Milliarden Euro
Im Amt seitDezember 2011
Geburtsdatum08. Januar 1984 (42 Jahre alt)
Geboren inPjöngjang, Nordkorea
NationalitätNordkorea
Familienstandverheiratet mit Ri Sol-ju (seit 2010)
BerufStaatsoberhaupt von Nordkorea, Generalsekretär der Partei der Arbeit
Kinder3 (Kim Ju-ae)

Kim Jong-un steht seit Dezember 2011 an der Spitze Nordkoreas und damit an der Spitze eines Staates ohne privates Grundeigentum, ohne veröffentlichte Kontostände und ohne Vermögenserklärung für Amtsträger. Die Frage nach seinem Vermögen ist deshalb eine andere als bei einem Unternehmer oder einem Sportler: Es geht nicht um Eigentumstitel, sondern um die Verfügung über Devisen, die eine Abteilung der Staatspartei beschafft und verwaltet. Wir schätzen das Vermögen von Kim Jong-un auf rund 4,2 Milliarden Euro. Die Zahl beschreibt diese Verfügungsgewalt und nicht persönliches Eigentum.

Wie hoch ist das Vermögen von Kim Jong-un?

Kim Jong-un Vermögen Nach unserer Schätzung kommt Kim Jong-un auf rund 4,2 Milliarden Euro. In Nordkorea läuft kein Weg an einer Vorentscheidung vorbei: Was gilt als seines, und was gehört dem Staat, den er führt? Der Boden gehört dem Staat, die Betriebe gehören dem Staat, eine Bank veröffentlicht keine Kontostände, und ein Register, in dem Eigentum von Amtsträgern verzeichnet wäre, existiert nicht. Jede Zahl zu dieser Person ist deshalb eine Aussage darüber, worüber sie verfügt, und keine Aufstellung von Besitz.

Was in die Schätzung eingeht

Eingerechnet sind die Devisen im Ausland, über die die Staatsführung frei verfügt und die an keinen Haushalt gebunden sind. Nicht eingerechnet sind die Staatsbetriebe, die Reserven der Zentralbank, der Grundbesitz des Staates und das Gerät der Streitkräfte. Diese Trennlinie ist die einzige, die sich sauber ziehen lässt. In einem Staat, der alles Eigentum auf sich vereinigt, braucht der Mann an der Spitze keinen privaten Besitz, und er hat keinen Anlass, welchen zu dokumentieren. Bei Mohammed bin Salman stellt sich dieselbe Frage, nur mit dem Unterschied, dass dort einzelne Käufe über Gesellschaften belegt sind.

Was dem Staat gehört und was der Person

Der Kumsusan-Palast in Pjöngjang ist das Mausoleum für Kim Il-sung und Kim Jong-il und damit ein Staatsbau, kein Wohnsitz. Dasselbe gilt für die Residenzen, den Sonderzug und die Jachten, die in Berichten über den Machthaber auftauchen: Sie hängen am Amt und nicht an der Person. Diese Unterscheidung ist keine Besonderheit Nordkoreas: Beim Vermögen von König Charles III. trennt sie das Kronvermögen vom persönlichen Eigentum, nur ist sie dort öffentlich nachvollziehbar. Auch die großen Bauten gehören dem Staat. Das Ryugyong Hotel in Pjöngjang, 1987 unter seinem Großvater begonnen und mit 3.000 Zimmern und sieben Drehrestaurants geplant, verschlang nach Schätzungen 750 Millionen US-Dollar und damit rund zwei Prozent der damaligen Wirtschaftsleistung des Landes. Eröffnet wurde es nie. Das Skigebiet Masikryong, 2013 in Betrieb genommen, ist ebenfalls ein staatliches Prestigeprojekt. Wer solche Anlagen einer Person zuschlägt, rechnet den Staatshaushalt in ein Privatvermögen um. Genau dieser Fehler steckte jahrelang in den Angaben zu Fidel Castro, dessen geschätzter Reichtum sich aus Staatsbetrieben speiste.

