Das „The International“ ist die von Valve ausgetragene Weltmeisterschaft im Fünf-gegen-Fünf-Spiel Dota 2 und seit der ersten Ausgabe 2011 der Maßstab für Preisgelder im Esports. Valve legt jedes Jahr eine Basissumme von 1,6 Millionen US-Dollar auf den Tisch, den weitaus größeren Teil steuert die Spielerschaft selbst bei, indem sie digitale Turnierinhalte kauft. Kein anderes Einzelturnier der Branche hat je so viel ausgeschüttet: Bei der Ausgabe 2021 lag das Gesamtpreisgeld bei 40.018.195 US-Dollar. Dieser Wert ist bis heute unerreicht, denn Valve hat die Finanzierung seither grundlegend umgebaut.
Wie das Preisgeld bei The International entsteht
Das Turnier hat zwei Geldquellen: Valve selbst und die Spielerschaft, die über den Kauf digitaler Gegenstände mitfinanziert. Die zweite ist die entscheidende. Dieses Modell hat den Esports jahrelang geprägt und erklärt die Rekordsummen der späten 2010er-Jahre ebenso wie den Rückgang danach.
Basissumme und der Anteil der Community
Bei den ersten beiden Ausgaben 2011 in Köln, damals im Rahmen der Gamescom, und 2012 in Seattle zahlte Valve das komplette Preisgeld aus eigener Kasse: jeweils 1,6 Millionen US-Dollar, davon eine Million an das Siegerteam. 2013 kam das Compendium hinzu, ein kaufbares digitales Turnierheft, von dessen Erlös 25 Prozent in den Preisgeldtopf flossen. Daraus wurde später der Battle Pass, ein umfangreiches Paket mit Spielinhalten. Mit ihm stiegen die Summen von 2.874.380 US-Dollar im Jahr 2013 auf 34.330.068 US-Dollar im Jahr 2019.
Für die Ausgabe 2026 hat Valve das Verfahren erneut umgestellt. Statt eines Battle Pass gibt es Supporter Bundles für die 16 teilnehmenden Teams und für mehr als 100 Kommentatoren und Analysten. Vom Kaufpreis gehen 50 Prozent an das jeweilige Team oder Talent, 30 Prozent in den Preisgeldtopf, der Rest bleibt bei Valve. Der Anteil für das Turnier ist damit höher als zur Battle-Pass-Zeit, die Verkaufsbasis dafür deutlich kleiner.
Wie sich das Geld auf die Platzierungen verteilt
Die Verteilung ist stark auf die Spitze zugeschnitten. Auf das Siegerteam entfallen je nach Ausgabe rund 40 bis 45 Prozent der Gesamtsumme, der Zweitplatzierte kommt auf gut ein Zehntel, der Dritte auf etwa sieben Prozent. Ein Team besteht aus fünf Spielern, die die Prämie unter sich aufteilen, in der Regel gemeinsam mit dem Trainerstab.
Die Tabelle zeigt die Gesamtsummen und die Prämien der vorderen Plätze von 2011 bis 2019. Für 2020 steht keine Summe darin, weil kein Turnier ausgetragen wurde.
