Millionen Euro
WohnsitzNeuseeland
2012 beschlagnahmt18 Luxusautos, Kunst und Guthaben auf 64 Konten
In den USA endgültig eingezogen (2017)rund 40 Millionen US-Dollar
Frühere UnternehmenData Protect, Megaupload, Mega, Bitcache
Geburtsdatum21. Januar 1974 (52 Jahre alt)
Geboren inKiel, Deutschland
NationalitätDeutsch und Finnisch
Familienstandverheiratet mit Elizabeth Donnelly (seit 2018)
BerufInternet-Unternehmer
Voller NameKim Schmitz
SpitznameKimble
Kinder6 (Kylee, Kimmo, Keera, Kaylo, Kobi)

Kim Dotcom, geboren als Kim Schmitz am 21. Januar 1974 in Kiel, ist ein deutsch-finnischer Internet-Unternehmer und der Gründer des Sharehosters Megaupload. Sein Geld stammt aus IT-Sicherheitsdiensten, vor allem aber aus einer Plattform, die zeitweise zu den fünfzehn meistbesuchten Seiten der Welt zählte. Seit deren Schließung im Januar 2012 ist der größere Teil davon für ihn nicht mehr verfügbar, weil er eingezogen oder eingefroren wurde. Wir schätzen das frei verfügbare Vermögen von Kim Dotcom auf rund 5 Millionen Euro. Die Zahl beschreibt, was ihm heute zuzurechnen ist, nicht das, was vor der Razzia auf seinen Konten lag.

Wie hoch ist das Vermögen von Kim Dotcom?

Die Vermögensfrage ist hier ungewöhnlich schwer zu beantworten, weil sich Dotcoms Besitz auf drei Töpfe verteilt: einen endgültig eingezogenen, einen weiterhin gesperrten und einen frei verfügbaren. Nur der letzte ist ein Vermögen im gewöhnlichen Sinn, und nur ihn bildet unsere Zahl ab. Nach unserer Schätzung kommt Kim Dotcom auf rund 5 Millionen Euro. Wer deutlich höhere Beträge zu ihm liest, liest fast immer Beschlagnahmesummen und keinen Besitz.

Was von den beschlagnahmten Werten übrig geblieben ist

Bei der Razzia im Januar 2012 stellten die neuseeländischen Behörden 18 Luxusautos sicher, dazu Kunst, Fernseher und Uhren. Gleichzeitig wurde der Zugriff auf 64 Bankkonten in mehreren Ländern gesperrt, außerdem auf Staatsanleihen und Guthaben bei Zahlungsdienstleistern. Ein neuseeländisches Gericht gab im August 2012 rund 6 Millionen neuseeländische Dollar frei, damit Dotcom Anwaltsrechnungen und Miete zahlen konnte; neun der Autos durfte er verkaufen.

Der entscheidende Einschnitt kam fünf Jahre später. Ein US-Gericht hatte Dotcom als flüchtig eingestuft und ihm damit das Recht abgesprochen, sich gegen die zivilrechtliche Einziehung zu wehren. Nachdem der Supreme Court der Vereinigten Staaten im Oktober 2017 die Annahme des Falls ablehnte, waren rund 40 Millionen US-Dollar endgültig verloren. Weitere rund 60 Millionen US-Dollar liegen in Hongkong, dieser Streit ist offen. Schon im November 2014 hatte Dotcom sich selbst für zahlungsunfähig erklärt; sein Anwalt Ira Rothken bezifferte die Verteidigungskosten damals auf rund 10 Millionen US-Dollar.

Welche Vermögenswerte ihm heute zuzurechnen sind

Auf Kim Dotcom läuft ein Grundstück in Coatesville nördlich von Auckland, unweit jenes Anwesens, in dem er 2012 festgenommen wurde. Der amtliche Schätzwert liegt bei mehr als 6 Millionen neuseeländischen Dollar. Das ist der größte klar zuzuordnende Einzelposten und der Hauptgrund, warum unsere Schätzung über dem liegt, was ein zahlungsunfähiger Privatmann sonst ausweisen würde.

