Nico Pliquett verkauft heute Fußmatten und Innenraumteile für Elektroautos, nicht Software. Er verdient auch nicht am Video, sondern am Zubehör, das er darin zeigt. Sein heutiges Handelsgeschäft entstand erst ab Dezember 2019. Wir schätzen das Vermögen von Nico Pliquett auf rund 5 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Nico Pliquett?
Woher der Sprung der letzten Jahre kommt
Seither ist viel passiert: Er hat seine Holding vom Mindestkapital einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft auf das einer GmbH aufgestockt, vier Marken eintragen lassen, das operative Geschäft in eine eigene Gesellschaft abgespalten und zwei Jahresabschlüsse offengelegt. Wer eine Struktur so umbaut, verwaltet keine Nebeneinkünfte, sondern ein Unternehmen.
Was ihm gehört, ist die entscheidende Frage
Bei Unternehmern verwechseln Schätzungen regelmäßig Geschäftsführung mit Eigentum. Ein Geschäftsführer bekommt ein Gehalt, ein Gesellschafter besitzt Substanz.
Bei ihm ist die Antwort eindeutig, und sie wiegt für die Einordnung schwer. Er ist Alleingesellschafter seiner Beteiligungsgesellschaft, und diese ist Alleingesellschafterin der operativen Firma. Es gibt keinen Investor, keine Finanzierungsrunde und keine Fremdbeteiligung. Die Substanz liegt vollständig bei ihm, und genau das unterscheidet ihn von den meisten deutschen Creatorn, etwa von Ron Bielecki.
Zwei Verkäufe in dreizehn Monaten
Der Exit, den jeder kennt
Mit Anfang zwanzig gründete er mit Partnern ein Analysewerkzeug für soziale Netzwerke. Die Idee kam aus der Praxis: Er hatte vorher bei einem Reiseveranstalter für Kitesurfer mitgearbeitet, dessen wichtigster Vertriebskanal ein soziales Netzwerk war.
Ende 2015 übernahm ein Hamburger Wettbewerber die Firma vollständig, alle zwanzig Mitarbeiter gingen mit. Wichtig für die Einordnung: Er sagt selbst, er habe das Unternehmen mitgegründet, und es hatte externe Gesellschafter an Bord. Der Erlös war also auf Mitgründer und Investoren zu teilen. Kaufpreis und Modalitäten haben beide Seiten ausdrücklich nicht offengelegt, deshalb steht bei uns dazu keine Summe.
Der zweite Verkauf, den fast niemand kennt
Dieser zweite Verkauf ergab sich aus dem ersten. Der Kaufpreis wurde nämlich mindestens teilweise in Anteilen am Käufer bezahlt, und er wurde damit selbst Gesellschafter dieses Unternehmens.
Ein Jahr später übernahm eine Kölner Mediengruppe dort die Mehrheit, und die bisherigen Investoren gaben ihre Anteile im Rahmen dieser Transaktion vollständig ab. Damit hat er innerhalb von dreizehn Monaten zweimal verkauft, und beides lief über seine Holding. Ein Beteiligungsverkauf innerhalb einer Kapitalgesellschaft ist steuerlich fast vollständig begünstigt. Das Geld blieb also im Unternehmen, und genau daraus konnte er ab 2019 die Shops ohne Fremdkapital aufbauen. Das ist die eigentliche Geschichte seiner Vermögensbildung.
Was mit der Fernsehshow wirklich war
Häufig wird der Auftritt einer App bei einer bekannten Gründershow als sein Deal dargestellt. Das ist falsch, und der Unterschied ist für die Einordnung seines Vermögens wesentlich.
Gepitcht haben zwei andere Gründer, und der Investor stieg mit 450.000 Euro für 31,6 Prozent ein. Er selbst war lediglich Frühgesellschafter dieser App, über seine Holding und schon vor der Sendung. Der Deal wurde übrigens tatsächlich umgesetzt, anders als bei vielen Zusagen aus diesem Format. Ob er heute noch Anteile hält, ist nicht öffentlich, und deshalb rechnen wir diese Beteiligung nicht ein. Wie die Investorenseite dort aussieht, zeigt Carsten Maschmeyer, und einen Überblick gibt unser Artikel zu den Löwen der Show.
Das heutige Geschäft
Zubehör für zwei Automodelle
Seit Dezember 2019 betreibt er einen Onlineshop für Zubehör einer bestimmten Elektroautomarke, später kam ein zweiter, markenoffener Shop dazu und eine Eigenmarke mit Produktion in Deutschland. Seit 2023 läuft alles gebündelt in einer eigenen Gesellschaft.
Umsatzzahlen sind nicht veröffentlicht, weil es sich um eine kleine Kapitalgesellschaft handelt, die nur eine Bilanz ohne Gewinn- und Verlustrechnung offenlegen muss. Belastbar ist stattdessen die Kundenseite: Auf einem Bewertungsportal liegen über 6.600 Bewertungen bei einem Schnitt von 4,5 von 5, und die Eigenangabe von über 100.000 Kunden passt zu dieser Größenordnung. Bei Warenkörben im dreistelligen Bereich ergibt das über sechs Jahre ein Handelsgeschäft im mittleren Millionenumsatz.
Warum das Geschäft an einem fremden Konzern hängt
Genau hier liegt die Begrenzung nach oben, und sie ist bei ihm der entscheidende Vorbehalt. Sein Kernsortiment war auf zwei Modelle eines Herstellers zugeschnitten.