Woher die kursierenden Vermögenszahlen stammen

Der Fonds, den die Zahl meint

Die Summe, die in Profilen und Listen für Kim Jong-un steht, geht auf eine einzige Einschätzung zurück. Ein Analyst der Industrial Bank of Korea in Seoul beschrieb 2017 gegenüber der japanischen Zeitung Asahi Shimbun einen Fonds, den die Führung des Landes über drei Generationen zum Regieren einsetzt. Nach dieser Darstellung liegt das Geld auf Auslandskonten in der Schweiz, in Hongkong und in Staaten des Nahen Ostens, die nicht auf die Namen der Führung lauten. Bezahlt werden daraus Geschenke an verdiente Funktionäre, Importe für die Führungsschicht und Staatsaufgaben.

Damit misst die Zahl etwas anderes, als ihr Etikett verspricht. Sie beziffert keine Person, sondern eine Kasse. Wer sie als Privatvermögen führt, schreibt einem Menschen zu, was einer Struktur gehört. Dieselbe Unschärfe zieht sich durch die Angaben zu Wladimir Putin und Xi Jinping, wo ebenfalls Mittel des Staates und Mittel der Person in einen Topf wandern.

Die ältere Spur aus Europa

Vor dieser Einschätzung gab es eine ältere, und sie galt nicht ihm. Im März 2010 berichtete der britische Daily Telegraph über Guthaben seines Vaters Kim Jong-il bei europäischen Banken und stützte sich dabei auf südkoreanische Regierungsvertreter. Das Geld habe zuvor in der Schweiz gelegen und liege nun in Luxemburg. Kim Jong-il starb im Dezember 2011, und danach wanderte dieselbe Summe in den Profilen auf den Sohn über, ohne dass zu ihr je ein Konto, ein Kontostand oder ein Inhaber veröffentlicht worden wäre.

Das erklärt, warum die Angaben überall gleich aussehen: Sie haben eine einzige Wurzel und werden seit 2010 weitergereicht. Ein zweiter, unabhängiger Befund ist nie dazugekommen. Anders als bei Donald Trump, dessen Firmenvermögen sich aus Pflichtangaben und Gerichtsakten nachzeichnen lässt, gibt es hier keine Unterlage, gegen die sich eine Zahl prüfen ließe.

Büro 39 und die Devisen der Staatspartei

Was die Sanktionsbehörden festhalten

Kim Jong-un Geld Büro 39 ist eine Abteilung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas. Das US-Finanzministerium beschreibt sie als Stelle, die der Staatsführung Devisen beschafft und Sondermittel verwaltet. Am 30. August 2010 nahm ein Erlass des US-Präsidenten das Büro in den Anhang einer Sanktionsliste auf. Am 18. November 2010 folgten die Korea Daesong Bank und die Korea Daesong General Trading Corporation als benannte Knotenpunkte desselben Finanznetzes.

Für die Vermögensfrage zählt die Zuordnung: Das Geld dieser Struktur gehört der Partei. Wer an der Spitze steht, verfügt darüber, solange er an der Spitze steht. Ein Erbe im üblichen Sinn ist es nicht, und verkaufen, verpfänden oder mitnehmen lässt es sich ebenso wenig.

Woher die Devisen kommen

Die Einnahmequellen sind bekannt und Gegenstand von Beschlüssen des UN-Sicherheitsrats: Kohle und Mineralien, Arbeitskräfte, die im Ausland eingesetzt werden und deren Lohn zum größten Teil an den Staat geht, Rüstungsgeschäfte und zuletzt der Diebstahl von Kryptowährungen. Für den bislang größten Einzelfall nannte das FBI am 26. Februar 2025 nordkoreanische Akteure als Verantwortliche: Bei der Handelsplattform Bybit verschwanden Werte von rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Solche Beträge sind der Stoff, aus dem die Zahlen zum Vermögen des Machthabers gebildet werden, und sie zeigen zugleich, dass es um Staatseinnahmen geht. Ein Geschäftsmodell, das auf eine Person zuläuft, wie es der Artikel zu Pablo Escobar beschreibt, ist das nicht.

Warum Guthaben im Land nicht zählen

Ein zweiter Punkt erklärt, warum sich die Vermögensfrage zu Nordkorea nur über Devisen beantworten lässt: Geld innerhalb des Landes lässt sich nicht herausbringen. Der ägyptische Orascom-Konzern baute ab 2008 das Mobilfunknetz Koryolink auf und hielt Ende Juni 2015 Guthaben, die zum amtlichen Kurs 653 Millionen US-Dollar wert waren. Umtauschen und ausführen konnte er sie nicht. Im November 2015 schrieb Orascom das Gemeinschaftsunternehmen ab. Was in Nordkorea liegt, ist außerhalb Nordkoreas nichts wert. Für jede Schätzung zählt deshalb allein, was im Ausland liegt.