Das Wohnhaus der Familie in Glenorchy bei Queenstown zählt dagegen nicht dazu. Es wurde 2021 für 15,1 Millionen neuseeländische Dollar von der Gesellschaft American Dream erworben, die seine Frau Elizabeth kontrolliert, und in voller Höhe über ein Darlehen des Krypto-Unternehmers Roger Ver finanziert. Die Zinszahlungen endeten nach dem 31. Dezember 2024, und im Juni 2026 verpflichtete der High Court die Gesellschaft, Ver die vereinbarte Hypothek einzutragen. Rechnerisch bleibt daraus kein Eigenkapital. Dazu kommen Schulden: Die von Dotcom gegründete Bitcache Ltd ging im Juli 2023 in Liquidation und schuldet ihren Gläubigern rund eine Million neuseeländische Dollar. Dotcom gehört damit zu den Unternehmern, deren Vermögen nicht an schlechten Geschäften zerbrach, sondern an einem Verfahren, ähnlich wie bei Michail Chodorkowski oder, in kleinerem Maßstab, bei Boris Becker.

Womit Kim Dotcom sein Geld verdient hat

Megaupload spielte in der Liga von Angeboten, deren Gründer wie Mark Zuckerberg oder Larry Page heute zu den reichsten Menschen der Welt zählen. Bei Dotcom lief es umgekehrt.

Data Protect, Kimvestor und die Jahre vor Megaupload

Kim Dotcom Vermögen

Seine erste Firma war die Data Protect Consulting GmbH in München, gegründet mit den Honoraren aus einem Beratervertrag über Sicherheitslücken im Mobilfunknetz. Der TÜV Rheinland kaufte 80 Prozent der Anteile, Schmitz blieb mit 20 Prozent beteiligt; 2001 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Im selben Jahr war eine Gesellschaft namens Kimvestor seine wichtigste Einnahmequelle.

Ebenfalls 2001 kaufte er Aktien des angeschlagenen Online-Händlers letsbuyit.com für 375.000 Euro und kündigte kurz darauf an, 50 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren. Der Kurs zog an, die Investition kam nie zustande, und Schmitz nahm rund 1,5 Millionen Euro Gewinn mit. Wegen Insiderhandels wurde er dafür 2003 zu einer Bewährungs- und einer Geldstrafe verurteilt. Solche Kursgeschäfte stehen in einer langen Reihe von Vermögen aus zweifelhaften Quellen, das bekannteste ist das von Jordan Belfort.

Megaupload als das große Geschäft

Im Februar 2003 gründete er die Data Protect Limited, die er 2005 in Megaupload umbenannte. Aus dem Filehoster wurde eine der größten Seiten des Netzes: über 150 Beschäftigte, 180 Millionen registrierte Nutzer, rund 50 Millionen Besucher am Tag und zeitweise vier Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Der Umsatz lag bei rund 175 Millionen US-Dollar, auf dem Höhepunkt verdiente Dotcom daran nach Berichten etwa 150.000 US-Dollar am Tag.

Das Geld kam aus Werbung und aus Premiumkonten, mit denen Nutzer schneller luden. Genau diese Einnahmen sind der Kern der US-Anklage, die der Betreibergesellschaft vorwirft, planmäßig an urheberrechtlich geschützten Inhalten verdient zu haben. Dotcom weist das zurück und verweist darauf, dass Megaupload beanstandete Dateien auf Meldung hin gelöscht habe.

