Markus Söder gehört zu den wenigen Personen des öffentlichen Lebens, deren laufende Einkünfte sich fast auf den Euro genau nachvollziehen lassen. Der promovierte Jurist aus Nürnberg sitzt seit dem 20. Oktober 1994 im Bayerischen Landtag, führt seit dem 16. März 2018 als Ministerpräsident die Bayerische Staatsregierung und steht seit dem 19. Januar 2019 an der Spitze der CSU. Was er dafür bekommt, steht nicht in einem Vertrag, sondern in zwei Gesetzen. Wir schätzen das Vermögen von Markus Söder auf rund 3 Millionen Euro. Die Zahl beruht auf einer Hochrechnung seiner Amtsbezüge über gut drei Jahrzehnte und nicht auf einer veröffentlichten Vermögensangabe.
Wie hoch ist das Vermögen von Markus Söder?
Bei Berufspolitikern ohne Unternehmensbeteiligung führt der übliche Weg über Vermögensaggregatoren ins Leere. Dafür gibt es etwas Belastbareres: gesetzlich festgelegte Bezüge, veröffentlichte Besoldungstabellen und lückenlos dokumentierte Amtszeiten. Nach unserer Schätzung kommt Markus Söder auf rund 3 Millionen Euro.
Woraus sich die Schätzung zusammensetzt
In Summe sind das rund 5,4 Millionen Euro steuerpflichtige Bezüge über 32 Jahre. Bei einer effektiven Belastung aus Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag von etwa 47 Prozent bleiben davon rund 2,8 Millionen Euro netto. Davon geht die Lebenshaltung ab, die bei einem Haushalt mit vier Kindern über drei Jahrzehnte deutlich ins Gewicht fällt; wir veranschlagen dafür vorsichtig rund 1,4 Millionen Euro. Rechnet man auf den Rest eine gewöhnliche Verzinsung, landet man bei der oben genannten Größenordnung. Das ist eine Schätzung und bewusst am unteren Rand angesetzt.
Was bei der Schätzung außen vor bleibt
Die steuerfreie Kostenpauschale des Landtags und die Dienstaufwandsentschädigung lassen wir weg, weil sie Aufwandsersatz sind. Der Orts- und Familienzuschlag nach dem Bayerischen Besoldungsgesetz ist für ihn nicht öffentlich beziffert und bleibt ebenfalls unberücksichtigt.
Der wichtigste Punkt betrifft das familiäre Umfeld. Seine Ehefrau Karin Baumüller-Söder ist Gesellschafterin einer Nürnberger Unternehmensgruppe, doch Anteile der Ehefrau sind kein Privatvermögen des Ehemanns. Eine eigene Unternehmensbeteiligung Söders ist nicht belegt, und wer beide Sphären vermischt, kommt auf ein Vielfaches zu hohe Zahlen. Zu Immobilienbesitz liegen ebenfalls keine belegten Angaben vor.
Die Amtsbezüge des bayerischen Ministerpräsidenten
Anders als bei Unternehmern oder Sportlern ist die Bezahlung eines Regierungschefs in Deutschland vollständig öffentlich. Maßgeblich sind das Bayerische Ministergesetz und das Bayerische Abgeordnetengesetz, beide im Volltext abrufbar. Ähnlich transparent liegt der Fall beim Vermögen von Olaf Scholz oder bei Angela Merkel.
Das Amtsgehalt nach dem Bayerischen Ministergesetz
Art. 10 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a des Bayerischen Ministergesetzes legt das Amtsgehalt des Ministerpräsidenten auf das Grundgehalt der Besoldungsgruppe B 11 zuzüglich eines Zuschlags von sieben Fünfundzwanzigsteln fest, was dem Faktor 1,28 entspricht. B 11 liegt in Bayern seit der Besoldungserhöhung zum 1. Februar 2025 bei 15.809,30 Euro im Monat, festgeschrieben in Anlage 3 des Bayerischen Besoldungsgesetzes.
Daraus ergibt sich ein Amtsgehalt von 20.235,90 Euro brutto im Monat, also rund 242.800 Euro im Jahr, Stand August 2026. Zum 1. Oktober 2026 steigt die Besoldung nach einem Ministerratsbeschluss vom 19. Mai 2026 um 2,82 Prozent, vorbehaltlich der Verabschiedung durch den Landtag.
Dienstaufwandsentschädigung und Zuschläge
Nach Art. 10 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a BayMinG kommt eine Dienstaufwandsentschädigung von 1.150 Euro im Monat hinzu. Sie steht als Festbetrag im Gesetz, wird nicht an die Besoldung angepasst und ist als gesetzlich festgesetzte Aufwandsentschädigung regelmäßig steuerfrei. Dazu tritt ein Orts- und Familienzuschlag nach Art. 10 Abs. 1 Nr. 2 BayMinG, dessen Höhe von Ortsklasse und Familienstand abhängt und im Einzelfall nicht veröffentlicht wird.
