Wanja Oberhof hat seit 2009 mehr als vierzig Unternehmen mitgegründet oder in sie investiert, bekannt wurde er als Vorstandsvorsitzender der börsennotierten The Social Chain AG. Aus dieser Gesellschaft hat er kein Geld gezogen, er hat welches hineingegeben: Im Dezember 2022 und im Juni 2023 kaufte er Aktien für zusammen rund 3,1 Millionen Euro, wenige Wochen bevor das Unternehmen im Juli 2023 einen Insolvenzantrag stellte. Sein Geld steckt deshalb nicht in dieser Firma, sondern in einem Berliner Beteiligungshaus und dessen Anteilen an mittelständischen Betrieben. Wir schätzen das Vermögen von Wanja Oberhof auf rund 4 Millionen Euro.
Wie hoch ist das Vermögen von Wanja Oberhof?
Drei belegte Kapitaleinsätze zeigen, wie viel eigenes Geld er in seiner stärksten Phase bewegen konnte:
- Dezember 2022: Kauf von 200.000 Aktien der The Social Chain AG zu je 5,00 Euro, zusammen 1,0 Millionen Euro
- Juni 2023: Kauf von 825.000 Aktien derselben Gesellschaft zu je 2,60 Euro, zusammen 2,145 Millionen Euro
- November 2023: Zusage über 3 Millionen US-Dollar frisches Eigenkapital für The Healing Company, gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Investoren
Warum das Social-Chain-Paket nichts mehr wert ist
Als die Gesellschaft am 12. November 2021 in den Prime Standard der Frankfurter Börse wechselte, lag der erste offizielle Kurs bei 54 Euro. Oberhof kaufte gut ein Jahr später zu 5,00 Euro und im Juni 2023 zu 2,60 Euro. Die 825.000 Aktien vom Juni 2023 kaufte er der Beteiligungsgesellschaft des Aufsichtsratsvorsitzenden Georg Kofler ab. Danach hielt er 12,10 Prozent der Stimmrechte. Zum Preis dieses Geschäfts war sein gesamtes Paket knapp fünf Millionen Euro wert.
Einen Monat später, am 24. Juli 2023, stellte die Gesellschaft einen Insolvenzantrag. Wenige Tage vor dem Antrag war ein letzter Rettungsversuch gescheitert: Eine mit der Tennor-Gruppe des Investors Lars Windhorst verbundene Gesellschaft hatte drei Millionen Euro frisches Kapital zugesagt, das Geld kam nicht an. Über die Gründe gehen die Darstellungen der Beteiligten auseinander. Am 1. Oktober 2023 eröffnete das Insolvenzgericht in Berlin-Charlottenburg das Verfahren in Eigenverwaltung. Der am 11. Juni 2026 eingereichte Insolvenzplan sieht keine Zahlungen an die Aktionäre vor. Wir rechnen die Beteiligung deshalb nicht mehr an.
Geliehenes Geld aus dem eigenen Netzwerk
In der Zeit um die Insolvenz lieh sich Oberhof bei Geschäftspartnern private Summen im siebenstelligen Bereich. Der Unternehmensberater Stephan Goetz gab ihm nach Recherchen der „Bild“ 1,5 Millionen Euro. Goetz sagte der Zeitung: „Ich hatte immer das Gefühl, dass er sich anstrengt, die Schulden zurückzuzahlen.“ Zugleich habe er ihn gewarnt: „Mit deinem aufwendigen Lifestyle reizt du deine Geldgeber.“ Wie viel von diesen Darlehen offen ist, ist nicht veröffentlicht; sie sind ein Grund dafür, dass wir zurückhaltend schätzen.
