Der Fonds, der seinen Namen trägt, gehört Dirk Müller nicht: Verwaltet wird er von einer Hamburger Fondsgesellschaft, das Portfolio führt eine Bank, und Müller selbst ist dort als Berater eingebunden. Was ihm tatsächlich gehört, ist das Finanzportal Cashkurs, das er seit 2009 über eine eigene Gesellschaft betreibt, samt einer kleinen Firmengruppe darum herum. Bekannt geworden war er vorher als Gesicht des Frankfurter Börsenparketts, das die Zeitungen jahrelang unter der DAX-Tafel abbildeten. Wir schätzen das Vermögen von Dirk Müller auf rund 15 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Dirk Müller?
Dazu kommt ein Posten, den er selbst benannt hat: In den eigenen Fonds habe er einen großen Teil seines privaten Vermögens investiert. Umsatz und Gewinn seiner Gesellschaften sind nicht veröffentlicht. Wer seit 2009 ein eigenes Abo-Portal führt und zugleich an einem Publikumsfonds als Berater beteiligt ist, verdient anders als ein Fernsehexperte, der je Sendung bezahlt wird.
Wie sich seine Einnahmen nach Art des Anspruchs sortieren:
- Gehört ihm: das Finanzportal Cashkurs mit Börsenbriefen, Akademie und Webshop, dazu eine Whisky-Firma und die Holding, in der seine Beteiligungen liegen
- Beteiligt: die Beratungsgesellschaft der beiden Dirk-Müller-Fonds, die zu seiner Holding gehört und für die Beratung vergütet wird
- Bezahlt: Buchhonorare der Verlage, Vortragshonorare über Redneragenturen und Auftritte im Fernsehen
Cashkurs: das Geschäft, das ihm gehört
Vom Parkett in die Selbstständigkeit
Nach dem Abitur in Hockenheim machte Müller eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank in Mannheim. 1993 legte er die Börsenhändlerprüfung ab und arbeitete danach bis 1997 als Makler bei Finacor-Rabe & Partner, von 1997 bis 1998 bei Cantor Fitzgerald International. Von 1998 bis 2008 war er amtlich vereidigter Börsenmakler an der Frankfurter Wertpapierbörse für die ICF AG, bevor er zur mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank wechselte, wo er bis 2010 blieb. Müller ist verheiratet und hat einen Sohn.
Sein Platz lag direkt unter der DAX-Kurstafel am Eingang zu den Tischen der Skontroführer. Als die Börse am 11. März 1999 auf den Rücktritt von Finanzminister Oskar Lafontaine mit einem Kurssprung reagierte, druckten die Zeitungen erstmals sein Gesicht neben die Kurve. Danach wurde er immer wieder fotografiert, sein Spitzname Mister DAX stammt aus dieser Zeit. Zu Geld machte er diese Bekanntheit erst mit dem eigenen Unternehmen.
Wie das Portal Geld verdient
2009 gründete er die Finanzethos GmbH, deren Inhaber und Geschäftsführer er ist. Über sie laufen die Website Cashkurs, kostenpflichtige Mitgliedschaften mit Analysen zu Märkten, Politik und Wirtschaft, dazu Börsenbriefe, eine Online-Akademie und ein Webshop. Das Geschäft lebt von wiederkehrenden Zahlungen: Jedes Abo bringt Monat für Monat Geld, ohne dass ein neuer Vertrag verhandelt werden muss, und die Marke gehört ihm selbst.
Genau darin unterscheidet sich sein Modell von dem vieler Creator. Pamela Reif hat ihr Geld lange über Werbung für fremde Marken verdient, bevor eigene Produkte dazukamen. Müller verkauft von Beginn an sein eigenes Produkt, und jeder Fernsehauftritt wirbt dafür mit. Zahlen zu Mitgliedern und Umsatz sind nicht veröffentlicht, die Mechanik aber ist die eines Verlags mit festem Leserstamm.