| Jahr | Gesamt | 1. Platz | 2. Platz | 3. Platz | 4. Platz | 5./6. | 7.8. | Ort |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 2.881.791$ | 1.224.732$ | 374.676$ | 259.319$ | 172.918$ | 144.079$ | 115.240$ | Hamburg |
| 2024 | 2.776.566$ | 1.249.445$ | 388.721$ | 249.843$ | 166.562$ | 97.180$ | 69.382$ | Kopenhagen |
| 2023 | 3.380.455$ | 1.521.362$ | 405.637$ | 270.499$ | 185.898$ | 109.925$ | 84.489$ | Seattle |
| 2022 | 18.930.775$ | 8.518.822$ | 2.461.033$ | 1.703.810$ | 1.135.835$ | 662.543$ | 473.293$ | Singapur |
| 2021 | 40.018.195$ | 18.208.300$ | 5.202.400$ | 3.601.600$ | 2.401.100$ | 1.400.600$ | 1.000.500$ | Bukarest |
| 2020 | kein Turnier | - | - | - | - | - | - | Stockholm (abgesagt) |
| 2019 | 34.330.068$ | 15.620.181$ | 4.462.908$ | 3.089.706$ | 2.059.804$ | 1.201.552$ | 858.252$ | Shanghai |
| 2018 | 25.532.177$ | 11.190.158$ | 4.069.148$ | 2.670.379$ | 1.780.252$ | 1.144.448$ | 635.804$ | Vancouver |
| 2017 | 24.787.916$ | 10.862.683$ | 3.950.067$ | 2.592.231$ | 1.728.154$ | 1.110.956$ | 617.198$ | Seattle |
| 2016 | 20.770.460$ | 9.139.002$ | 3.427.126$ | 2.180.898$ | 1.453.932$ | 934.671$ | 519.262$ | Seattle |
| 2015 | 18.429.613$ | 6.616.014$ | 2.848.562$ | 2.205.338$ | 1.562.114$ | 1.182.011$ | 818.316$ | Seattle |
| 2014 | 10.931.103$ | 5.028.308$ | 1.475.699$ | 1.038.455$ | 819.833$ | 655.866$ | 519.227$ | Seattle |
| 2013 | 2.874.381$ | 1.437.190$ | 632.364$ | 287.438$ | 201.207$ | 114.975$ | 43.116$ | Seattle |
| 2012 | 1.600.000$ | 1.000.000$ | 250.000$ | 150.000$ | 80.000$ | 35.000$ | 35.000$ | Seattle |
| 2011 | 1.600.000$ | 1.000.000$ | 250.000$ | 150.000$ | 80.000$ | 35.000$ | 35.000$ | Köln |
Vom Rekordpreisgeld zum Bruchteil davon
Der interessantere Teil der Geschichte ist nicht der Rekord, sondern was danach kam. Zwischen 2021 und 2024 schrumpfte das Gesamtpreisgeld auf weniger als ein Zehntel, und zwar nicht wegen fehlenden Interesses am Spiel, sondern wegen zweier Entscheidungen von Valve.
Der Höhepunkt in Bukarest
Die für August 2020 in Stockholm geplante zehnte Ausgabe fiel der Covid-19-Pandemie zum Opfer. Valve verschob sie mehrfach und trug sie im Oktober 2021 in Bukarest aus. Weil der Battle Pass dadurch ungewöhnlich lange im Verkauf war, wuchs der Topf auf 40.018.195 US-Dollar. Sieger Team Spirit nahm davon 18.208.300 US-Dollar mit, also gut 3,6 Millionen US-Dollar pro Spieler. Der zweitplatzierte PSG.LGD erhielt 5.202.400 US-Dollar, Team Secret als Dritter 3.601.600 US-Dollar. Eine höhere Prämie hat bis heute kein Team bei einem Esports-Turnier bekommen.
Warum Valve das Finanzierungsmodell umstellte
2022 riss die Serie der Steigerungen: Der Battle Pass verkaufte sich schlechter, das Turnier in Singapur kam auf 18.930.775 US-Dollar und blieb erstmals unter dem Vorjahr. Im Jahr darauf ersetzte Valve den Battle Pass durch ein deutlich schlankeres Compendium. Im September 2023 folgte die zweite Entscheidung: Der Dota Pro Circuit, das seit 2017 bestehende Ligensystem mit Punkten und festen Turnierplätzen, wurde nach der Saison eingestellt.