Die Neuzulassungen dieser Marke sind in Deutschland 2025 um fast die Hälfte eingebrochen, der Marktanteil bei Elektroautos fiel von vierzehn auf vier Prozent. Wer keine Neuwagen verkauft, liefert auch keine Neukunden für Zubehör. Passend dazu ist der Bewertungszufluss auf seinem Portal gegenüber dem Mehrjahresdurchschnitt deutlich zurückgegangen. Der markenoffene Zweitshop, die Eigenmarke und eine 2024 gestartete Agentur sind erkennbar die Antwort darauf.
Der Kanal ist Vertrieb, nicht Einnahmequelle
Sein YouTube-Kanal läuft seit 2017 und ist im Impressum seiner operativen Firma zugeordnet. Er ist damit Marketinginstrument und nicht Geschäftsmodell.
Die einzige Verdienstangabe seiner Laufbahn stammt von ihm selbst aus dem Jahr 2018: rund 19.000 Euro für 15 Millionen Aufrufe innerhalb eines Jahres. Im selben Zusammenhang sagte er, er könne von YouTube allein nicht leben, und diese Einordnung ist der eigentliche Befund. Die Zahl ist inzwischen acht Jahre alt, und deshalb nennen wir sie nicht als laufenden Monatsbetrag. Wie ein Autokanal daneben wirtschaftet, zeigen Jean Pierre Kraemer und Trymacs auf der reinen Creator-Seite.
Was oft falsch über ihn steht
Die alte Firma existiert nicht mehr
Der wichtigste Irrtum zuerst: Er ist nicht mehr Geschäftsführer seiner alten Software-GmbH.
Diese Gesellschaft ist seit dem Verkauf im Käufer aufgegangen und existiert seit über neun Jahren nicht mehr. Auch die Anstellung beim Käufer endete, seit August 2017 arbeitet er nicht mehr als Angestellter. Verdient wird sein Geld heute in einer anderen Gesellschaft, nämlich der operativen Firma seines Zubehörgeschäfts.
Die Sportwagen sind Geschichte
Das Bild vom Luxusauto-Sammler mit Porsche und Lamborghini beschreibt den Stand von 2016 und 2017.
Beides ist weg, den Sportwagen habe er nach einem Unfall abgegeben, und seit 2019 fährt er Elektroautos. Er positioniert sich seit Jahren als Nachhaltigkeitsunternehmer, mit einer Eigenmarke unter dem Stichwort Fairness und Produktion in Deutschland. Wer ihn als Protz zeigt, beschreibt eine Person, die es so seit sieben Jahren nicht mehr gibt.
Der kursierende Monatsbetrag ist eine Hochrechnung
Zu seinem YouTube-Kanal kursiert ein monatlicher Verdienst als harte Zahl. Diese Angabe ist aus der Selbstaussage von 2018 abgeleitet und damit weder belegt noch auf dem heutigen Stand.
Wir nennen deshalb keinen Monatsbetrag, und ebenso keine Abonnentenzahlen seiner Nebenkanäle, die er selbst nirgends mehr führt. Laufende Beträge gehören nicht hart in einen Artikel, weil sie schneller veralten als jede andere Angabe. Wo er unter den Kollegen steht, zeigt die Übersicht der reichsten YouTuber, und wie ein Creator ein zweites Geschäft daneben aufbaut, zeigen Marc Gebauer und MontanaBlack.
Häufige Fragen zum Vermögen von Nico Pliquett
Wie hoch ist das Vermögen von Nico Pliquett?
Wir schätzen es auf rund 5 Millionen Euro. Die Summe setzt sich zusammen aus dem Wert seines Handelsgeschäfts, den Rücklagen seiner Holding aus zwei Beteiligungsverkäufen und privaten Entnahmen aus neun Jahren.
Was hat er verkauft?
Ende 2015 sein mitgegründetes Analysewerkzeug für soziale Netzwerke an einen Hamburger Wettbewerber, ein Jahr später seinen Anteil am Käufer, als dort eine Mediengruppe die Mehrheit übernahm. Beide Kaufpreise sind nicht veröffentlicht.
War er bei Die Höhle der Löwen?
Nein. Gepitcht wurde eine App, an der er über seine Holding als Frühgesellschafter beteiligt war, die Gründer waren aber andere. Der Deal über 450.000 Euro für 31,6 Prozent wurde tatsächlich umgesetzt.
Womit verdient er heute sein Geld?
Mit zwei Onlineshops für Elektroauto-Zubehör und einer Eigenmarke mit Produktion in Deutschland, seit 2023 gebündelt in einer eigenen Gesellschaft. Dazu eine Fahrzeugvermietung, eine Agentur und ein selbst verlegtes Fachbuch.
Lebt er von YouTube?
Nein, und das sagt er selbst. Der Kanal ist der Vertriebskanal für die Shops. Seine einzige veröffentlichte Verdienstangabe von 2018 lag bei rund 19.000 Euro für 15 Millionen Aufrufe in einem Jahr.
Hat er Investoren?
Nein. Beide seiner Gesellschaften sind vollständig in seiner Hand, es gibt keine Finanzierungsrunde und keine Fremdbeteiligung. Das Geschäft ist aus den Erlösen des Verkaufs von 2015 eigenfinanziert.
Bildquellen:
@Nico Pliquett / Facebook