Die Abgeordnetenentschädigung und ihre Anrechnung
Art. 22 Abs. 1 des Bayerischen Abgeordnetengesetzes ordnet an, dass die Entschädigung um 50 Prozent gekürzt wird, wenn ein Mitglied des Landtags daneben Anspruch auf Einkünfte aus einem Amtsverhältnis hat; der Kürzungsbetrag darf dabei 30 Prozent dieses Einkommens nicht übersteigen. Beim Ministerpräsidenten greift diese Deckelung nicht, es bleibt bei der vollen Halbierung auf 5.297,53 Euro. Parallel sinkt nach Art. 6 Abs. 2 BayAbgG die steuerfreie Kostenpauschale um ein Viertel auf 3.311,27 Euro, und ein Verzicht darauf ist nach Art. 26 BayAbgG unzulässig. Unter dem Strich stehen damit rund 25.533 Euro steuerpflichtige Bezüge im Monat, dazu rund 4.461 Euro steuerfreie Pauschalen. Wer stattdessen Amtsgehalt und volle Diät addiert, kommt auf rund 63.500 Euro im Jahr zu viel. Auf Bundesebene funktioniert die Anrechnung nach demselben Muster, nachzulesen in der Übersicht zum Politiker Gehalt in Deutschland.
Gehalt und Bezüge vor dem Ministerpräsidentenamt
Söders Erwerbsbiografie liegt fast vollständig im öffentlichen Dienst und in der Politik. Das unterscheidet ihn von Quereinsteigern wie Friedrich Merz, dessen Vermögen überwiegend aus der Zeit außerhalb der Politik stammt.
Ausbildung, Promotion und journalistische Anfänge
Nach dem Abitur 1986 studierte Söder von 1987 bis 1991 Rechtswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und legte das erste juristische Staatsexamen ab. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl für Staats-, Verwaltungs- und Kirchenrecht und wurde 1998 an derselben Universität zum Dr. jur. promoviert, mit einer Arbeit zur Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818.
Berufspraxis sammelte er im Journalismus: Von 1992 bis 1993 absolvierte er ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk und arbeitete danach als Redakteur für den Sender. Eigene Sachbücher hat er nicht veröffentlicht; die unter seinem Namen im Buchhandel geführten Titel sind Biografien anderer Autoren über ihn.
Die Jahre als Staatsminister
Von 1995 bis 2003 war Söder Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern, von 2003 bis 2007 CSU-Generalsekretär. Am 16. Oktober 2007 rückte er als Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten erstmals in die Staatsregierung ein. Es folgten das Umwelt- und Gesundheitsressort vom 30. Oktober 2008 bis zum 3. November 2011 und danach das Finanzressort, ab dem 10. Oktober 2013 erweitert um Landesentwicklung und Heimat, bis zum 15. März 2018.
Das Amtsgehalt eines bayerischen Staatsministers bemisst sich nach Art. 10 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b BayMinG auf B 11 zuzüglich dreier Sechzehntel, also Faktor 1,1875. Für Oktober 2018 weist ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages 15.814,96 Euro im Monat aus, davor lag der Betrag entsprechend niedriger. Über die gut zehn Ministerjahre summiert sich das zum größten Einzelblock seiner Laufbahn, vergleichbar mit dem Muster bei Jens Spahn oder Armin Laschet.
Nebeneinkünfte im Register des Bayerischen Landtags
Das amtliche Abgeordnetenprofil des Bayerischen Landtags weist unter den veröffentlichungspflichtigen Angaben keinen einzigen Euro-Betrag und keine entgeltliche Nebentätigkeit aus. Eingetragen sind ausschließlich Gremienmandate, ganz überwiegend von Amts wegen, darunter die Vorsitze in den Stiftungsräten der Bayerischen Landesstiftung, der Bayerischen Forschungsstiftung und der Sudetendeutschen Stiftung.
Das hat einen rechtlichen Hintergrund: Art. 3 BayMinG untersagt Mitgliedern der Staatsregierung, während der Amtsdauer ein anderes besoldetes Amt, einen Beruf oder ein Gewerbe auszuüben, und Art. 3b bestimmt, dass Vergütungen aus amtsbezogenen Nebentätigkeiten dem Freistaat zustehen. Bayern kennt dabei kein Stufenmodell wie früher der Bundestag, sondern verlangt nach Art. 34 Abs. 3 BayAbgG die Angabe der genauen Höhe. Ein Vergleich mit Christian Lindner oder Claudia Roth zeigt, wie unterschiedlich das ausfallen kann.