Das Familienbüro und die verbliebenen Beteiligungen
Seine Investments bündelt Oberhof seit 2015 in einer eigenen Berliner Beteiligungsgesellschaft, die unter dem Kürzel WAOW als Familienbüro auftritt. Das wirtschaftliche Gewicht liegt dort nicht im Digitalgeschäft, sondern im Mittelstand: Seit 2023 führt er die Geschäfte der Sanitärtechnikgruppe poresta systems in Bad Wildungen samt ihrer österreichischen Tochter und eines Großhändlers für Sanitär- und Baubedarf am selben Ort. Dazu kommen eine Berliner Wagniskapitalgesellschaft, ein Handelsunternehmen und ein Rohstoffunternehmen in Dresden, in dessen Vorstand er im August 2026 einzog. Aus der Führung seines eigenen Familienbüros zog er sich im April 2026 zurück.
Woher das Geld kommt
Vom Zeitungs-Start-up zur Handelsholding
Sein erstes Unternehmen gründete Oberhof nach eigener Darstellung mit vierzehn Jahren, eine Veranstaltungsfirma. 2009 startete er in Berlin niiu, eine aus fremden Blättern selbst zusammenstellbare Tageszeitung. 2012 folgte mit Newscase ein digitaler Nachfolger. Ein Vermögen hat er damit nicht aufgebaut: Die Gesellschaft hinter niiu wurde 2022 geschlossen.
Verdient hat er erst im Onlinehandel. 2017 baute er die Holding Lumaland auf, in der er Konsumgütermarken bündelte, 2018 rückte er an ihre Spitze, im selben Jahr zog Georg Kofler in ihren Aufsichtsrat ein. Das Muster war dasselbe, mit dem in Berlin auch Oliver Samwer groß geworden ist: Marken einkaufen, über eigene Kanäle verkaufen, die Gruppe an die Börse bringen.
Die Fusion zur Social Chain AG
Den Kontakt zu Kofler verdankt Oberhof einem Bericht der „Bild“ zufolge dem Investor Lars Windhorst; ein nicht namentlich genannter Weggefährte sagte der Zeitung, Windhorst sei Oberhofs großes Vorbild gewesen. Im Juni 2019 kündigte die börsennotierte Lumaland AG an, die The Social Chain Group AG von Kofler zu übernehmen. Bezahlt wurde mit neuen Aktien, rund 5,85 Millionen Stück zu je 15,54 Euro, was den Kaufpreis auf rund 91 Millionen Euro brachte. Kofler wurde größter Aktionär der umbenannten The Social Chain AG, Oberhof ihr Vorstandsvorsitzender. Die eingebrachte Gruppe ging auf eine gemeinsame Gesellschaft von Kofler und Judith Williams zurück, in der Beteiligungen aus einer Gründershow lagen.
Was der Konzern zusammenkaufte
Unter Oberhofs Führung wuchs die Gesellschaft durch Zukäufe. Der größte war im Oktober 2021 die DS Gruppe von Ralf Dümmel für 220,5 Millionen Euro, davon 100 Millionen Euro in bar und der Rest in Aktien. Das Geschäftsmodell lebte von Reichweite, ähnlich wie die Marken von Pamela Reif oder Lena Gercke. Ende 2022 gab Oberhof den Vorstandsvorsitz ab, Kofler übernahm ihn Anfang 2023.
The Healing Company und das Verfahren in New York
Der Aufbau des Wellness-Unternehmens
Die Anklage und der Stand des Verfahrens
Am 14. September 2026 gab die Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York bekannt, dass eine Anklage gegen Oberhof entsiegelt worden ist. Sie umfasst einen Anklagepunkt wegen Überweisungsbetrugs. Nach Darstellung der Ermittler soll er im Mai 2024 einen Investor zu einer Beteiligung von 2,5 Millionen US-Dollar an einer Tochtergesellschaft von The Healing Company bewegt und den größten Teil dieses Geldes anschließend für eigene Zwecke verwendet haben. Die Anklageschrift beziffert drei dieser Überweisungen: rund 25.000 US-Dollar für die Miete seiner Wohnung in Manhattan, mehr als 57.000 US-Dollar für die Tilgung eines privaten Kredits und mehr als 1,8 Millionen US-Dollar auf ein von ihm kontrolliertes Konto im Ausland.