Sanktionen und eingefrorene Guthaben

Die Listung der Person

Am 6. Juli 2016 setzte das US-Finanzministerium Kim Jong-un selbst auf die Sanktionsliste. Seit diesem Tag ist jedes Vermögen gesperrt, das sich in der Zuständigkeit der Vereinigten Staaten befindet, und Geschäfte von US-Personen mit ihm sind untersagt. Grundlage waren zwei Erlasse des US-Präsidenten, die auf die Regierung und die Staatspartei Nordkoreas zielen, und nicht die Entdeckung von Konten. Ein gesperrtes Konto auf seinen Namen ist nie veröffentlicht worden. Eine Sperre wirkt dort, wo Guthaben liegen, und wo keine liegen, bleibt sie ein Signal.

Der Fall Banco Delta Asia

Wie ein Einfrieren aussieht, wenn es greift, zeigt ein Vorgang aus Macau. Im September 2005 stufte das US-Finanzministerium die dortige Banco Delta Asia als vorrangiges Geldwäscherisiko ein. Rund 25 Millionen US-Dollar auf nordkoreanischen Konten wurden daraufhin gesperrt. Die Sperre hielt bis 2007, dann wurde das Geld freigegeben und über eine chinesische Bank zurückgeführt. Die Konten liefen auf Handelsgesellschaften und staatliche Stellen. Es war kein privates Depot, sondern die Auslandskasse des Staates. Das ist der bislang einzige Vorgang, bei dem nordkoreanisches Geld im Ausland tatsächlich festlag, und er betraf den Staat.

Das Hostel auf dem Botschaftsgelände in Berlin

Wie klein die einzelnen Beträge dabei sind, zeigt ein Berliner Fall. Auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft in Berlin-Mitte betrieb ein Unternehmen seit 2007 ein Hostel. Der Mietvertrag von 2016 sah 38.000 Euro im Monat vor, die an die Botschaft gingen. Seit 2017 verbietet eine EU-Verordnung Immobiliengeschäfte mit Nordkorea. Das Bezirksamt Mitte untersagte die Nutzung im November 2018, das Verwaltungsgericht Berlin bestätigte die Untersagung am 28. Januar 2020. Solche Quellen sind für das Regime kein Nebengeschäft: Die Devisen entstehen aus vielen kleinen Geschäften im Ausland, und jedes einzelne davon muss gesondert trockengelegt werden.

Häufige Fragen zu Kim Jong-un

Wie hoch ist das Vermögen von Kim Jong-un?

Wir schätzen es auf rund 4,2 Milliarden Euro. Die Zahl steht für die Devisen, über die die Staatsführung verfügt, und nicht für Eigentum, das auf seinen Namen läuft.

Woher stammt das Geld von Kim Jong-un?

Aus dem Außenhandel des Staates, aus der Arbeit von Nordkoreanern im Ausland, aus Rüstungsgeschäften und aus dem Diebstahl von Kryptowährungen. Verwaltet werden diese Devisen von Büro 39, einer Abteilung der Staatspartei.

Gehören Kim Jong-un die Paläste und Residenzen in Nordkorea?

Nein. Grund und Boden sowie die Bauten sind Staatseigentum. Sie stehen dem Amt zur Verfügung und wechseln mit dem Amt.

Bekommt Kim Jong-un ein Gehalt?

Nordkorea veröffentlicht keine Bezüge für Amtsträger, und eine Vermögenserklärung gibt es nicht. Bei Angela Merkel stehen die Amtsbezüge im Bundeshaushalt, für Pjöngjang existiert keine vergleichbare Angabe.

Was bewirken die Sanktionen gegen Kim Jong-un?

Die USA setzten ihn 2016 persönlich auf die Sanktionsliste, seither ist Vermögen in ihrer Zuständigkeit gesperrt. Erreicht haben Sanktionen bisher vor allem Konten von Staatsbetrieben und Handelsgesellschaften.

Illustrationen: rogistok / Bigstock.com