Altersversorgung und offene Posten
Bei langjährigen Mandats- und Amtsträgern ist die Versorgung der zweite große Vermögensbaustein. In Bayern ist sie in beiden Gesetzen getrennt geregelt und wird anschließend gegeneinander verrechnet.
Ruhegehalt als Mitglied der Staatsregierung
Art. 15 BayMinG setzt eine Mindestamtszeit von fünf Jahren voraus. Der Anspruch beginnt bei mindestens 30 Prozent der ruhegehaltfähigen Amtsbezüge und steigt um 2,4 Prozent je weiterem Amtsjahr bis zu einem Höchstsatz von 71,75 Prozent. Ausgezahlt wird grundsätzlich erst mit der Regelaltersgrenze, bei mindestens zehnjähriger Amtszeit ab dem vollendeten 62. Lebensjahr; eine vorzeitige Inanspruchnahme ab dem 64. Lebensjahr mindert das Ruhegehalt um 3,6 Prozent je Jahr, höchstens um 10,8 Prozent.
Altersentschädigung als Abgeordneter
Anders als mehrere andere Bundesländer hat Bayern die klassische Abgeordnetenpension nicht durch ein Versorgungswerk ersetzt, sondern 2003 und 2004 lediglich abgesenkt. Nach Art. 12 und 13 BayAbgG entsteht der Anspruch mit zehn Jahren Mitgliedschaft, beträgt dann 33,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung und steigt bis zum zwanzigsten Jahr um jeweils 3,825 Prozent auf ebenfalls höchstens 71,75 Prozent.
Beide Ansprüche stehen nicht ungekürzt nebeneinander. Art. 22 Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 10 BayAbgG lässt die Altersentschädigung um die Hälfte des Betrags ruhen, um den sie zusammen mit dem Ruhegehalt aus dem Amtsverhältnis 85 Prozent der aktuellen Abgeordnetenentschädigung übersteigt. Individuelle Ansprüche veröffentlichen weder Landtag noch Staatsregierung.
Was zum Privatvermögen nicht öffentlich ist
Die Transparenz endet bei den Bezügen. Weder Immobilienbesitz noch Kapitalanlagen unterliegen in Bayern einer Veröffentlichungspflicht, und aus den Registerangaben lässt sich dazu nichts ableiten. Wer hier Zahlen findet, sollte prüfen, ob sie sich in Wahrheit auf den Umsatz eines Unternehmens beziehen. Ähnliche Unschärfen zeigen sich bei Gerhard Schröder, Martin Schulz und Ursula von der Leyen.
Häufige Fragen zu Markus Söder
Wie hoch ist das Vermögen von Markus Söder?
Wir schätzen es auf rund 3 Millionen Euro. Die Zahl ist eine eigene Hochrechnung aus den gesetzlich festgelegten Amtsbezügen seit 1994, abzüglich Steuern und Lebenshaltung.
Wie viel verdient ein bayerischer Ministerpräsident?
Das Amtsgehalt beträgt nach Art. 10 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a BayMinG das Grundgehalt der Besoldungsgruppe B 11 zuzüglich sieben Fünfundzwanzigsteln, mit Stand August 2026 also 20.235,90 Euro brutto im Monat. Hinzu kommen 1.150 Euro Dienstaufwandsentschädigung, ein Orts- und Familienzuschlag sowie die halbierte Abgeordnetenentschädigung, sofern zugleich ein Landtagsmandat besteht.
Bekommt ein Ministerpräsident zusätzlich die volle Diät?
Nein. Nach Art. 22 Abs. 1 BayAbgG wird die Abgeordnetenentschädigung um 50 Prozent gekürzt, wenn daneben Einkünfte aus einem Amtsverhältnis bestehen, wobei der Kürzungsbetrag 30 Prozent dieses Einkommens nicht übersteigen darf. Zusätzlich sinkt die steuerfreie Kostenpauschale um ein Viertel.
Woher stammt das Vermögen von Markus Söder?
Nahezu ausschließlich aus öffentlichen Bezügen: der Abgeordnetenentschädigung seit 1994, dem Amtsgehalt als Staatsminister von 2007 bis 2018 und dem Amtsgehalt als Ministerpräsident seit März 2018.
Hat Markus Söder Nebeneinkünfte?
Im Register der veröffentlichungspflichtigen Angaben des Bayerischen Landtags sind keine entgeltlichen Nebentätigkeiten und keine Beträge eingetragen, sondern ausschließlich Gremienmandate, größtenteils von Amts wegen. Art. 3 BayMinG verbietet Mitgliedern der Staatsregierung ohnehin die Ausübung eines anderen besoldeten Amtes, Berufs oder Gewerbes.
Bildquellen:
IMAGO / dts Nachrichtenagentur
IMAGO / Patrick Scheiber