Mega, Baboom und Bitcache

Ein Jahr nach der Schließung startete Dotcom im Januar 2013 den Nachfolgedienst Mega. Schon im September 2013 legte er den Direktorenposten nieder, und bis Juli 2015 war die Verbindung ganz gekappt: Seine Anteile hatten die neuseeländischen Behörden erfasst, weitere lagen in einem gesperrten Familientreuhandvermögen, und über Zukäufe verschob sich die Mehrheit zu neuen Investoren. Dotcom sprach danach von einer feindlichen Übernahme und riet Nutzern vom Dienst ab. Mega arbeitet weiter, Erträge daraus fließen ihm nicht zu.

Auch die späteren Projekte trugen nichts bei. Der Musikdienst Baboom, mit dem er Künstlern eine Alternative zu Plattformen wie Spotify versprach, wurde 2015 nach weniger als einem Jahr eingestellt. Die 2016 gegründete Bitcache Ltd, an der Roger Ver 12,5 Prozent hielt, sollte Kleinstzahlungen für digitale Inhalte über Bitcoin abwickeln und ging in Liquidation, bevor sie den Regelbetrieb erreichte. Ein für November 2019 geplanter Verkauf eigener Token unter dem Namen K.im wurde wegen unklarer Regulierung abgesagt.

Musik, Politik und der Lebensstil vor der Razzia

Ein Album und eine eigene Partei

Am 20. Januar 2014 erschien sein einziges Studioalbum „Good Times“ auf dem eigenen Label Kimpire Music und erreichte Platz 8 der neuseeländischen Albumcharts. Davor und danach veröffentlichte er einzelne Titel, darunter „Megaupload“ (2011), „Mr President“ (2012) und „Good Life“ (2016).

Teurer war die Politik. 2014 gründete Dotcom die Internet Party und steckte 3,5 Millionen neuseeländische Dollar aus eigener Tasche hinein, nach Angaben der dortigen Wahlkommission die höchste private Einzelzuwendung an eine Partei, die je verzeichnet wurde. Die Partei blieb bei zwei Wahlen ohne Sitz und wurde 2018 abgemeldet. Sein Daueraufenthaltsrecht von 2010 beruht auf einer Investorenregelung, die eine Anlage von 10 Millionen Dollar im Land verlangt; Neuseeland zieht damit seit Jahren vermögende Ausländer an, unter ihnen Investoren wie Peter Thiel.

Autos, Mieten und das Anwesen in Coatesville

Das Bild des schwerreichen Sammlers stammt aus der Zeit vor 2012. Beim Gumball 3000 gewann Schmitz 2001 mit einem als „Megacar“ beschrifteten Mercedes Brabus SV12, und für ein Silvesterfeuerwerk in Auckland gab er 600.000 neuseeländische Dollar aus.

Das berühmte Anwesen in Coatesville, in dem er festgenommen wurde, hat ihm nie gehört. Er mietete es ab 2010 für eine Million neuseeländische Dollar im Jahr, der Kauf scheiterte an den Regeln für ausländische Erwerber. 2016 ging das Haus für 32,5 Millionen neuseeländische Dollar an die Eigentümerfamilie des Spielwarenherstellers Zuru. Auch das erklärt, warum von den einst sichtbaren Werten wenig auf ihn selbst eingetragen war.

Das Verfahren gegen Kim Dotcom und was es kostet

Die Razzia und die Vorwürfe

Am 5. Januar 2012 erhob eine Anklagejury im US-Bundesstaat Virginia Anklage gegen Dotcom und weitere Verantwortliche von Megaupload. Die zwölf Anklagepunkte umfassen unter anderem organisierte Kriminalität, Verschwörung zur Urheberrechtsverletzung, Geldwäsche und Überweisungsbetrug. Am 20. Januar 2012 stürmten 76 Polizisten mit zwei Hubschraubern das gemietete Anwesen in Coatesville. Zu einem Hauptverfahren in den USA ist es bislang nicht gekommen, Dotcom bestreitet die Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Teile des behördlichen Vorgehens waren rechtswidrig. Im Juni 2012 stellte der High Court fest, dass die Durchsuchungsbeschlüsse zu weit gefasst und damit unwirksam waren und dass die Weitergabe kopierter Festplatten an das FBI gegen geltendes Recht verstieß. 2017 einigte sich Dotcom mit der neuseeländischen Polizei außergerichtlich, die Höhe der Zahlung wurde nicht offengelegt.

