Unternehmensanteilen stammt und nicht aus einer Vergütung. Bei Sundar Pichai an der Spitze der Google-Mutter Alphabet fällt die Vergütung dagegen in großen, mehrjährigen Aktienpaketen an, was einzelne Geschäftsjahre weit heraustreten lässt. Der Abstand zur Breite der Führungsetagen ist erheblich: Für 2025 wurde der Median der hundert höchsten Pakete mit 29,4 Millionen US-Dollar ausgewiesen, ein Anstieg von 23,2 Prozent. Wie unterschiedlich die Posten innerhalb eines einzigen Konzerns ausfallen, zeigen die Gehälter der Apple-Spitze um Tim Cook.
Zusagen, die an Kursziele gebunden sind
Die größten Beträge entstehen nicht aus laufender Vergütung, sondern aus einmaligen Zusagen mit Bedingungen. Ein besonders weit gefasstes Beispiel beschlossen die Tesla-Aktionäre am 6. November 2025, als sie mit mehr als 75 Prozent der Stimmen einem Paket für Elon Musk zustimmten, das in zwölf Stufen bis zu 423,7 Millionen zusätzliche Aktien vorsieht. Jede Stufe hängt an einem Börsenwert und zusätzlich an Ergebnis- oder Produktzielen, etwa 20 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen oder einer Million Robotaxis im kommerziellen Betrieb. Werden die Ziele nicht erreicht, fällt die jeweilige Stufe aus. Ähnlich gebaut waren die Optionspakete, die Oracle im September 2025 an seine beiden neuen Vorstandschefs ausgab: 250 Millionen US-Dollar für Clay Magouyrk und 100 Millionen für Mike Sicilia, davon vier Fünftel über vier Jahre gestaffelt und der Rest an Umsatzziele gebunden.
Wie schnell sich die Spitze dieser Rangliste dreht
Die Doppelspitze bei Oracle
Die Oracle Corporation führte über Jahre zwei Vorstandschefs gleichzeitig, Safra Catz und Mark Hurd, beide mit derselben ausgewiesenen Vergütung. Mark Hurd starb im Oktober 2019, damit endete die Doppelspitze und jede laufende Gehaltsangabe zu seiner Person. Safra Catz führte den Konzern anschließend allein, bis Oracle am 22. September 2025 Clay Magouyrk und Mike Sicilia zu Vorstandschefs machte und Catz zur Executive Vice Chair des Verwaltungsrats bestellte. Firmengründer Larry Ellison behielt den Posten des Technikchefs und den Vorsitz des Gremiums. Für das Geschäftsjahr 2025 wies Oracle für Catz rund 1,1 Millionen US-Dollar aus, weil in diesem Jahr keine Aktien- oder Optionszuteilung an sie ausgewiesen wurde.
Ämter, die längst endeten
Von den Namen, die die Vergütungsranglisten des Geschäftsjahres 2015 anführten, war ein Jahrzehnt später kaum einer noch im Amt. Jeffrey Immelt gab die Führung von General Electric 2017 an John Flannery ab, der bereits 2018 von Larry Culp ersetzt wurde. David Cote übergab Honeywell Ende März 2017 an Darius Adamczyk, blieb bis April 2018 Executive Chairman und trat 2020 an die Spitze des Verwaltungsrats von Vertiv. Omar Ishrak schied im April 2020 als Vorstandschef von Medtronic aus, Nachfolger wurde Geoff Martha; den Vorsitz des Verwaltungsrats gab Ishrak im Dezember 2020 ab. Sandeep Mathrani führte den Immobilienkonzern General Growth Properties bis zur Übernahme durch den Investor Brookfield, war von Februar 2020 bis Mai 2023 Vorstandschef von WeWork und wechselte danach zum Finanzinvestor Sycamore Partners.
Abfindungen als eigener Posten
Nicht jede große Summe ist ein Gehalt. Philippe Dauman verließ Viacom im August 2016 nach einer Einigung mit der Familie des Firmengründers Sumner Redstone; sein Ausstiegspaket wurde mit rund 72 Millionen US-Dollar ausgewiesen, davon 58 Millionen als Abfindung, und die Geschäfte übernahm zunächst Thomas Dooley. Bei Warner Bros. Discovery war für den Fall des Verkaufs an Paramount Skydance ein Ausstiegspaket für David Zaslav von mindestens 550 Millionen US-Dollar vorgesehen; die Aktionäre stimmten dem Verkauf zu, lehnten die Ausstiegspakete der Führungsspitze in einer unverbindlichen Abstimmung aber ab. Die Übernahme wurde im Juli 2026 ausgesetzt, nachdem zwölf US-Bundesstaaten Klage gegen den Zusammenschluss erhoben hatten; als Termin für das Verfahren wurde März 2027 genannt.
Häufige Fragen zu den CEO-Gehältern
Wer war der bestbezahlte CEO im jüngsten Offenlegungsjahr?
In der Auswertung für das Geschäftsjahr 2025 stand Niraj Shah an der Spitze, der Mitgründer und Vorstandschef des Online-Möbelhändlers Wayfair. Der Grund war keine Gehaltserhöhung, sondern eine einmalige, an Kursstufen gebundene Aktienzuteilung. Auf ihn folgte Hock Tan von Broadcom.
Warum steht Mark Hurd nicht mehr in dieser Rangliste?
Mark Hurd war bis zu seinem Tod am 18. Oktober 2019 gemeinsam mit Safra Catz Vorstandschef der Oracle Corporation. Eine laufende Vergütung gibt es damit nicht mehr, weshalb er in einer Rangliste offengelegter Jahresvergütungen nicht mehr auftaucht.
Wer übernahm die Oracle-Führung nach Mark Hurd?
Safra Catz führte Oracle nach dem Tod von Mark Hurd zunächst als einzige Vorstandschefin. Am 22. September 2025 beförderte der Konzern Clay Magouyrk und Mike Sicilia zu Vorstandschefs und bestellte Catz zur Executive Vice Chair des Verwaltungsrats. Gründer Larry Ellison blieb Technikchef und Vorsitzender des Gremiums.
Woraus besteht das Gehalt eines Vorstandschefs?
Aus vier Bausteinen: einem festen Grundgehalt, einem Bonus aus einem Zielprogramm, Aktienzuteilungen und Optionen. Bei den größten US-Konzernen macht das Festgehalt meist nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtsumme aus. Der Rest hängt an Kurszielen sowie Umsatz- oder Ergebnisvorgaben und fließt oft erst über mehrere Jahre zu.
Warum verändern sich solche Ranglisten so stark?
Einmalige Aktien- und Optionszusagen erscheinen vollständig im Jahr ihrer Gewährung und fehlen danach wieder. Die Geschäftsjahre der Konzerne enden zu unterschiedlichen Terminen, ein Vergleich ist deshalb nur innerhalb einer Offenlegungsrunde sauber. Und an der Spitze wechseln die Personen: Ämter enden, Doppelspitzen entstehen und lösen sich auf, Übernahmen führen ganze Vergütungsstrukturen zusammen.
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