Als Sachverständiger der Finanzethos GmbH war er am 27. Juni 2011 vor einem Bundestagsausschuss zur Spekulation mit Agrarrohstoffen geladen und am 16. Januar 2013 zur Anhörung des Finanzausschusses über den Hochfrequenzhandel. Für das Geschäft sind solche Auftritte Glaubwürdigkeit, keine Einnahme.
Der Fonds mit seinem Namen
Wer den Fonds verwaltet
Ende 2022 kam ein zweiter Fonds hinzu, der Dirk Müller Premium Aktien Offensiv, der in dieselben Aktien investiert, aber auf die Absicherung verzichtet. Der ursprüngliche Fonds wurde 2022 zur defensiven Variante umbenannt und heißt DM Premium Strategie defensiv. Das Modell kennt man von Promi-Fonds, wie ihn auch Frank Thelen aufgelegt hat: Der Name gehört zum Produkt, verwaltet wird es von einem regulierten Haus. Die Auswahl der Aktien beschrieb der Fonds zum Start 2015 als langfristige Beteiligung an bilanzstarken Unternehmen in der Tradition von Warren Buffett, ohne Rüstungskonzerne und ohne Wertpapierleihe.
Was ihm daraus zufließt
Das Fondsvermögen gehört den Anlegern und ist als Sondervermögen von der Bilanz aller Beteiligten getrennt, also auch von Müllers Gesellschaften. Verdient wird an der jährlichen Verwaltungsvergütung, die mit steigendem Fondsvolumen stufenweise sinkt. Welcher Anteil davon als Beratungshonorar an seine Gesellschaft geht, ist nicht veröffentlicht. Vom Ausgabeaufschlag erhalten laut Fondsseite weder der Fonds noch seine Beratungsgesellschaft noch er selbst etwas, er deckt die Kosten der vertreibenden Bank oder des Vermittlers.
Die Mechanik ist trotzdem eindeutig: Solange Anleger im Fonds bleiben, fließt Jahr für Jahr eine Vergütung an seine Gesellschaft, unabhängig davon, ob er gerade ein Buch schreibt oder eine Rede hält. Anders als Florian Homm mit seiner eigenen Hedgefondsfirma ist Müller dabei weder Eigentümer der Fondsgesellschaft noch Portfoliomanager. Seine Fondsgesellschaft vermittelt Anteile auch selbst, als gebundener Vermittler eines Hamburger Wertpapierinstituts und laut eigener Seite ohne Ausgabeaufschlag. Ein Finanzvertrieb im großen Stil, wie ihn Carsten Maschmeyer aufgebaut hat, ist das nicht.
Bücher, Bühne und Fernsehen
Vier Sachbücher, vier Bestseller
2009 erschien bei Droemer sein erstes Buch „Crashkurs“ über die Finanzkrise, das ihn weit über die Börsenwelt hinaus bekannt machte; 2010 folgte eine aktualisierte Ausgabe. „Cashkurs“ kam 2011 heraus und stand vom 31. Oktober bis zum 6. November 2011 auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. „Showdown“ erreichte vom 27. Mai bis zum 2. Juni 2013 ebenfalls Platz eins. „Machtbeben“ erschien 2018 bei Heyne und stieg auf Platz sieben der Liste ein.
Auflagen- oder Verkaufszahlen sind zu keinem der vier Titel veröffentlicht. Wirtschaftlich ist er bei den Büchern Auftragnehmer: Der Verlag trägt Druck und Vertrieb und zahlt ihm ein Honorar je verkauftem Exemplar. Bei vier Sachbüchern in neun Jahren bleibt das Buchgeschäft ein Baustein und nicht das Fundament.