Die Wirkung war sofort messbar. Innerhalb von zwei Jahren fiel das Gesamtpreisgeld von 40.018.195 auf 3.380.455 US-Dollar, das war der Stand des Turniers 2023 in Seattle. 2024 in Kopenhagen kamen 2.776.566 US-Dollar zusammen, 2025 in Hamburg 2.881.791 US-Dollar. Seit 2024 liegt die Gesamtsumme damit unter drei Millionen US-Dollar, also wieder etwa auf dem Niveau von 2013, dem ersten Jahr mit Beteiligung der Community.
Was der Einbruch für die Profis bedeutet
Für die Spieler hat sich die Rechnung verändert. Das Siegerteam von 2025, Team Falcons, erhielt 1.145.108 US-Dollar und damit rund 229.000 US-Dollar pro Kopf, bei der Rekordausgabe 2021 war es knapp das Sechzehnfache. Gleichzeitig verteilt sich das Geld heute über mehr Turniere im Jahr, etwa den Esports World Cup in Riad und die BLAST-Slam-Serie, statt sich in einem einzigen Event zu bündeln.
Wer im Esports langfristig verdient, tut das ohnehin selten allein über Preisgelder. Streaming und Sponsoring tragen den größeren Teil, wie sich an den Einnahmen von Ninja und Shroud zeigt, die beide als Wettkampfspieler angefangen haben, sowie an denen von Dr Disrespect, MontanaBlack und Papaplatte. Wie viel bei den Wettkampfspielern selbst zusammenkommt, zeigt unsere Liste der reichsten Pro-Gamer und Esports-Stars.
Austragungsort, Termine und Preisgeldtopf
Bis 2017 fand das Turnier mit Ausnahme der Premiere in Köln immer in Seattle statt, dem Firmensitz von Valve. Seit 2018 wandert es durch die Welt, unter anderem nach Vancouver, Singapur, Kopenhagen und Hamburg.
Der Turnierkalender
- Austragungsort: Oriental Sports Center in Shanghai, China
- Gruppenphase im Schweizer System: 13. bis 16. August 2026
- Main Event mit den besten acht Teams: 20. bis 23. August 2026
- Teilnehmer: 16 Teams
- Titelverteidiger: Team Falcons, Sieger 2025 in Hamburg
Aus der Gruppenphase im Schweizer System ziehen acht der 16 Mannschaften in das Main Event ein, das im Doppel-K.-o.-Modus gespielt wird. Es ist die fünfzehnte Ausgabe der 2011 gestarteten Reihe.
Der vorläufige Preisgeldtopf
Die Basis liegt wie in jedem Jahr seit 2011 bei 1,6 Millionen US-Dollar, dazu kommen 30 Prozent der Erlöse aus den Supporter Bundles. Zum Stichtag 6. August 2026 stand der Topf bei 2.569.655 US-Dollar, davon 969.655 US-Dollar aus Bundle-Verkäufen. Diese Summe ist ausdrücklich vorläufig, denn sie wächst bis zum Ende des Turniers weiter. Eine Endsumme nennen wir deshalb nicht, sie steht erst nach dem Finale fest.
Alle Sieger von The International
Die Tabelle führt jede Ausgabe mit Sieger, zweitem und drittem Platz auf. Die Zeile für 2020 trägt kein Ergebnis, weil das Turnier ausfiel und als The International 10 erst 2021 nachgeholt wurde.