Oberhof wurde am selben Tag festgenommen. Die Anklageschrift führt den Investor nur als Victim-1. Es ist Klaus Kleinfeld, früher Vorstandsvorsitzender von Siemens und danach von Alcoa; ein Sprecher Kleinfelds bestätigte das im September 2026 auf Nachfrage des Handelsblatts. In dem Verfahren steht er als mutmaßlich Geschädigter und nicht als Beschuldigter. Es handelt sich um Vorwürfe der Anklagebehörde. Ein Urteil gibt es nicht, und bis zu einem rechtskräftigen Schuldspruch gilt die Unschuldsvermutung.
Über die Haftfrage berichtete im September 2026 die „Bild“: Das Gericht habe eine Kaution von zwei Millionen US-Dollar angesetzt, für die zwei Bürgen aus Deutschland einstehen sollen, darunter ein Familienangehöriger, dazu eine Barsicherheit von einer Million US-Dollar. Kommt Oberhof auf freien Fuß, gelten dem Bericht zufolge Hausarrest, eine Überwachung per GPS, die Abgabe des Reisepasses und ein auf den Großraum New York begrenzter Bewegungsradius. Ob die Sicherheit hinterlegt und die Haftentlassung vollzogen ist, war zunächst nicht bestätigt.
Bereits am 28. August 2024 hatte der Sicherheitentreuhänder des Kreditgebers vor einem New Yorker Zivilgericht gegen The Healing Company und mehrere Personen geklagt, unter ihnen Oberhof. Auch dieses Verfahren ist nicht entschieden.
Für unsere Schätzung heißt das zweierlei: Die Beteiligung an The Healing Company ist nichts mehr wert, weil das Unternehmen sein Vermögen an einen Treuhänder zugunsten der Gläubiger abgegeben hat. Und es stehen Forderungen im Raum, deren Höhe erst am Ende der beiden Verfahren feststeht. Unsere Schätzung nimmt deren Ausgang nicht vorweg.
Häufige Fragen zu Wanja Oberhof
Wie hoch ist das Vermögen von Wanja Oberhof?
Wir schätzen es auf rund 4 Millionen Euro. Es besteht im Kern aus den Beteiligungen seines Berliner Familienbüros, vor allem an einer Gruppe für Sanitärtechnik und Baubedarf. Social Chain und The Healing Company rechnen wir nicht mehr an.
Woher stammt das Vermögen von Wanja Oberhof?
Aus dem Onlinehandel. Oberhof baute ab 2017 die Handelsholding Lumaland auf, die 2019 durch die Übernahme der The Social Chain Group AG für rund 91 Millionen Euro zur The Social Chain AG wurde und die er als Vorstandsvorsitzender führte.
Welche Rolle spielt die Social Chain AG für das Vermögen von Wanja Oberhof?
Sie war sein größter Einzelposten und ist es nicht mehr. Im Juni 2023 hielt er 12,10 Prozent der Stimmrechte, wenige Wochen später folgte der Insolvenzantrag. Der Insolvenzplan vom 11. Juni 2026 sieht keine Zahlungen an die Aktionäre vor.
Was wird Wanja Oberhof in den USA vorgeworfen?
Am 14. September 2026 gab die New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft eine Anklage wegen eines Falls von Überweisungsbetrug bekannt. Sie wirft ihm vor, als Chef von The Healing Company eine Investition von 2,5 Millionen US-Dollar unter falschen Angaben eingeworben und zweckwidrig verwendet zu haben. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung.
Womit verdient Wanja Oberhof neben seinen Beteiligungen Geld?
Er führt seit 2023 die Geschäfte der Sanitärtechnikgruppe poresta systems in Bad Wildungen und eines Großhändlers am selben Standort. Im August 2026 kam der Vorstandsposten bei einem Dresdner Rohstoffunternehmen dazu.
Welche Unternehmen hat Wanja Oberhof gegründet?
Nach eigener Darstellung mehr als vierzig, ähnlich breit gestreut wie bei Carsten Maschmeyer oder Frank Thelen. Namentlich bekannt sind niiu von 2009, Newscase von 2012, Lumaland von 2017 und The Healing Company von 2021.
Bildquellen:
IMAGO / BREUEL-BILD + Galoppfoto