Vorträge und Talkshows
Als Redner ist Müller über mehrere Agenturen buchbar, für Firmenveranstaltungen, Messen und Anlegertage. Zu seinen Honoraren ist nichts veröffentlicht. Im Fernsehen war er unter anderem am 24. März 2011 bei Markus Lanz zu Gast, am 18. Juni 2012 bei „hart aber fair“ und am 28. April 2013 in „Absolute Mehrheit“.
Wer wie Günther Jauch das Fernsehen zum Beruf macht, verdient an den Sendungen selbst. Für Müller ist der Auftritt vor allem ein Schaufenster: Wer ihn als Experten im Abendprogramm sieht, wird womöglich später Abonnent oder Fondsanleger, und beides bringt ihm Geld.
Seine öffentlichen Aussagen zu Märkten, Politik und Wirtschaft sind teils zugespitzt und stoßen auf Widerspruch. Für die Vermögensfrage zählt daran nur die Reichweite, die sie ihm verschaffen.
Weitere Beteiligungen
Whisky als zweites Standbein
Über The rare cask company vertreibt Müller seit 2024 einen eigenen Whisky namens Sherishòr, in Schottland destilliert und in Jerez in alten Sherry-Fässern gereift. Vorgestellt hat er ihn im Februar 2024 mit einem eigenen Stand auf der Fachmesse Nord Gastro & Hotel in Husum. Aus dem Projekt wurde ein Club für limitierte Abfüllungen, den er gemeinsam mit Frank Brenner gegründet hat. Die Firma gehört zu seiner Gruppe; ihr Beitrag zum Vermögen ist klein gegenüber Portal und Fonds, zeigt aber, dass er auch hier auf das eigene Produkt setzt und nicht auf eine Lizenz, wie es etwa Sylvie Meis bei ihren Kollektionen tut.
Das Projekt Schlossmühle in Reilingen
In seinem Heimatort Reilingen beschloss der Gemeinderat Ende 2013, ihm das Gelände der Schlossmühle in Erbpacht zu überlassen. Geplant waren ein Wiederaufbau mit Museum, Archäologiepark, Ferienwohnungen und Gastronomie. Im Dezember 2016 zog er sich als Investor zurück, weil der Bebauungsplan nach drei Jahren nicht fertig war. Er habe Vorarbeit geleistet und Geld hineingesteckt, sagte er damals, wirtschaftliche Vorteile habe er sich nicht erhofft. Der Grund wäre durch die Erbpacht ohnehin bei der Gemeinde geblieben.
Häufige Fragen zu Dirk Müller
Wie hoch ist das Vermögen von Dirk Müller?
Wir schätzen das Vermögen von Dirk Müller auf rund 15 Millionen Euro. Den Kern bilden sein Finanzportal Cashkurs, die Beratungsgesellschaft seiner Fonds und das Geld, das er nach eigener Aussage selbst im Fonds angelegt hat.
Gehört Dirk Müller der Dirk-Müller-Fonds?
Nein. Den Fonds verwaltet die Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft, das Portfolio managt die Baader Bank. Müller berät das Fondsmanagement über eine Gesellschaft seiner Holding und ist privat selbst als Anleger investiert.
Womit verdient Dirk Müller sein Geld?
Mit den Abonnements seines Portals Cashkurs, mit der Beratung der beiden Fonds, mit Buchhonoraren, Vorträgen und einem eigenen Whisky. Portal und Whisky-Firma gehören ihm, bei Büchern und Vorträgen wird er bezahlt.
Ist Dirk Müller noch Börsenmakler?
Nein. Als amtlich vereidigter Makler arbeitete er von 1998 bis 2008 an der Frankfurter Börse, danach bis 2010 bei der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank. Seit 2009 führt er sein eigenes Unternehmen.
Welche Bücher hat Dirk Müller geschrieben?
„Crashkurs“ (2009), „Cashkurs“ (2011), „Showdown“ (2013) und „Machtbeben“ (2018). „Cashkurs“ und „Showdown“ standen jeweils eine Woche auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste.
Bildquellen:
@Cashkurs / Facebook