| Jahr | Sieger | 2. Platz | 3. Platz |
|---|---|---|---|
| 2025 | Team Falcons | Xtreme Gaming | PARIVISION |
| 2024 | Team Liquid | Gaimin Gladiators | Tundra Esports |
| 2023 | Team Spirit | Gaimin Gladiators | LGD Gaming |
| 2022 | Tundra Esports | Team Secret | Team Liquid |
| 2021 | Team Spirit | PSG.LGD | Team Secret |
| 2020 | kein Turnier (Covid-19) | - | - |
| 2019 | OG | Team Liquid | PSG.LGD |
| 2018 | OG | PSG.LGD | Evil Geniuses |
| 2017 | Team Liquid | Newbee | LGD.Forever Young |
| 2016 | Wings Gaming | Digital Chaos | Evil Geniuses |
| 2015 | Evil Geniuses | CDEC Gaming | LGD Gaming |
| 2014 | Newbee | Vici Gaming | Evil Geniuses |
| 2013 | Alliance | Natus Vincere | Orange esports |
| 2012 | Invictus Gaming | Natus Vincere | LGD Gaming |
| 2011 | Natus Vincere | EHOME | Scythe Gaming |
Nach dem Turnier 2025 stehen OG, Team Spirit und Team Liquid mit je zwei Titeln vorn: Team Spirit gewann 2021 und 2023, OG 2018 und 2019, Team Liquid 2017 und 2024.
Das Preisgeld im Vergleich mit anderen Sportarten
Die Rekordsummen haben den Esports über seine Nische hinaus bekannt gemacht. Der Vergleich mit klassischen Turnieren zeigt heute allerdings, wie ungewöhnlich die Battle-Pass-Jahre waren.
Esports gegen klassische Turniere
2021 lag der Anteil eines einzelnen Team-Spirit-Spielers mit gut 3,6 Millionen US-Dollar über der Siegprämie, die damals bei jedem der vier Tennis-Grand-Slams für den Einzeltitel gezahlt wurde. Heute ist es umgekehrt: Das komplette Siegerteam erhält weniger als ein einzelner Sieger in Wimbledon. Auch das Preisgeld der PDC-Darts-WM liegt inzwischen in einer ähnlichen Größenordnung wie der gesamte Dota-2-Topf.
Der Unterschied liegt außerdem in der Breite. Bei den Grand Slams wird die Erstrundenprämie regelmäßig angehoben, weil sie für Profis jenseits der Top 100 die eigentliche Einnahmequelle ist, wie die Preisgeld-Rangliste im Tennis zeigt. Beim International bekommen nur 16 Teams Geld.
Die Entwicklung des Gesamtpreisgeldes seit dem Turnierstart
Die Entwicklung des gesamten Preisgeldes seit dem Turnierstart 2011:
Häufige Fragen zum Preisgeld bei The International
Wie hoch ist das Preisgeld bei The International?
Valve stellt 1,6 Millionen US-Dollar, den Rest finanziert die Spielerschaft über den Kauf digitaler Turnierinhalte. Die höchste Gesamtsumme kam 2021 mit 40.018.195 US-Dollar zustande, die niedrigste 2024 mit 2.776.566 US-Dollar.
Warum ist das Preisgeld so stark gefallen?
Weil Valve das Finanzierungsmodell umgestellt hat. Der lukrative Battle Pass wurde 2023 durch ein schlankeres Compendium ersetzt, das viel weniger Geld in den Topf spült, und im September 2023 kündigte Valve das Ende des Dota Pro Circuit an.
Wie viel bekommt das Siegerteam?
Rund 40 bis 45 Prozent des Gesamtpreisgeldes, aufgeteilt auf fünf Spieler und meist den Trainerstab. Der Rekord liegt bei 18.208.300 US-Dollar für Team Spirit 2021, 2025 waren es für Team Falcons 1.145.108 US-Dollar.
Wie finanziert sich das Preisgeld heute?
Über Supporter Bundles für Teams und Kommentatoren: 50 Prozent gehen an das Team oder Talent, 30 Prozent in den Preisgeldtopf. Zur Battle-Pass-Zeit waren es 25 Prozent des Erlöses, allerdings aus einem viel größeren Verkaufsvolumen.
Welche Teams haben The International am häufigsten gewonnen?
Nach der Ausgabe 2025 teilen sich OG, Team Spirit und Team Liquid die Spitze mit je zwei Titeln, alle anderen Sieger stehen bei einem Erfolg.
Bild: romankosolapov / Bigstock.com
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