Der Auslieferungsstreit

Ein Bezirksgericht erklärte Dotcom im Dezember 2015 für auslieferungsfähig, der High Court bestätigte das im Februar 2017, allerdings nicht wegen Urheberrechtsverletzung, sondern gestützt auf allgemeine Betrugsvorschriften. Das Berufungsgericht folgte im Juli 2018, der Supreme Court im November 2020, ließ aber zugleich eine verwaltungsgerichtliche Überprüfung zu. Am 15. August 2024 unterzeichnete Justizminister Paul Goldsmith die Auslieferungsanordnung.

Am 1. Juli 2026 wies das Berufungsgericht in Wellington diese Überprüfung in allen Punkten ab und legte Dotcom die Verfahrenskosten auf. Sein Anwalt Ron Mansfield KC kündigte an, beim Supreme Court die Zulassung eines letzten Rechtsmittels zu beantragen; ob das Gericht den Fall annimmt, entscheidet es selbst. Vollzogen war die Auslieferung nach diesem Urteil nicht. Seine Mitangeklagten Mathias Ortmann und Bram van der Kolk hatten sich zuvor mit den Strafverfolgungsbehörden verständigt und wurden am 15. Juni 2023 in Neuseeland zu zwei Jahren und sieben beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Gesundheit und Wohnsituation

Im November 2024 machte Dotcom über seinen Account beim Kurznachrichtendienst X selbst öffentlich, dass er einen schweren Schlaganfall erlitten habe. 2025 zog er zur Behandlung in ein gemietetes Haus in Mosgiel bei Dunedin; gekauft hat er es nach eigener Aussage nicht. Der Justizminister sah in seinem Gesundheitszustand keinen Grund, die Auslieferung auszusetzen.

Häufige Fragen zu Kim Dotcom

Wie hoch ist das Vermögen von Kim Dotcom?

Wir schätzen sein frei verfügbares Vermögen auf rund 5 Millionen Euro. Nicht enthalten sind die in den USA eingezogenen sowie die in Neuseeland und Hongkong gesperrten Werte, auf die er keinen Zugriff hat.

Woher stammt das Vermögen von Kim Dotcom?

Aus dem Internetgeschäft. Die erste Grundlage legte die Münchner Data Protect Consulting GmbH, deren Mehrheit der TÜV Rheinland übernahm. Das große Geld kam von Megaupload, das über Werbung und Premiumkonten rund 175 Millionen US-Dollar Umsatz erzielte.

Wie viel von Kim Dotcoms Vermögen wurde beschlagnahmt?

Bei der Razzia 2012 wurden 18 Luxusautos, Kunst und Guthaben auf 64 Konten in mehreren Ländern gesperrt. Rund 40 Millionen US-Dollar davon wurden nach der Entscheidung des US Supreme Court vom Oktober 2017 endgültig eingezogen, weitere rund 60 Millionen US-Dollar liegen in Hongkong.

Gehört Kim Dotcom noch zum Cloud-Dienst Mega?

Nein. Er gab den Direktorenposten im September 2013 ab, seit 2015 hält er keine Anteile mehr, und er hat sich öffentlich von dem Dienst distanziert. Erträge aus dem laufenden Geschäft fließen ihm nicht zu.

Womit verdient Kim Dotcom heute Geld?

Eine laufende unternehmerische Einnahmequelle ist nicht belegt. Bitcache wurde 2023 liquidiert, Baboom 2015 eingestellt, und der Token-Verkauf K.im kam nie zustande. Was ihm bleibt, ist im Wesentlichen Grundbesitz in Neuseeland.

Foto: @KimDotcom